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WIEN/ Staatsoper/ Ballettabend: LA FILLE MAL GARDÉE – eine sehr vergnügliche Landpartie

Ballettabend in der Staatsoper: „La Fille mal gardée“– eine sehr vergnügliche Landpartie (13.12.22)

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Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Eine nette Überraschung bietet die Operndirektion den Besuchern in vorweihnachtlicher Zeit und bei beißender Kälte: Einen Abstecher in hochsommerliche Tage, in blühende Natur, irgendwo am Lande im Westen Europas. Mal nicht Moderne mit Ablaufdatum, sondern ein Evergreen mit Lebensdauer. Tänzerisch, tänzerisch – und sehr vergnüglich. Diese Ballettkomödie „La Fille mal gardée“ hat eine lange Geschichte. 1789 wurde unser von viel Rokoko-Folklore getragene ‚Schlecht gehütete Mädchen‘ in Bordeaux entdeckt. 1828 ist es dann in der Pariser Oper zur Musik von Louis Joseph Ferdinand Hérold so richtig erwachsen und hierauf in den verschiedensten Versionen weiter gereift. Bis Frederick Ashton 1960 seine geniale Fassung für das Londoner Royal Ballet entwarf. Reinste Lebensfreude mit ländlichem Duft ist hier zu erleben, und John Lanchberys musikalische Bearbeitung mit so manch Rossini-Zitaten oder ähnlichen Spielereien geht so richtig ins Ohr. 

Das von der sommerlichen Landpartie und dem bäuerlichen Sujet zuerst einmal überraschte Publikum hat an der Wiederaufnahme dieser in Wien erstmals vor beinahe vier Jahrzehnten und durch die Jahre wiederholt präsentierten Ashton-Choreographie seinen Gefallen gefunden. Unter Dirigent Guillermo Garcia Calvo hat der erste Abend (78. Aufführung im Haus) zwar noch wie eine gute Einspielvorstellung gewirkt, die Stimmung hat sich jedoch bis zum wirbelnden Finale voll gesteigert. Dem Ensemble hat es in der betont ausgespielten Komödiantik vielleicht ein kleinwenig an Charme gefehlt, doch Sonia Dvorák als nach Liebe bedürftige Lise und Géraud Wielick als zudringlicher Landjunker haben stilgerecht zusammen gefunden.

Meinhard Rüdenauer       

 

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