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WIEN/ Staatsoper: ANNA KARENINA (Ballett)

25.03.2012 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

 
WIENER STAATSOPER: ANNA KARENINA“ – Tanzdrama ohne strahlende Helden – am 24.3.2012

Ein Drei-Personen-Drama ganz in Schwarz. Leo Tolstois sozialkritischer Eheroman verfehlt auch in der vom russischen Choreografen Boris Eifman für das von ihm gegründete St. Petersburger Ballett-Theater mit artifizieller Meisterschaft perfekt durchgestylten Ballettfassung nicht seine Wirkung. Eifmans zweiaktige „Anna Karenina“, von expressiven Musikexzerpten aus verschiedenen Werken von Peter Iljitsch Tschaikowski getragen, 2006 vom damaligen Ballettchef Gyula Harangozó in das Repertoire des Wiener Opernballetts übernommen, fordert die drei Solisten und das Ensemble in jeder Hinsicht.

Die Wiederaufnahme bestätigte: Ein gutes und an kalkuliert konzipierten Effekten reiches Stück, welches von der Kompanie mit starkem Engagement  wiedergegeben wurde. Wegen der Erkrankung eines der für die Wiederaufnahme vorgesehenen Protagonisten mussten am ersten Tag der Aufführungsserie alle drei Solisten ausgetauscht werden. Denn eine völlige artistisch Abstimmung erfordern die technisch extrem anspruchsvollen, mit betont eindringlicher, oft übertrieben hektischer Körpersprache und pathetischer Gestik vorgeführten Konflikte zwischen der unglücklich verheirateten und in Verzweiflung versinkenden Anna (KETEVAN PAPAVA), ihrem herrisch fordernden, doch zu keiner Liebe fähigen Gatten Karenin (KIRILL KOURLAEV) und Kareninas ersehntem Liebesgück zu Wronski (ALEXIS FORABOSCO). Mit höchster Raffinesse und dräuender Motorik sind dazu als Kontraste die Gruppenszenen wie etwa ein explosiver venezianischen Karnevalsreigen oder im Schlussbild Annas Selbstmord vor dem fahrenden Zug auf der in Dunkelheit getauchten Bühne arrangiert.

Geführt von Dirigent GUILLERMO GARCÍ CALVO realisierte die Kompanie mit Bravour dieses ausgetüftelte Bewegungsspiel ohne strahlende Helden.

Meinhard Rüdenauer

 

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