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WIEN/ Staatsoper: DORNRÖSCHEN (Ballett- Wiederaufnahme)

22.12.2011 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

Wiener Staatsoper/ Staatsballett: „DORNRÖSCHEN“ – Wiederaufnahme von Tschaikowskis Ballettklassiker am 21.12.2011


Liudmilla Konovalova. Foto: Barbara Zeininger

Ein bisschen Pech hat unsere „Dornröschen“-Prinzessin schon! Ballettchef Manuel Legris hätte wohl lieber die Wiederaufnahme von Rudolf Nurejews choreografischer Version von Peter I. Tschaikowskis Ballettklassiker „Dornröschen“ bevorzugt. Von 1980 bis 1990 ist diese in in ihrer bildhaften Erzählung und tänzerisch in jeder Hinsicht phantasievolle Produktion vom Wiener Opernballett getanzt worden. Doch 1995 hatte die damalige Ballettchefin Anne Woolliams den bedauerlichen Einfall, diese Fassung durch eine Neuproduktion ihres britischen Choreografen-Freundes Peter Wright zu ersetzen. Nun, erhalten geblieben sind nur die Kulissen und die Kostüme der heute doch eher steril wirkenden Fassung von Wright.  Und somit ist nun nach 5 Jahren Dornröschen-Schlaf die Wiederaufnahme dieser Wright-Einstudierung angesetzt worden, um eine Leistungsschau der derzeitigen Wiener Kompanie zu bieten.

Trotzdem, bitte, dieses „Dornröschen“ ist schon schön anzusehen! Für Ausstatter Philip Prowse ist damals genug Geld zur Verfügung gestanden.  Und er hat mit Geschmack und satten, kräftigen Farben opulente Barockmärchen-Bilder auf die Bühne gezaubert und dazu die Tänzer und Statisten in prunkvolle und gold- und silbrig glitzernde Kostüme verpackt. Die Aufführung trumpft mit pompöser Maskerade anstatt einer blutvollen Erzählung auf. Immerhin, durchaus eindrucksvoll. Und Dirigent Paul Connelly untermalt diese perückenschwere Tanzparade mit forschem Zugriff, unruhigen Tempi und allzu sehr zurückhaltender Zärtlichkeit.

Die Wiederaufnahme-Vorstellung dürfte noch nicht die Glanzbesetzung des Wiener Staatsballetts geboten haben. Sympathisch, gefällig, doch wohl eine kleine Spur zu unpersönlich, unausgereift blieben an diesem Einspielabend die Feen und ihre Kavaliere, die Burlesken der Märchenfiguren, die Aufmärsche der Hofgesellschaft. Mit Betonung angemerkt: die seriösen Leistungen aller Tänzer sind zu loben. Das war eine bemühte, exakte, sehr anständige Performance, die sich im Opernhaus sehen lassen kann. Nicht zu vergessen: Choreograf Marius Petipa,  der sich unser geliebtes „Dornröschen“ 1890 in St. Petersburg ausdachte, hat ein in jeder Hinsicht „klassisches“ Werk geschaffenen. Ob von Nurejew lustvoll spielerisch oder von Wright trocken und sauber interpretiert – die tradierten Grundzüge sind von Petipa vorgegeben.

Liudmila Konovalova als Prinzessin Aurora mit konzentrierter Attitüde und Vladimir Shishnov als viriler Prinz Florimund konnten mit perfekter Technik und kunstgerechtem Posieren im gut einstudierten finalen Grand Pas dem Publikum gefallen. Nina Poláková (Verzauberte Prinzessin) und Denys Cherevycko (Der Blaue Vogel) werden die Finessen ihres brillanten Pas de deux  brillanten noch feiner auskosten lernen. Dagmar Kronberger mimt schön und edel die Fliederfee, Ketevan Papava ihre garstige Gegenspielerin, die böse Fee Carabosse. Rundum: Ist schon alles in Ordnung! Bisschen mehr individueller Charme würde aber sicher nicht schaden.

Meinhard Rüdenauer

 

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