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WIEN/ Staatsoper: DER ROSENKAVALIER

WIEN / Staatsoper: „DER ROSENKAVALIER“ – 18.12.2022

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Krassimira Stoyanova. Foto: MichaelPöhn/ Wiener Staatsoper

 Es ist immer wieder eine Freude, diese Oper von Richard Strauss in der großartigen Inszenierung von Otto Schenk an der Wiener Staatsoper erleben zu können. Möge uns diese Produktion noch möglichst lange erhalten bleiben.

Der erste Akt gehörte ganz Krassimira Stoyanova. Meine Wissens nach ist sie erst die zweite bulgarische Sopranistin (nach Anna Tomowa-Sintow), die sich die Partie der Marschallin ganz zu Eigen gemacht hat. Mit sicheren Höhen, verschwebend leisen Tönen („da drin ist die silberne Ros‘n“) und eindringlicher Darstellung ist sie eine Idealbesetzung der Fürstin Werdenberg. Der Zeitmonolog und das anschließende Duett mit Octavian, in dem sie den Verlust ihres Geliebten mit Gelassenheit trägt, beweisen die Größe dieser Frau.

Im Mittelpunkt des zweiten Aktes stand dann Günther Groissböck als Ochs. Er ist nicht ein alter Wüstling, sondern ein proletarischer Landadeliger in den besten Jahren. Stimmlich muss Groissböck in dieser Partie derzeit wohl kaum Konkurrenz befürchten, obwohl er das tief C im ersten Akt („mich tiefst beschämt“) entweder nicht gesungen hat – oder der Ton unhörbar war.

Leider ein Totalausfall war Kate Lindsey als Octavian. Ihre Stimme ist einfach zu klein für diese Partie, zumindest an der Wiener Staatsoper. Über weite Strecken war sie unhörbar (zumindest auf der Galerie). Dazu kommt noch, dass sie darstellerisch kaum überzeugen kann; vor allem in den Mariandl-Szenen outriert sie auf beinahe unerträgliche Weise. Da wäre wirklich die helfende Hand eines Regisseurs (und auch eines musikalischen Leiters) dringend erforderlich.

Adrian Eröd ist ein wortdeutlicher und nobler Faninal.  

Sehr erfreulich geriet das Rollendebut von Vera-Lotte Boecker als Sophie. Mit ihrem leuchtenden, tragfähigen Sopran überstrahlte sie alles und gestaltete überzeugend das Mädchen, das „frischweg aus dem Kloster kommt“, nur knapp einer Zwangsehe entkommt und die erste Liebe ihres Lebens erlebt.

Bei den kleineren Partien bewährten sich sowohl langjährige Ensemblemitglieder (Regine Hangler als Leitmetzerin, Thomas Ebenstein als Valzacchi, Monika Bohinec als Annina, Wolfgang Bankl als Polizeikommissär und Marcus Pelz als Notar), neuere Ensemblemitglieder (Hiroshi Amako als Haushofmeister bei Faninal und Daniel Jenz, der als Wirt für Jörg Schneider eingesprungen ist), Solisten des Staatsopernchors (Juraj Kuchar als Haushofmeister der Marschallin und Martin Müller als Tierhändler) und ein Mitglied des Opernstudios (Miriam Kutrowatz als Modistin).

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Juan Diego Florez. Foto: Michael Pöhn/ Wiener Staatsoper

Ein besonderer Glanzpunkt sollte wohl Juan Diego Flórez als Sänger sein, aber seine nicht sehr große Stimme ging völlig in den viel zu lauten Orchesterfluten unter. Leider nahm Philippe Jordan darauf keine Rücksicht. Wie bereits bei den „Rosenkavalier“-Vorstellungen vor einem halben Jahr musste man feststellen, dass der Dirigent sich nicht als einfühlsamer Sängerdirigent erweist. Jordan setzt auf üppigen Wohlklang des Orchesters der Wiener Staatsoper. Aber an diesem Abend waren auch immer wieder falsche Einsätze im Orchester festzustellen. Gab es zu wenig Proben?

Juan Diego Flórez hat sich übrigens nicht vor dem Vorhang gezeigt. Tat er das aus Protest gegen das laute Dirigat? Oder war ihm das Finale der Fußball-WM wichtiger? Jedenfalls war das nicht sehr fair seinen Fans gegenüber. Immerhin haben sich einige Besucherinnen nur seinetwegen Karten für diese Vorstellung gekauft.

Walter Nowotny

 

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