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WIEN/ Staatsoper: DAS RHEINGOLD – Nur eines will ich noch: Das Ende

Wiener Staatsoper: Das Rheingold 6.6.26

Nur eines will ich noch: Das Ende

Noten DAS RHEINGOLD - Orchesterpartitur --> Musical, Playback, Playbacks,  DVD, Karaoke, CD, Shop, Noten, tickets, Musica...

Und für das Ende sorgt Roscic. Mit dieser 27. Aufführung muss man sich von der Inszenierung Sven- Eric Bechtolfs verabschieden. Sie war – obwohl Vorabend – der letzte Teil seines Konzepts – naja, besser vielleicht: seiner Arrangements, der geschmackssicherste und optisch ansprechendste der vier Abende.

Immerhin ist es gelungen, für diesen letzten Ring-Durchlauf eine große Zahl von Sängern zu präsentieren, die ihre Rolle noch nie an der Wiener Staatsoper gesungen haben, und dazu einen Dirigenten, der sich gerade auch als führender Wagner-Dirigent etabliert. Für Wien ganz lustig: Nach der Monteverdi-Trilogie nun die Wagner-Tetralogie. Zählt man Le Grand Macabre mit, so kann man die Operngeschichte kaum weiter gespannt durchmessen als dieser Dirigent: Pablo Heras-Casado ist ein Orchesterleiter mit eigener Handschrift und hat zum Rheingold viel zu sagen; wo es des Konversationsstils bedarf, lässt er die Sänger einfühlsam begleiten, wo das Orchester allein etwas zu sagen hat, lässt er es gehörig loslegen und es zeigt sich in Hochform und Geberlaune, von Honeck bis Breit und den herausragenden Hörnern/Tuben. Man freut sich auf drei weitere Tage.

Es gibt schon Sänger, die mit der vorhergehenden Aufführung im Mai nicht debütiert haben: Daniel Jenz als Froh, Clemens Unterreiner als Donner – zwei verlässliche, fesche, schönstimmige Stützen des Ensembles, Gerhard Siegel als Mime, mit einer Heldentenorvergangenheit und Charaktertenorgegenwart eine perfekte Erfüllung der Erfordernisse dieser (anders als im Siegfried) kleinen, doch auch schon relevanten Rolle. Es hätten auch drei bereits bewährte Rheintöchter sein sollen, aber neben Alma Neuhaus und Stephanie Maitland musste Ilia Staple einspringen und komplettierte ein durchaus befriedigendes Trio. Alle anderen Sänger waren neu für Wien (genauer gesagt: neu in dieser Zweierserie).

Im Grunde lebt das Rheingold von der Spannung zwischen Alberich und Wotan. Alberichs frustrationsinduzierter Goldraub samt zweier Flüche (gegen die Liebe und gegen den Ring), Wotans Verstrickung in Verträge, die er nicht erfüllen will, seine Unrechtshandlungen gegen Alberich und die Begegnung mit dem Urwissen Erdas, das aus dem unbekümmerten Machtmenschen den zweifelnden, traurigen Gott macht, legen den Samen für alles, was sich noch über etwa 14 folgende Bühnenstunden ereignen wird. Diese Spannweite zeigt sich beeindruckend auch im Gegensatz der Interpreten: Ein völlig in sich ruhender, melodische Linie und Textdeutlichkeit, würdige Erscheinung und Stimmschönheit vereinender Michale Volle, der spät, aber nicht zu spät auch in Wien seinen Wotan hören lässt, trifft auf einen von Emotionen zerrissenen, getriebenen und nahezu in den Wahnsinn kippenden Alberich, verkörpert von Georg Nigl, der die vertrackten Höhen dieses anspruchvollsten Alberichparts ebenso zeigt wie die nötige Tiefe und die völlige Abwesenheit jeder Scheu vor expressiver Tongebung und exzellenter Sprachbehandlung (einschließlich einiger „Nachdichtungen“, muss man einräumen). Die dritte treibende Kraft im Rheingold ist Loge, und den zelebriert Matthäus Schmidlechner so souverän, als müsste er hier und jetzt den endgültigen Vollbeweis dafür antreten, dass er im Staatsopernensemble der legitime Nachfolger von Heinz Zednik ist. Drei Göttinnen sind auch im Spiel: Szilvia Vörös gibt eine Fricka, die nicht das Klischee der nörgelnden Ehegattin bedient, sondern auch noch ausreichend Charme und Zuneigung zum schwierigen Gatten aufbringt. Wiebke Lehmkuhl – wie Volle spät ans Haus gekommen – singt die Erda ausreichend geheimnisvoll, verdunkelt ihre Altstimme nicht zu sehr (umso mehr verdunkelt sie Wotans Perspektiven) und Jenni Hietala gefällt stimmlich als Freia. Bleiben die Riesen. Positiv: Es sind Riesenstimmen. Negativ: Bei Matheus Franca als Fafner scheint die Stimme den Sänger zu beherrschen statt umgekehrt. Und bei Simonas Strazdas als Fasolt ist zwar Vieles schön und bemerkenswert gut gesungen, aber oft wird allzu sehr abgedunkelt und die Diktion ist noch um Einiges ausbaufähig. Gerade bei einem so hochbegabten Sänger muss man strenge Maßstäbe anlegen: Da steht noch manche Arbeit bevor.

Gleichwohl ein „Vorabend“, der großen Appetit auf die kommenden „Tage“ macht.

Robert Fucik

 

 

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