Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Scala: CASANOVA KOCHT

12.03.2020 | KRITIKEN, Theater

 
Foto: Scala

WIEN / Scala:
CASANOVA KOCHT von Bruno Max
Uraufführung
Premiere: 12. März 2020  

Das ist Bruno Max, erfolgsverwöhnter Direktor seines Theaters Scala in der Wiedner Hauptstraße nicht gewöhnt: Dass er eine Premiere – zumal eine seiner gefragten „kulinarischen“ Produktionen – vor gar nicht vollem Haus spielen muss. Das Publikum war offenbar von den Absagen allerorten so irritiert, dass es der Versicherung auf der Website des Hauses, „vor 90 Personen“ zu spielen, nicht zu glauben vermochte. Schade für alle, die nicht da waren – sie haben eine Menge gutes Essen versäumt und ein nachdenkliches, immer wieder amüsantes, aber eigentlich trauriges Stück über den alternden Casanova, der auf sein Leben zurück blickt.

Das Publikum darf – weil Casanova angeblich fast so gerne aß wie liebte und auf seine Makkaroni noch im böhmischen Exil auf Schloß Dux bestand – dabei sehr Ansprechendes verzehren (etwa eine Königinnenpastete oder Muschelnudeln und am Ende Venusbrüstchen…), aber man wird dem Geschehen seine Aufmerksamkeit nicht versagen.

Da sitzen sie an einem Abend im Jahre 1791 in einem Dorfgasthaus, der vielseitige Schriftsteller Restif de la Bretonne und der Chevalier de Seingalt. Zwei alte Herren, denen das Essen als einziges Vergnügen geblieben ist – und die Erinnerung. Der Chevalier, einst europaweit bekannt als „Casanova“, erzählt so einiges Pikante, Amüsant und auch unterschwellig Tragische aus seinem Leben, ob er sich in einen Kastraten verliebt hat oder mit einer Nonne Live-Porno für einen geilen Zuschauer betrieb… und viele andere seiner berühmten Abenteuer mehr.

Das Theater hat sich an diesem Abend (Bühne: Marcus Ganser) in eine Raumbühne verwandelt, auf Seiten-Schauplätzen gibt es nicht nur Realistisches aus der Vergangenheit, sondern auch stilisiert Choreographisches (Ivana Stojkovic), besonders einfallsreich in den vielen Positionen … eh schon wissen. Live ertönt dazu die Musik (sehr viel Mozart), Frizz Fischer und vier Kollegen machen die Sache höchst lebendig.

Dass die Geschichte solchen Tiefgang gewinnt, verdankt Autor / Regisseur Bruno Max nicht nur sich selbst, sondern auch Hermann J. Kogler als altem Casanova, der klar macht, dass die Rückschau auf Sex, Sex, Sex nicht unbedingt nur eitel Wonne ist. Bernie Feit ist ihm ein skurril-verständnisvoller Zuhörer. In den Rückblenden staksen Eric Lingens und Mark Mayr durch die Liebesabenteuer des jungen Casanova.

Aus einer nicht zu bändigenden Schar lebhafter Damen (in zahllosen Rollen und Kostümen) ragt Christina Saginth mit ihrem Schicksal hervor – auch da geht es, angesichts der Flucht von „Louis Capet“ (sprich Ludwig XVI., Marie Antoinette und Familie) im Hintergrund keinesfalls nur um Jux und Tollerei.

Die Moral, die schwer elegisch über dem Abend hängt? Dass man nicht alt werden sollte? Tatsächlich ist Jugend eine Krankheit, von der man schnell geheilt wird – man kann es sich, wenn man jung ist, nur (glücklicherweise)  absolut nicht vorstellen… Dem Publikum, das mutig gekommen war (man kann sich ja schließlich nicht selbst lebendig begraben), gefiel es sehr.

Nach der Vorstellung kursierte das Gerücht, die erste Vorstellung sei auch die letzte gewesen, vermutlich würden weitere Aufführungen corona-bedingt untersagt. Ehrlich, es ist ein schreckliches Gefühl, nicht ins Theater gehen zu können… Also, Website der Scala konsultieren, und wenn sich die Schließung nicht bewahrheitet – gut essen, amüsiert werden und eine Spur nachdenken bei „Casanova“!

Renate Wagner

LETZTE MELDUNG
Im Theater Scala werden die Vorstellungen von „Casanova kocht“  ab 14. März bis inklusive 4. April abgesagt.
Wir werden versuchen die Produktion nach Ostern wieder aufzunehmen.
Weitere Informationen folgen.

Wir danken für Ihr Verständnis.
Bruno Max

 

Diese Seite drucken