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WIEN/ Staatsoper: DON PASQUALE

03.05.2015 | Allgemein, Oper

Wiener Staatsoper:  DON PASQUALE am 2.5.2015


Juan Diego Florez. Foto: DI. Dr. Andreas Haunold

„Ein Tenor macht noch keine Oper“, wäre das Motto dieser neuen Produktion von Donizettis heiterstem Werk. Die Regieidee Irina Brooks war es, das Thema Alter Mann – Junge Frau in aktuellem Gewand zu zeigen. Aber anders als bei Falstaff ist Don Pasquale kein Schürzenjäger, sondern ein alter Eigenbrötler und Haustyrann, der das Abenteuer Heirat nur deshalb eingeht, um seinen Neffen zur Raison zu bringen. Ein Kaliber wie Falstaff hätte nicht so schnell klein beigegeben.

Auf einer sehr bunten Bühne mit sparsamer Möblierung (Bühnenbild: Noelle Ginefri-Corbel) tummeln sich die bunt gewandeten (Kostüme: Sylvie Martin-Hyszka) Protagonisten mit der strikten Vorgabe, die Komik der Handlung bis zum Slapstick auszureizen. Das war mitunter des Guten zu viel, denn ein Toupet wie einen Hut auf- und abzusetzen, ist höchstens einmal lustig.

Leider kann man auch mit den musikalischen Darbietungen nur bedingt zufrieden sein. In der Titelrolle versuchte Michele Pertusi mit einiger Mühe, die Rolle des Alten glaubwürdig zu spielen. In einigen Jahren sollte ihm das auch gelingen. Stimmlich wirkte er souverän, wenngleich er in Ensembleszenen etwas unterging. Alessio Arduini sang den Malatesta mit großem Einsatz, seine Stimme kam in der Höhe gut zur Geltung, die Mittelage klang aber sehr rau und hatte zu viel Vibrato. Valentina Nafornita war als Norina vor allem optisch sehr präsent, ihre Stimme verfügt über eine solide Höhe, allerdings versuchte sie im ersten Akt durch allzu forsche Einsätze an Wirkung zu gewinnen, was in dieser Rolle aber kontraproduktiv wirkt.

Bleibt der ober erwähnte Tenor, Juan Diego Florez. Sein Ernesto hatte alles, was die Rolle erfordert, weiche Lyrismen (in der Serenade), kraftvolle und sichere Spitzentöne (das setzt man unfairerweise bei ihm als selbstverständlich voraus), aber auch im Spiel wirkt er sympathisch, locker und witzig. Er hätte sich bessere Unterstützung im Orchestergraben verdient. Von dort kam sehr viel Unsicherheit, verwackelte Einsätze und falsche Töne. Das darf man nicht dem allseits viel-geschmähten Dirigenten, Jesus Lopez-Cobos zur Last legen, der sich redlich und bisweilen vergeblich um gute Koordination zwischen Orchester und Bühne bemühte. „Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut“, ein weiteres Motto für diesen Abend. Wenn man an Aufführungen aus den Siebzigerjahren mit gewagt-modernen Ideen wie einen Ernesto mit Tennisschläger, aber einer quirligen Norina namens Wise, einem Pasquale namens Cerwenka (Volksoper, Theater an der Wien/Staatsoper) denkt, ist die Enttäuschung über das Gesehene spürbar.     

 Johannes Marksteiner

 

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