Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: CARMEN – 3. Vorstellung

27.05.2013 | KRITIKEN, Oper

Wien/Staatsoper: „CARMEN“ 3. Vorstellung am 26. 5.2013

Das Interessanteste an der laufenden Serie ist sicherlich, dass es nun endlich zum Wiener Rollendebut der Elina Garanča als Carmen kam, nachdem es vor drei Jahren wegen ihrer Erkrankung entfiel. Über die ersten Aufführungen konnte man durchaus Unterschiedliches lesen.

Die Garanča gehört zweifellos zu den bedeutendsten Mezzos der Gegenwart. Sie besitzt ein helles Timbre, sozusagen von der Klarheit des Nordens geprägt. Man kann bemängeln, sie habe keine satte, volle Tiefe. Auch wurde auch ihr blondes Haar beanstandet. Aber man findet im Süden Spaniens und in Sizilien gelegentlich naturblonde Einheimische – klar, man denke nur an die Goten, Normannen, Staufer. Sie hat eine völlig andere Art als Agnes Baltsa, die für Jahre in Wien das Bild der Carmen geprägt hat. Sie ist auch keine Sexbombe und will es auch nicht sein. Sie begann bereits mit einer schönen Habanera und dem „Prés le remparts de Séville“ und steigerte sich, in ihrer Art, bis zum mörderischen Ende. Seit sie ein Kind bekam, ist ihre Stimme weicher und farbiger geworden. Sie ist eine Carmen ganz eigener Art und mit anderen kaum vergleichbar.

Der José wäre wohl eine richtige Rolle für Roberto Alagna. Aber er hatte in den vergangenen Jahren immer wieder den Ehrgeiz auch Rollen zu singen, die seiner Stimme nicht gut taten, so den Radames oder Manrico. Man kann das beim Singen heraushören, z. B. in der Blumenarie „La fleur“, deren erster Teil sanft dahinfließt, da fällt es ihm schwer, eine reine Linie zu finden, erst der zweite Teil der Arie mit den hohen Ton gelingt ihm schön. Der Don José gehört wohl zu seinen besten Rollen.

Der Escamillo ist eine Rolle, mit der sich – mit wenigen Ausnahmen – die meisten Sänger abmühen müssen. Nach vielen Jahren erinnere ich mich nur an zwei Sänger, die als Stierkämpfer wirklich brillieren konnten: Ruggiero Raimondi und Samuel Ramey. Auch Massimo Cavaletti mühte sich ab. Der Salzburger Marcello fiel ihm leichter.

Als Micaela hörte man die junge Anita Hartig, sie sang recht gut und erfolgreich, immerhin glänzte vor drei Jahren Anna Netrebko als Micaela. Hartig wird mit ihrem schönen Timbre und der sanften Ausstrahlung sicherlich eine gute Karriere machen. In der Arie im 3. Bild in den Bergen gab sie fast zu viel an Stimme.

Die Schmuggler waren gut ausgewählt, mit Ileana Tonca/Frasquita, Juliette Mars/Mercédès, Dimitrios Flemotomos/Remedado und Tae-Joong Yang/Dancairo. Als Morales machte Nikolay Borchev guten Eindruck, während Janusz Monarcha als Zuniga eher schwach bei Stimme war.

Wenig sensibel war das Dirigat von Bertrand de Billy. Im ersten Teil des Vorspiels wollte er wohl einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen. Dies wiederholte sich mehrmals, z. B. beim Schmugglerquintett. In der Lautstärke nahm er nicht viel Rücksicht auf die Sänger

Das Haus war voll, auch der Stehplatz, kaum jemand ging in der Pause weg. Zum Schluss gab es, eher undifferenziert, viel Beifall und Bravos für alle.

Martin Robert BOTZ

 

 

Diese Seite drucken