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WIEN/ Neue Oper: SCHÖNBERG IN ERWARTUNG. Urauffführung

22.04.2015 | Allgemein, Oper

 

Neue Oper Wien SCHÖNBERG IN ERWARTUNG 21.4.2015 (Uraufführung) –

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Verena Gunz. Foto: Neue Oper Wien

Die Neue Oper Wien hat nun eine neue Spielstätte in der EMS Lounge im dritten Wiener Gemeindebezirk gefunden. Unter dem Titel „Schönberg in Erwartung“ wurden laut Programmheft zwei Monodramen als „sinnliche Traumreise“ zusammengefasst.

Der erste Teil war Schönbergs „Buch der hängenden Gärten“, op. 15 in einer Bearbeitung für Kammerorchester von Richard Dünser 2010, der zweite Teil dessen „Erwartung“, op. 17, gleichfalls in einer Bearbeitung für Kammerorchester von FaradschKaraew, 1999, gewidmet. Richard Dünser komponierte auch den Entreacte zwischen den beiden Teilen.

Mit dem „Buch der hängenden Gärten“ vertonte Schönberg 15 Gedichte des deutschen Lyrikers Stefan Anton George (1868-1933) für Singstimme und Klavier. Die vorliegende Bearbeitung für Kammerorchester sprengte den intimen Rahmen der erotischen Liebesgedichte auf und machte sie damit zugleich für eine musikdramatische Darstellung geeignet.

„Erwartung“ hingegen ist Schönbergs erstes Werk für die Bühne. Das Libretto verfasste Marie Pappenheim. Beide Werke passen als Antipoden weiblicher Gefühlswelten kongenial zusammen und werden durch den eingeschobenen Entreacte in einen stringenten musikalischen Zusammenhang gestellt.

Regisseurin Elisabeth Gabriel erdachte nun für beide Werke eine spannende Fortsetzungshandlung: Während im ersten Teil eine junge Frau ihre erwachende Sexualität in raschem Wandel von Traum und Wirklichkeit durchlebt, die mit dem Mord an ihrem Geliebten ihr fatales Ende findet, kehrt sie – nach dem Entreacte- Jahre später an den Tatort zurück. Verzweifelt irrt sie auf der Suche nach dem Geliebten, getrieben von Angst und Hoffnung, umher und trifft auf das Alter Ego ihrer Jugend. Und indem sie den toten Mann wiederfindet erkennt sie zugleich schmerzlich die Unwiederholbarkeit einstigen  jugendlich sinnlichen Rauscherlebnisses.

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Magdalena Anna Hofmann. Foto: Neue Oper Wien

Im ersten Teil war Verena Gunz jene junge Frau auf der Suche nach ihrer eigenen Sexualität, getrieben von erotischen Wunschvorstellungen und emotional hin- und hergerissen. Diese innerliche Zerrissenheit übertrug sich bisweilen auch auf ihren unruhig geführten, flackernden Mezzosopran, der nach oben zu bisweilen auch etwas schrill wurde. Routinierter agierte da im zweiten Teil Magdalena Anna Hofmann als ältere Frau mit sinnlich majestätischem Sopran, zu allen Gefühlsausbrüchen und Regungen fähig. Schlichtwegs ein Erlebnis!

Die stumme, pantomimisch bzw tänzerisch agierende Entourage setzte sich aus drei Männern (Gabriel Wanka, OskarGigele und ElvisGrezda) und drei Frauen (AnitaHofmann, JosefineReich und NicoleLubinger), die zugleich als Alter Ego der beiden Sängerinnen fungierten, zusammen. Christian Garland bekleidete die Rolle eines androgynen Kellners in Stöckelschuhen, der im ersten Teil noch die zarten Spitzen eines Hirschgeweihes trug, welches dann im zweiten Teil zu voller Pracht ausgewachsen war.

Hans Kudlich zauberte eine praktikable schiefe Ebene mit Bett auf die Bühne und eine riesige Treppe an deren oberen Ende sich eine Bar befand. Ingrid Leibezeder kleidete die Damen in verführerische, leicht durchsichtige Sommerkleider, während die Männer mit ihren durchtrainierten Körpern fallweise Wolfsmasken trugen. Das ist insofern schlüssig, weil sich zumindest „Erwartung“ in einem dunklen Wald ereignet und dort gibt es eben auch Wölfe und Hirsche. Und es eröffnen sich natürlich auch eine ganze Reihe von platten Assoziationen:  das Tier im Mann, der Wolf im Schafspelz, um nur einige zu nennen. Norbert Chmel zeichnete schließlich noch für die dezente Lichtregie verantwortlich.

Das amadeus ensemble-wien unter der Leitung von Walter Kobéra war wieder einmal ein Garant für einen spannenden Musiktheaterabend, fern ab vom Mainstream der großen Opernhäuser in Wien. Das Publikum zeigte sich begeistert und spendete ausgiebig verdienten Applaus. Auf der anschließenden öffentlichen Premierenfeier ergaben sich auch interessante Gespräche, die Produktion betreffend. Danke!                                           

Harald Lacina

 

 

 

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