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WIEN/ Staatsoper: EUGEN ONEGIN – dritte Vorstellung

19.04.2013 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Staatsoper. Pjotr Iljitsch Tschaikowsky: EUGEN ONEGIN 18. April 2013

 Auch ein rundum mit russischen Sängern besetzter Eugen Onegin garantiert noch lange keine gute Aufführung dieser beliebten Tschaikowsky-Oper.

 Das Hauptaugenmerk richtete sich natürlich ganz auf Anna Netrebko, die zum ersten Mal die Tatjana verkörperte. Doch die russische Sängerin schien mit ihrem dunkel gefärbten, oft gaumig klingenden Sopran so gar nicht ideal für die junge Tatjana. Denn diese klang bei Netrebko nun gar nicht nach jung und aufblühend. Dazu war auch ihr Spiel sehr verhalten. In der Briefszene – die sie solide, aber lange nicht mitreißend sang – wirkte sie auch sehr distanziert. Die Erkenntnis, sich verliebt zu haben, kam so leidenschaftslos herüber, dass man das Gefühl hatte, Tatjana habe lediglich die Erkenntnis gewonnen, welches Waschmittel streifenfrei wäscht.

Stimmlich kam die Netrebko erst in den letzten beiden Bildern gut zur Geltung. Die junge Fürstin nahm man ihr schon eher ab. Da paßte auch die Stimme zum Charakter. Erst im Finale konnte Netrebko ihre stimmlichen Fähigkeiten gut einsetzen und hier konnte sie mit ihrem höhensicheren Sopran auch dramatisch überzeugen. Der Hype, der um dieses Debüt veranstaltet wurde, ist sicher nicht gerechtfertigt. Damit hat man der Sängerin keinen Gefallen getan.

 Ebenfalls problematisch erwies sich auch die Darstellung des Titelhelden durch Dmitri Hvorostovsky. Sein Bariton klang lange recht eindimensional. Gut gelang ihm die Arie im dritten Bild. Doch in den Orchesterwogen – wie bei seiner kurzen Arie im vorletzten Bild – hatte er seine Mühe gegen das Orchester anzukommen. Im großen Schlußduett konnte man überhaupt nur wenig von ihm hören, da kam nur Netrebko, die aus dem Duett schon fast eine Solonummer machte, sehr gut über das Orchester hinweg.

Darstellerisch hätte Hvorostovsky auch mehr aus der Rolle machen müssen. Die meiste Zeit stand er mehr stocksteif herum, selbst dann noch als er im sechsten Bild erkannt hat, dass seine Liebe Tatjana gilt. In Onegin veränderte sich etwas, in Hvorostovsky’s Spiel leider gar nichts.

 Als Figur am Überzeugendsten war der Lenski von Dmitry Korchak. Der junge Sänger stattete den Dichter mit klangschönen Tönen aus. Man würde sich vielleicht noch ein bißchen mehr Volumen wünschen, dann wäre der Sänger vielleicht auch in dramatischeren Momenten nicht gezwungen gewesen, auf die Stimme zu drücken, was dann einen unschönen Klang ergab. An Pavol Breslik’s zuletzt in London hinreißenden Lenski kommt der Sänger nicht heran.

 Konstantin Gorny sang den Gremin mit etwas sprödem Bass während Alisa Kolosova als Olga einen sehr attraktiven Mezzo hören ließ. Zoryana Kushpler switchte von der Olga zu einer viel zu jungen Larina und blieb in der Rolle blass, während Aura Twarowska – die in der Premiere noch die Larina war – eine adäquate Amme darstellte.

 Das Dirigat von Andris Nelsons war uninspiriert und die Musik plätscherte recht emotionslos dahin. Nelsons neigte leider allzu oft dazu, die Musik breiig klingen zu lassen. Lyrische Intensität ist etwas anderes.

Fazit des Abends: Enttäuschend.

 Gejubelt wurde am Schluss natürlich trotzdem heftig. Anna Netrebko und auch Dmitry Korchak wurden sehr stark bejubelt, Hvorostovsky deutlich weniger.

Wo immer auch an diesem Abend eine Sternstunde stattfand – an der Wiener Staatsoper sicher nicht.

 Lukas Link

 

 

 

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