
Fotos: Bettina Frenzel
WIEN / Scala:
DIE KATZE AUF DEM HEIßEN BLECHDACH von Tennessee Williams
Premiere: 12. Februar 2026
Explosion der Lebenslügen
Tennessee Williams (1911-1983) hat mit der „Glasmenagerie“ und „Endstation Sehnsucht“ seinen festen Platz auf den Bühnen der Welt. „Die Katze auf dem heißen Blechdach“, 1955 in New York in der Regie von Elia Kazan uraufgeführt, wird weit seltener gespielt – und dennoch kennt sozusagen jeder das Stück. Denn wie Elizabeth Taylor als „Katze“ Maggie in der Verfilmung von 1958 ihren Mann (Paul Newman) zu verführen suchte – das war ein Kino-Welterfolg und ist heute Kult,
Auf der Bühne tut man sich mit diesem in jeder Hinsicht heißen und emotional fast dauernd überdrehten Stück nicht ganz so leicht. Irgendwo in den heißen Südstaaten, eine sehr reiche Familie, ein Patriarch, Big Daddy genannt, eine umtriebige „Big Mama“ an seiner Seite. Zwei Söhne – einer, Cooper, der Verlässliche, der Familienvater (vier Kinder, das fünfte unterwegs), den niemand mag, Brick, der andere, den (fast) alle lieben und umwerben, der allerdings nach einer unverarbeiteten homosexuellen Beziehung den Boden unter den Füßen verloren hat und zum hoffnungslosen Alkoholiker geworden ist.
Ja, und da ist noch seine Frau Maggie, die sich selbst als „Katze auf dem heißen Blechdach“ bezeichnet, so hysterisch tänzelt sie durch ihr Schicksal – die schöne, begehrenswerte Frau, die von ihrem Mann verschmäht wird. Ihr, ihrem Frustrationen und ihrem Aufbegehren gehört ein Großteil des Stücks vor der Pause, das dann zur Familiengeschichte wird, in der es – wie immer und überall auf der Welt – um das Erbe des Patriarchen geht, der bald sterben wird, was man ihm zuerst nicht sagt und ihn in falscher Hoffnung wiegt. Während Brick angesichts eines väterlichen Millionenvermögens völlig gleichgültig bleibt, beginnt vor allem Mae, Coopers Frau, den gierigen Veitstanz um den Besitz.. Zwischen dem Tod vor Augen und der Hoffnung auf neues Leben werden hier elementare Fragen angeschnitten.
Verdammt ungemütlich das Ganze, voll von wildesten Emotionen, getragen von Lebenslügen, die alle nach und nach gesprengt werden. Hoch hektisches Theater, und Regisseur Felix Metzner hat völlig richtig erkannt, dass man dergleichen nicht unterspielen kann. Der Abend, in dem Schwüle vermittelnden Bühnenbild von Robert Notsch (Kostüme: Sigrid Dreger) traut sich. Vibrierendes Theater, wo es pathetisch wird (und im Grunde immer vorhersehbar ist), hat man es mit der bekannten Pranke des Tennessee Williams zu tun.

Da kämpft Samantha Steppan mit aller Energie um ihren Mann, dem Adrian Stowasser die Gebrochenheit eines Menschen gibt, der durch die Flucht in den Alkohol eigentlich gar nicht mehr „da“ ist. Da liefert Johanna Rehm als gierige Mae eine Glanzleistung, selbst, wenn sie manchmal überzeichnet scheint, aber auch ihr nur scheinbar farbloser Mann (Boris Popovic als Cooper) wird laut und energisch, wenn es ums Geld geht.
Glänzend die zappelnde „Big Mama“ der Christina Saginth, die keine Ahnung hat, dass ihr Mann sie eigentlich nicht leiden kann. Und im Gegensatz zu dem rundlichen Burl Ives, der im Kino den Big Daddy geprägt hat, spielt Wolfgang Seidenberg hier einen Machtmenschen, der mit leiser Trauer ahnt, dass er vieles im Leben versäumt hat. Rundum überzeugende Gestalten.
Renate Wagner

