Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Scala: TEA & SYMPATHY

24.10.2018 | KRITIKEN, Theater

 
Foto: Theater Scala

WIEN / Scala:
TEA & SYMPATHY von Bruno Max
Premiere: 16. Oktober 2018,
besucht wurde die Vorstellung am 24. Oktober 2018

Von Zeit zu Zeit gönnt das Theater Scala seinem Publikum ein echtes Event – Theater und einen Schmaus dazu. Auf diese Art haben wir schon bei Banquo bzw. Macbeth, also eigentlich bei Shakespeare, getafelt, desgleichen beim römischen Kaiser Claudius. Und diesmal stand ein britischer „High Tea“ am Tisch… Man sollte gar nicht glauben, wie begeistert dergleichen vom Publikum angenommen wird: Die unendlich bemühte Pressedame hatte alle Mühe, den Kritiker (vielmehr die Kritikerin mit Gatten), die aus Terminkollision die Premiere versäumt hatte, noch in eine Vorstellung hinein zu quetschen… so überlaufen ist man hier.

Wir sind „very british“ in den pausenlosen knapp zwei Stunden dieses Abends, neun Darsteller (vier Damen, fünf Herren) und ein Pianist. Sie singen, swingen, parlieren Englisch und Deutsch und blödeln nach allen Regeln der Kunst. Schließlich befinden wir uns in der Welt der Exzentriker, und Bruno Max hat so viel Passendes zusammen getragen und zu einem Theaterabend collagiert, dass man sich nur wundert, dass er auf Sherlock Holmes und Agatha Christie verzichtet hat – die waren schließlich auch „british“ (und vielfach komisch) bis in die Knochen…

Es wird sehr viel über Tee und seine Zubereitung (und die Kämpfe darum, ob man ihn mit oder ohne Milch, mit oder ohne Zucker stilecht trinkt) geplaudert. Über die Gewohnheit der Briten, immer erst die Wetterfrage abzuhandeln, bevor man zum Wesentlichen kommt. Es gibt Szenen aus „Bunbury“ und „Alice im Wunderland“. Edith Sittwell tritt auf (einst Exzentrikerin von Beruf) und Queen Victoria mehrfach desgleichen (beide in Gestalt von Lotte Loebenstein), Monty Python ist dabei und die „Vier Georges“ (ein Sketch, der zeigt, dass die Engländer mit den Hannoveraner Königen keinen Hauptpreis gewonnen hatten). All das eilt satirisch, aber nie bösartig über die Bühne.

Ja, und wie kam der Tee wirklich nach England? Hat Katharina von Braganza ihn als Gattin von König Karl II. mit nach England gebracht (die Portugiesen waren ja schließlich früher in Indien)? Als der unvergleichliche Tagebuchschreiber Samuel Pepys 1660 das „neue Getränk“ erwähnte, kam es noch aus China… Tatsächlich, ein bisschen Geschichtsunterricht ist auch dabei. Lernen britische Schulkinder die Liste der englischen Könige wirklich mit einem Lied? (Da streikte das Publikum angesichts der zahllosen Henrys, Richards, Georges, das konnte man auch bei der Wiederholung nicht mitsingen.)

Einen Höhepunkt lieferte übrigens kein Geringerer als Loriot, wenn er einer BBC-Fernsehsprecherin die Aufgabe in den Mund legte, in „Was bisher geschah“ sieben Folgen einer englischen Fernsehserie zusammen zu fassen, deren Fülle von Menschen- und Ortsnamen jeden überfordern muss…

Nicht alle Nummern sind gleich gut, aber wenn man gegen Ende dann all die britischen Eigenheiten zwischen „UK“ (United Kingdom), „GB“ (Great Britain), Commonwealth und mehr durchackert und nicht genau weiß, warum die Schotten ja eigentlich dazu gehören, aber als Fußballmannschaft für ein eigenes Land stehen… und wie das wird mit dem Brexit, o je.

Außer der erwähnten Lotte Loebenstein schlüpfen Jackie Rehak, Johanna Rehm, Christina Saginth, RRemi Brandner, Florian Lebek, Matti Melchinger, Christoph Prückner und Jörg Stelling in eine Fülle von Rollen und Masken, manchmal fast nicht zu erkennen, vom Lord zum Gärtner, vom König zum Punk, und Frizz Fischer spielt dazu Klavier, wenn sie singen, was die meisten sehr gut können. Sogar „Chef“ Bruno Max – Autor, Regisseur, Bühnengestalter, sprich: Tische rund um eine Spielfläche – gibt sich einen Auftritt.

Ja, und man trinkt erst Sekt, dann sehr guten Tee, isst Sandwiches, darunter auch jene „Gurken-Sandwiches“, über die in „Bunbury“ der Länge nach verhandelt wird, und es gibt kleine Kuchen und Scones und im Programmheft auch die Anweisung, wie man sie isst, denn wenn man kein Brite ist, wer weiß das schon? Also, durchschneiden, Clotted Cream aufstreichen und dann noch die Erdbeermarmelade darauf. Guten Appetit!

Renate Wagner

Noch bis 03. November 2018, jeweils Dienstag bis Samstag um 19:45 Uhr

 

Diese Seite drucken