OTTAKRINGER BRAUEREI/ HEFEBODEN/ JEUNESSE: BEL AMI am 16.2.2026

Foto: Peter Griesser
Auf dem ehemaligen Hefeboden der Ottakringer Brauerei präsentierten Vincenz Praxmarer und sein Orchester Divertimento Viennese den Abend Bel Ami.
Paul Schweinester sang Arien und Lieder aus dem Repertoire der drei großen Zwischenkriegszeit-Tenöre Joseph Schmidt, Jan Kiepura und Richard Tauber.
Allein schon die Programmliste von Bel Ami konnte sich sehen und hören lassen, da sie spannenderweise zu 80% aus unbekannteren Werken bestand wie z.B.: Mein Herz ruft immer nur nach dir, oh Marita, Ninon, lach mir einmal zu, Du bist die Welt für mich, Du bist mein Traum, Ich liebe dich, Heute Nacht oder nie usw.usf.
Schweinester vollbrachte eine bewunderungswürdige Leistung, indem er nicht nur alle Lieder auswendig sang, sondern den drei Tenören auch noch verschiedene Stimmen verlieh.
Ihm zur Seite gestellt war Neujahrskonzert- und Opernballmoderatorin Teresa Vogl als Conférencière, aber auch als Nebendarstellerin in diversen Spielszenen. Diese dem großen Fernsehpublikum unbekannte Seite von Frau Vogl war ein überraschender Aspekt dieses Abends. Aber den von Evamaria Mayer choreographierten Tanznummern nach zu beurteilen, haben wir auf dem Hefeboden bereits die Dancing Stars-Gewinnerin 2027 vor uns gesehen.

Teresa Vogl, Paul Schweinester. Foto: Peter Griesser
Insgesamt ein äußerst anregender und unterhaltsamer Abend. Einwände? Dass man hier viel zu viel auf einmal gewollt hat: eine fiktive Radiosendung, eine fiktive Anruferin, die Biographien der drei Tenöre, unzählige Anekdoten über sie, mehr Kostümwechsel für Frau Vogl als für eine Operndiva bei einem Liederabend( während Schweinester die ganze Zeit ungerührt im Frack blieb), populistische Publikumsbeteiligung mit kollektivem Seufzen, sobald bei der abschließenden Schmachtfetzen-Trilogie die Worte Herz, Schmerz und Liebe erklangen….
„Kill your Darlings !“ sagte schon George Tabori. In geraffter, mätzchenbefreiter, auf die Musik konzentrierter Form würde man diesem ungewöhnlichen Programm gerne wieder begegnen…
Robert Quitta

