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WIEN / Scala: 2:22 – EINE GEISTERGESCHICHTE

So geht Geister-Grusel…

24.05.2026 | KRITIKEN, Theater

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Fotos: Scala

WIEN / Scala: 
2:22 – EINE GEISTERGESCHICHTE von Danny Robins
Premiere: 16. Mai 2026,
besucht wurde die Vorstellung am 23. Mai 2026 

So geht Geister-Grusel…

Am Ende landet man ja doch, wenn es nicht Goethe und Schiller sind, bei Shakespeare. In diesem Fall bei Hamlets Erkenntnis angesichts des Geistes von seinem Vater: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als eure Schulweisheit sich träumen lässt.“ Könnte es also wirklich sein, dass die Toten unter den Lebenden herumwandern?

Was Genaues weiß man nicht, wird es nie wissen, also sind Spekulationen Tür und Tor geöffnet. In der Kunst, der Literatur, dem Film, dem Theater. Und der britische Autor Danny Robins hat ein sehr gutes Beispiel dafür geliefert. Angemerkt sei – auch wer die englischsprachige österreichische Erstaufführung vor gut einem Jahr im Englischen Theater gesehen hat  und von der Schlußpointe umgeworfen, wird sich nicht langweilen, weil er schließlich die Lösung kennt. Denn erstens kann man jetzt den Hinweisen nachgehen, die der Autor für den Zuschauer versteckt hat, und außerdem ist die Aufführung im Theater Scala so exzellent, dass sie an sich schon sehenswert ist.

Ein Vier-Personen-Stück (wer am Ende noch kurz auftaucht, ist nicht der Rede wert), das sich ausschließlich um die besagte „Gibt es Geister?“-Frage dreht. Jenny und Sam haben ein altes Haus gekauft, alles rausgeworfen und neu gemacht – kann es sein, dass die alte Besitzerin seit vier Tagen deshalb pünktlich um 2.22 Uhr durch das Kinderzimmer des Babys von Jenny und Sam geistert? Oder wer sonst könnte es sein – falls es nicht überhaupt Einbildung ist?

Sam, der nach vier Tagen verspätet von einer Reise zurück gekommen ist, seine Exfreundin Lauren und ihr neuer Begleiter Ben diskutieren das emotional, temperamentvoll, von verschiedenen Gesichtspunkten – durchgehend spannend, bis der Knalleffekt, den sich der Autor ausgedacht hat, dem Stück die Krone aufsetzt. So, wie sich die Atmosphäre immer mehr verdichtet, kann man als Zuschauer schon Gänsehaut bekommen…

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Marcus Ganser hat sich selbst wie immer ein vorzügliches Bühnenbild gebaut und führt vier Darsteller zu Meisterleistungen. Johanna Rehm als Jenny hat einfach nur Angst um ihr Kind und ist immer auf der Kippe zum Nervenzusammenbruch. Hendrik Winkler als Sam, ihr Mann, will von nichts Spirituellem wissen und versucht alle Argumente auf „normale“ Erklärungen zurück  zu biegen. Sophie Aujesky als Lauren schwankt elegant zwischen den Positionen, während sich Philipp Stix in der Rolle des Ben als „psychic“ bekennt. Solcherart deckt der Autor geschickt die meisten Positionen ab, die die Zuschauer selbst zum Thema mitbringen werden…

Beeindruckter Beifall für Stück und Interpreten.

Renate Wagner

 

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