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WIEN / Staatsoper: ANDREA CHENIER

29.01.2012 | Oper

 

Umberto Giordano’s Andrea Chenier, ein Hauptwerk des italienischen Verismo kann in Wien eine sehr langweilige Angelegenheit sein. Die Inszenierung von OTTO SCHENK ist eigentlich keine (mehr?), das Bühnenbild und die Kostüme sind ideenlos, ohne Chic und Charme. Wie schon vor Kurzem beim „Maskenball“ werden hier selbst für Anhänger von werksgetreuen, realistischen Inszenierungen Grenzen über(unter)schritten.

 Dass es trotzdem ein gelungener Opernabend wurde, ist JOHAN BOTHA als fulminantem Andrea Chenier zu danken. Sein wunderbarer, sicher geführter Tenor meistert spielerisch alle Schwierigkeiten und trägt auch im Piano bis zum hintersten Platz; mit seiner gefühlvollen, einfühlsamen Interpretation setzt er – wie schon als Parsifal, Lohengrin, Siegmung… – Maßstäbe. Ungetrübter Wohlklang vom zärtlichen Liebesgedicht bis zum verzweifelten Ausbruch mit perfekt dosiertem Vibrato – meisterlich!

 NORMA FANTINI als Maddalena di Coigny erweist sich als adäquate Partnerin und überzeugt besonders im Duett mit Andrea Chenier dank ihrer herrlich strömenden Mittellage. In den höheren Bereichen ist der Hörgenuss nicht immer ungetrübt – es schleichen sich einige Schärfen und Ungenauigkeiten ein.

 Die kleineren Damenrollen waren mit ZORYANA KUSHPLER (Bersi), AURA TWAROWSKA (Contessa di Coigny) und MARIA JOSE MONTIEL – eine uns bisher nicht bekannte Mezzosopranistin mit eindrucksvoller Tiefe und ausdrucksstarker stimmlicher Darstellung – als Madelon luxuriös besetzt. Die Herren MARCO CARIA (Roucher), MARKUS PELZ (Pietro Fleville), ALEXANDRU MOISIUC (Fouquier Tinville), WOLFGANG BANKL (Mathieu), BENEDIKT KOBEL (Abbe), MICHAEL ROIDER (Incroyable), JAMES ROSER (Haushofmeister), DAN PAUL DUMITRESCU (Dumas) und JANUSZ MONARCHA (Schmidt) stellten eindrucksvoll die derzeit hohe Qualität des Wiener Ensembles unter Beweis.

 MARCO DI FELICE als Carlo Gerard begann etwas unscheinbar, steigerte sich aber bis zur Anklageerhebung deutlich und sein harter Bariton passt sehr gut zum Rollencharakter – ein weiterer Pluspunkt des Abends.

 Gewohnt souverän präsentierte sich das Staatsopernorchester unter der Leitung von PINCHAS STEINBERG.

 Die Musik Giordanos klingt so melodiös, zärtlich und einfach schön, dass man streckenweise Probleme hat, die doch zum Teil grausame und menschenverachtende Geschichte über eine aus dem Ruder gelaufene Revolution zu verinnerlichen. Mit diesem „Makel“ kann man aber gut leben.

Maria und Johann Jahnas

 

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