Wiener Staatsoper: 11.3.2026: DON PASQUALE
Tenorglanz unter rosa Palmen
Foto: Wikiwand
Gut zehn Jahre hat die Erfolgsproduktion der Ära Meyer von Irina Brook „auf den Palmen“, und sie erfreut sich beim Publikum nach wie vor großer Beliebtheit, was daran liegt, dass die Anglo-Französin und Tochter des Theatergiganten Peter Brook ein Setting auf die Bühne gezaubert hat, das gleichermaßen allgemeingültig wie ästhetisch, humor- und temperamentvoll das Treiben der koketten Norina zur Düpierung des alten Hagestolz Don Pasquale in Szene setzt. Sie spart dabei nicht mit Klischees, die gemeinhin alten Männern zugemessen werden – so findet das Spiel mit seiner Perücke immer wieder neue Aspekte. Besonders geglückt ist auch die szenische Umsetzung der Abschiedsarie des Ernesto im 1. Akt, in der er sich in der 50-er Jahre Bar, in der ein Großteil des Geschehens verortet ist, allein mit dem Solotrompeter findet und so ganz fokussiert seinem Unglück Ausdruck verleihen kann. Prächtig überzeichnet ist auch die „Wandlung“ der braven Klosterschülerin zur femme fatale, die von einer Minute zur anderen dem Shoppingwahn anheimfällt und quasi, während sich das Publikum an den Pausengetränken ergötzt, die Räumlichkeiten in ein pinkes Paralleluniversum verwandelt und ihren unterdrückten Gatten mit übergroßen rosa getigerten Hauspatschen ausstattet. „Komödie as Komödie can“.
Der italienische Dirigent Francesco Ivan Ciampa war schon mehrmals an der Wiener Staatsoper im Einsatz und überzeugt mit feinen belcantesken Tönen ebenso wie mit genügend Drive, der das Handlungsgeschehen vorantreibt. Auch der Chor der Wiener Staatsoper punktet mit zur Schau getragener Heiterkeit.
Die Sängerkrone des Abends gebührt dem österreichisch-russischen Tenor Dmitry Korchak, der als Ernesto nach seinem mehr als geglückten Ausflug ins Wagnerfach nun neben seinen hervorragenden Piani, die immer schon sein Markenzeichen waren, viel Attacke und Dramatik zur Schau stellt, ohne dabei sein Gespür für Kantilenen und das Strahlen seiner Höhen zu verlieren. Eine erstklassige Leistung, die hoffentlich in vielen weiteren Engagements an der Staatsoper ihre Fortsetzung finden wird.
Daneben hat es seine Bühnenpartnerin Nina Minasyan, Armenierin und an der Staatsoper bereits unter anderem als Adina und Gilda zu hören, als Norina schwer, an dieses allerhöchste Niveau anzuschließen. Im Auftreten (auf-)reizend und charmant fehlt es ihrer Stimme insbesondere am Ende des zweiten Aktes an Dramatik. Dort, wo auch nur ein wenig Attacke gefragt ist, ist Minasyan viel zu leise, die tieferen Lagen sind gar nicht hörbar, der Klang bleibt allgemein zu soubrettenhaft.
Immer noch auf sehr hohem Niveau, letztlich vielleicht ein wenig enttäuschend der italienische Bariton Nicola Alaimo als Don Pasquale. Natürlich agiert er souverän und gockelhaft, kann auch über sich selbst lachen, der Stimme fehlt es allerdings ein wenig an Tiefe und kerniger Grundierung, alles in allem zu baritonal für den zumeist wohl zu Recht mit Bässen besetzten Titelhelden.
Stefan Astakhov als Malatesta ist leider weder sängerisch noch darstellerisch der Strippenzieher des Geschehens, den Komponist und Textdichter wohl vor Augen gehabt haben.
Alles in allem trotzdem ein vergnüglicher Abend, der dem Publikum ein Lächeln auf die Lippen zaubert.
Sabine Längle

