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WIEN/ Staatsoper: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

20.05.2012 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Staatsoper: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER am 19.5.2012

Eigentlich sollte der „Fliegende Holländer“ in Wien ein Garant für einen  schönen Opernabend sein. Das dachten wir und stürzten uns todesmutig ins Verkehrschaos, das wegen der Life-Ball-Absperrungen herrschte. Besser wären wir  zu Hause geblieben und hätten uns den Bayern-Chelsea-Krimi  angesehen.

Nicht einmal die Fixsterne leuchteten: Graeme Jenkins am Pult   schaffte es, dass das sonst so verlässliche Staatsopernorchester uninspiriert, unkoordiniert und laut tönte, dass man sich im Musikpavillon eines Kurortes  wähnte. Der „beste Opernchor der Welt“ sang durcheinander und oft
asynchron.

Albert Dohmen erreichte als Holländer zum Glück  Staatsopernniveau,  ohne aber an seine denkwürdigen Rollenvorgänger  heranzureichen. Auch sein mächtiges Organ wurde am Ende des Auftrittsmonologes,  bei: „Ew’ge Vernichtung, nimm mich auf!“ gnadenlos zugedeckt.
Ain Anger war  stimmlich gut aber nicht in Bestform. Schauspielerisch fehlte seinem Daland  komplett die gierige Verschlagenheit des Seefahrers, der seine Tochter an den  Bestbieter verscherbelt. Wir hatten eher den Eindruck, es stünde der gute  Landgraf Hermann auf der Bühne.
Jennifer Wilson enttäuschte als Senta und  hatte nur im Liebesduett mit dem Holländer berührende Momente. Ansonsten waren  ihre Piani nicht tragfähig, im Forte hörte und sah man eine unzulängliche  Stimmtechnik (jeder hohe Ton ein Hopser), die tiefen Töne wurden verschluckt, die Höhen kamen schrill und oft geschrien. Die Natur hat Jennifer Wilson eine  wunderbare, schön gefärbte Stimme geschenkt – sie aber hat viel zu wenig daraus  gemacht.

Gar nicht traurig waren wir, als wir von Endrik Wottrichs Absage  erfuhren. Er hat uns schon in Wels als Erik und in der Volksoper als Bacchus enttäuscht. Da es der Brauch ist, kurzfristige Einspringer nicht zu kritisieren,  nehmen wir dankbar die elegante Möglichkeit wahr, über Herbert Lippert als Erik  nicht schreiben zu müssen.
Die Nebenrollen gehörten diesmal zu den  Lichtblicken des Abends: Norbert Ernst ist ein Steuermann nach unserem Geschmack  – sein schlanker, höhensicherer Tenor passt optimal zu dieser Rolle und Monika  Bohinec (Mary) ist mit ihrem wohlklingenden Mezzo eine würdige Nachfolgerin von Aura Twarowska als neue „junge Alte“.

Christine Mielitz hat durch das  Weglassen des Erlösungsmotivs prophetische Fähigkeiten bewiesen – für diesen  Holländer und leider auch für uns gab es diesmal keine Erlösung.

Der  lautstarke Beifall des sehr touristenlastigen Publikums war für uns nicht  nachvollziehbar.

Maria und Johann Jahnas

 

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