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WIEN/ Staatsoper: CARMEN

31.05.2013 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: CARMEN  am 30.5.2013

Die alt gediente Produktion von Franco Zeffirelli war Plattform für ein Experiment. Elina Garanca sang die Titelrolle, und es war riskant, eine Sängerin der Extraklasse außerhalb ihres Faches einzusetzen. Anzunehmen war, dass sie stimmlich der Rolle gewachsen sein würde. Der erste Irrtum, denn ihre strahlende und sichere Höhe konnte nicht wettmachen, dass es ihr in der Mittellage an Kraft fehlte und die tiefen Regionen kaum meistern konnte. Ebenfalls anzunehmen war, dass die exzellente Schauspielerin auch den Charakter der explosiv-launenhaften Carmen glaubhaft darstellen würde. Ein weiterer Irrtum, denn die kühle Ausstrahlung der Sängerin verhinderte, dass der berühmte Funke von der Bühne auf das Publikum überspringen würde. Das Ergebnis war ein langweiliger erster Akt, dem nach einer leichten Steigerung keine wirklichen Höhepunkte folgten. Auch die Szene bei Lillas Pastia konnte nicht wirklich fesseln. Dazu kam ein Don Jose (Roberto Alagna), der einige Anlaufzeit brauchte, um den unglückseligen Deserteur stimmlich in den Griff zu bekommen. Nach anfänglichen Schwächen im Duett mit Micaela konnte er mit viel Routine einiges gutmachen.

Ganz schwach war Massimo Cavalletti als Escamillo. Er sang mit rauer Stimme seine Arie, außer (zu) viel Kraft konnte er aber nicht bieten. Der ganz große Lichtblick des Abends war Anita Hartig als Micaela. Sie sang sehr berührend, ihre glockenreine Stimme hatte aber auch genügend Kraft, um sich gegen die Wogen des Orchesters (in der Schmugglerszene) und ihre Partner durchzusetzen. Sehr gut waren auch Ileana Tonca als Frasquita und Juliette Mars als Mercedes.

Dem Orchester war Bertrand de Billy ein umsichtiger Leiter, nach etwas gehetztem Vorspiel fand er aber bald das richtige Tempo, dem der Chor leider allzu oft nicht folgen konnte. An sich wäre es eine sehr gute Repertoire-Vorstellung gewesen, hätte man sich vom Star des Abends nicht zu viel erwartet.

Johannes Marksteiner

 

 

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