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WIEN / Scala: DAS VERSPRECHEN

15.02.2020 | KRITIKEN, Theater


Foto: Bettina Frenzel

WIEN / Scala:
DAS VERSPRECHEN
Requiem auf einen Kriminalroman von Friedrich Dürrenmatt
Für die Bühne adaptiert und inszeniert von Claus Tröger
Premiere: 13. Februar 2020

Vielleicht hat man sich zu sehr darauf verlassen, dass der Spielfilm „Es geschah am hellichten Tag“ aus dem Jahr 1958 einen besonderen Ruf hat – da war die überaus große Besetzung mit Heinz Rühmann, Gert Fröbe, Siegfried Lowitz, Ewald Balser, Berta Drews. Und natürlich die Tatsache, dass Friedrich Dürrenmatt als Autor galt. Der nur unzufrieden war, dass die Geschichte des Kindsmörders auf der Leinwand quasi ein Happyend haben musste. Folglich machte er den Roman „Das Versprechen“ daraus. Diesen hat nun Claus Tröger für die Bühne adaptiert und inszeniert – und es stellt sich schnell heraus, dass diese düstere Geschichte auf dem Theater wenig Reiz hat.

Kleine Mädchen werden ermordet, Dorfbewohner sind schnell bereit, den Mann, der die Leiche gefunden hat, auch als Täter abzustempeln. Als dieser sich umbringt, möchte die Behörde den Fall so schnell wie möglich schließen – aber Kommissar Matthäi (Klaus Rohrmoser, ein seelisch ausgelaugter Mann) hat der Mutter das Versprechen gegeben, den Täter zu finden. Und er weiß, dass dieser Mann es nicht war…

Das Publikum lernt den wahren Mörder kennen, ist erschüttert, wie dessen reiche Mutter (Bettina Soriat) bereit ist, dessen Verbrechen zu decken, und erlebt zum Finale des achtzigminütigen, pausenlosen Abends, warum der Kommissar trotz aller Bemühungen sein Versprechen nicht halten kann.

Das alles läuft extrem trocken, in düsteren Bildern über die Bühne, interessiert wenig, auch nur einzelne Schauspielerleistungen (Jörg Stelling, Christoph Prückner vor allem in der Angler-Szene) vermitteln das Profil ihrer Rollen.

Das ist kein echter Krimi, das ist kein Psychothriller, das ist keine Schweizer Kleinstadttragödie und auch nicht die Geschichte eines besessenen Polizisten. Das ist nur Düsternis, die nichts von der schönen Unheimlichkeit des Films hat.

Renate Wagner

 

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