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WIEN/ Staatsoper: GÖTTERDÄMMERUNG

30.06.2014 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER – 29.06.2014 – GÖTTERDÄMMERUNG

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Markus Eiche, Stephen Gould. Foto: Michael Pöhn/ Wiener Staatsoper

 Ein denkwürdiger „Ring“ ist zu Ende – auch der letzte Teil war geprägt von Orchestermusik auf allerhöchstem Niveau und zwei Ausnahmekünstlern in beeindruckender Verfassung.

 Wieder erwiesen sich Adam Fischer und das Staatsopernorchester als ideale Kombination sowohl für die zarten und emotionsgeladenen Szenen als auch für die mächtigen Orchesterpassagen, die mit Präzision und Leidenschaft bis zur Schmerzgrenze zelebriert wurden – Wagner – Kompetenz in Vollendung.

Man ist geneigt, die Nietzsche– und Loriot Zitate zu kombinieren und zu präzisieren: Ein Leben ohne Musik von Richard Wagner ist möglich, aber sinnlos!

 Diesmal hatte Nina Stemme – im Gegensatz zur kurzen Rolle im Siegfried – einen Vollzeitauftritt zu bewältigen und zeigte uns eine liebevolle fürsorgliche Gefährtin, eine vermeintlich betrogene, tobende Furie und eine würdevolle Nachfolgerin Wotans als Gestalterin der neuen, aus der Liebe geborenen Ordnung. Dies alles mit einer edel timbrierten Stimme, die von einer souveränen Tiefe bis in höchste Höhen unangestrengt schön klingt und dank der technischen Möglichkeiten zur eindrucksvollen Rollengestaltung befähigt ist. Darstellerische Höhepunkte waren das wütende Toben nach dem Erkennen des „Betruges“ und ihr Schlussmonolog – beeindruckend bis in die hochdramatischesten Bereiche gesungen – niemals gebrüllt!

 Stephen Gould überzeugte auch in der Götterdämmerung uneingeschränkt durch lyrischen Ausdruck und durch heldentenorale Kraft, Sicherheit und Stimmschönheit. Die Waldvogel-Erzählung und die Sterbeszene waren  – selten in dieser Qualität gehörte – Höhepunkte des ganzen Ringes.

 Attila Jun war ein etwas gewöhnungsbedürftiger Hagen. Er gab den finsteren Gesellen mit schöner, technisch guter Stimme, erreichte alle tiefen Töne, überraschte aber in der Mittellage mit einem hellen Bass – besonders im Vergleich zu Rollenvorgängern wie Matti Salminen oder Kurt Rydl – dem die Bedrohlichkeit und die Schwärze fehlte. Dass zu Beginn des zweiten Aktes Hagen heller klingt als Alberich, ist für uns zwar neu aber: warum nicht? – wir haben auch schon einen „schwarzen“ Holländer neben einem „hellen“ Daland erlebt.

Jochen Schmeckenbecher war mit souveräner, warmer Stimme auch diesmal ein sympathischer aber – rollenbedingt – kein dominierender Alberich.

 Die Gibichungen wurden gestern von Caroline Wenborn als Gutrune dominiert – ihr klarer, schön klingender Sopran blüht auf und besteht neben der fulminanten Nina Stemme mehr als nur ordentlich. Markus Eiche wirkte in dieser Götterdämmerung etwas farblos, lieferte aber in der Blutsbrüderszene dank einer perfekten Stimmverschmelzung mit Stephen Gould einen der Höhepunkte des Abends.

 Janina Baechle gestaltete die Waltraute temperamentvoll mit satt klingenden Tiefen und gut geführter Mittellage, die Nornen (Zoryana Kushpler, Stephanie Houtzeel und Ildiko Raimondi) sorgten mit guten Einzelleistungen und perfektem Zusammenspiel dafür, dass diese – von manchen Wagnerianern ungeliebte – Szene mit eindrucksvoller Musik kurzweilig gestaltet wurde.

 Simina Ivan (Woglinde), Ulrike Helzel (Wellgunde) und Alisa Kolosova (Flosshilde) harmonierten sowohl gesanglich als auch darstellerisch als Rheintöchter und gehören zu den vielen kleinen Figuren des Ringes, die man oft erst wahrnimmt, wenn die Leistung nicht passt – ebenso wie die Damen und Herren des Chores, die für die Stimmung und den Fortgang der Handlung so wichtig sind.

 Nach Hagens Ausruf: „Zurück vom Ring!“ – wenn alle Worte gesprochen sind, spricht nur mehr die Musik und zeigt uns nach einem der ausdrucksvollsten, emotionalsten Klanggemälde der Opernliteratur, dass „Der Ring des Nibelungen“ eine uneingeschränkt positive Aussage vermittelt. Das Motiv der „Liebeserlösung“ dokumentiert den Sieg der Liebe über Machtgier, Falschheit und Gewalt – eine Botschaft, die nicht oft genug verbreitet werden kann.

 Maria und Johann Jahnas

 

 

 

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