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WIEN/ Staatsoper: DIE ZAUBERFLÖTE

22.12.2011 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper: „DIE ZAUBERFLÖTE“ MIT NEUER IDEALER PAMINA (20.12.2011)

Eine zauberhafte neue Pamina, eine erfreuliche Wiederbegegnung mit einer wahrlich dramatische Königin der Nacht und ein überraschend exzellenter Tamino durch einen Tenor, der ansonsten  als Buffo  reüssierte. Das ist die positive Sänger-Bilanz einer vorweihnachtlichen Zauberflöten-Reprise, die auf der Haben Seite auch einen vielversprechenden Dirigenten – Sebastian Weigle –präsentierte. Der Berliner Musiker debütiere schon vor 5 Jahren an der Staatsoper mit Fidelio und  war zuvor schon höchst erfolgreich an der Volksoper zu erleben. Inzwischen dirigiert er in Bayreuth, Belin, New York oder Dresden. Und man versteht rasch, weshalb sein „Griß“ um ihn herrscht. Seine Zauberflöte  mit dem Staatsopern-Orchester und dem Staatsopern-Chor ist temporeich, transparent und nie larmoyant. Und er wiegt jene Sänger in Sicherheit, die musikalische zur positiven Seite der Aufführung gehören. Chen Reiss ist – nach Sophie oder Elvira in Italiana in Algeri – voll in ihrem Element: eine wunderschöne Frau mit kostbarem Timbre, das Forte klingt nie überfordert, das Piano „sitzt“ – kurzum ein Rollendebüt, das keinen Wunsch über ließ. Großartig auch die Wiederbegegnung mit einer wahrhaft dramatischen Königin der Nacht. Die aus Taschkent stammende Albina  Shagimuratova holt sich mit beiden Arien den meisten Beifall, sie ist im lyrischen Teil des Beginns gleich überzeugend wie bei   der „Hölle Rache“ .

Hervorragend auch Norbert Ernst als Tamino. Der  Wiener Neustädter  Sänger ist ja ansonsten als David oder Pedrillo unterwegs. Als Tamino ist er dramatisch, klangschön und souverän. Ich würde ihn nach dieser Rolle auch gerne als Belmonte oder Don Ottavio hören. Immerhin gehören in diese Kategorie mit der Note „Ausgezeichnet“ auch noch der Sprecher des Markus Eiche, die wunderbaren Drei Damen – Ildiko RaimondiStephanie Houtzeel und Monica Bohinec. Und die Papagena von Ileana Tonca. Wenig überzeugend Hans Peter Kammerer als Papageno: die Stimme hat weder Volumen noch ein spezifisches Timbre.  Wo bleibt in dieser Saison Markus Werba.? Auch Paul Armin Edelmann war zum Christmas in Vienna-Konzert in Wien. Doch die  Wiener Staatsoper begnügt sich seit Jahren mit einem Schmalspur-Papageno! Andreas Hörl ist auch eine glatte Fehlbesetzung für den Sarastro. Es fehlen dem Schüler von Kurt Moll  die „tiefen Töne“, die Stimme distoniert  des öfteren und insgesamt wirkt er zu jung und linkisch.

Bleiben noch Herwig Pacoraro als Monostatos – er hat fast zu viel Stimme für Mozart – sowie Il Hong und Marian Talaba als Geharnischte zu erwähnen. Gemeinsam mit drei exzellenten Wiener Sängerknaben als Drei Knaben  gehören sie ebenfalls in die „Haben“-Kategorie dieser 115.Reprise einer Marco Arturo Marelli-Inszenierung, die insgesamt recht „gemischt“ ausgefallen ist. Die Bühne ist zu sehr verbaut, die Wirkung sehr unterschiedlich. Aber insgesamt herrscht große Zustimmung. Und die Touristen sind glücklich, ein Ticket für Mozart in Wien erhalten zu haben.

Peter Dusek

 

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