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WIEN / Scala: GLORIOUS!

06.11.2021 | KRITIKEN, Theater

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Foto: Scala /  bettina_frenzel

WIEN / Scala: 
GLORIOUS! von Peter Quilter
Premiere:  6. November 2021 

Peter Quilters „Glorious!“ ist vielleicht das berühmteste „Fremdschämen“-Stück, das man kennt. Wäre die Handlung erfunden – man würde sie als schlechte Erfindung abtun. Aber Florence Foster Jenkins (1868-1944) gab es wirklich, die unmäßig reiche Frau, die ihrer Leidenschaft, Oper zu singen, nachgeben konnte – obwohl sie sich nur lächerlich machte, wenn sie mit ihrem unartikulierten Gekreische vor Publikum auftrat. Es ist die Geschichte einer Leidenschaft, einer Lebenslüge, einer Selbsttäuschung, die nie von Selbsterkenntnis gestört wurde… Man sieht zu, wie eine Frau sich lächerlich macht – und bleibt mit gemischten Gefühlen höchst unbehaglich zurück.

Man spielt das Stück nur, wenn man eine außerordentliche Interpretin für eine gänzlich von der Norm abweichende Persönlichkeit hat. 2013 am Volkstheater war es Maria Bill, 2021 an der Scala ist es Tania Golden, von der man in Wien nie genug gesehen hat, bedenkt man ihr ganz besonderes Talent als Schauspielerin und Sängerin.

Das ist nun „die“ Rolle für sie. Anders als die Bill, die die alte Frau anklingen ließ (das Stück spielt 1944, im Jahr ihres Todes, da war sie 76 Jahre alt), ist die Golden eine Frau auf der Höhe ihrer Kraft und Entschlossenheit, strahlend überzeugt von sich selbst, die ihren Triumph nie von der Tragödie überdecken ließ, die auch in der Geschichte stecken würde. Vor allem darf Tania Golden singen. So grauenvoll, wie es wohl gewesen sein muss, und bekanntlich muss man ja auch sehr gut singen können, um so schlecht zu singen… Manchmal geht (etwa im spanischen Gewande) die Komödiantin mit ihr durch, meist blickt sie siegessicher unter ihren Löckchen hervor. Und wenn sie am Ende die Arie der Königin der Nacht gemordet hat, geht sie  in ihren privaten Opernhimmel ein.

Regisseur Rüdiger Hentzschel hat das Stück in einem eigenen praktikablen Bühnenbild auf eineinhalb angenehme Stunden gekürzt und vielleicht ein wenig verflacht. Hauptsächlich darf der klavierspielende Rafael Wagner als ihr letzter Begleiter Cosmé McMoon dem Publikum seine Faszination durch diese Frau erzählen. Die anderen sind nur Staffage zu der schnell ablaufenden Geschichte, Hendrik Winkler (unauffällig und ohne Hintergründigkeit als St. Clair Bayfield, der englische Schauspieler, der sich an ihre Fersen heftete), Bettina Soriat (als zeterndes mexikanisches Dienstmädchen, dessen Funktion hier nicht ganz klar wird), Claudia Marold  (als gute, aber nicht sehr präsente Freundin Dorothy) und Alexandra M.Timmel  (die als Mrs. Verindah-Gedge mit echter Erregung die hohe Kunst verteidigt, die von Mrs, Foster Jenkins so gnadenlos verstümmelt wurde).

Es ist ein Abend, der Boulevard relativ kurz abspult. Aber Tania Golden ist schon besonders in dieser Rolle. Sie sollte man sehen. Das Premierenpublikum spendete angesichts ihres Virtuosenstücks schon während der Vorstellung immer wieder begeisterten Beifall zwischendurch.

Renate Wagner


 

Theater Scala
Premiere: 6. November 2021

Glorious!
Komödie von PETER QUILTER

Tania Golden Florence Foster Jenkins
Claudia Marold    Dorothy
Bettina Soriat    Maria
Alexandra M.Timmel   Mrs. Verindah-Gedge
Rafael Wagner   Cosmé McMoon
Hendrik Winkler.   St. Clair Bayfield

Regie und Bühne: Rüdiger Hentzschel
Kostüme: Anna Pollack
Licht: Andreas Pamperl
Maske: Gerda Fischer
Musik: Frizz Fischer

 

 

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