
WIEN / Neue Oper Wien /
Premiere im Theater am Spittelberg:
LES DEUX von Gan-Ya Ben-Gur Akselrod
Wiener Premiere: 21. Mai 2026
Mischmasch mit Jodel-Einlage
Die Neue Oper Wien hat ihre erste Ära abgeschlossen. Die Operninteressenten Wiens verdanken Walter Kobera eine Erweiterung ihrer Repertoire-Kenntnis, wie man sie ohne seine Arbeit nie hätte erringen können. Die Dankbarkeit bleibt bestehen, und für die Nachfolger, Anna Sushon als Intendantin und Alexander Kaimbacher als Geschäftsführer, ist die Latte hoch gelegt
Vielleicht hätte man anspruchsvoller beginnen können als mit einer eingekauften Performance, die schon 2024 in Graz gezeigt wurde und die ohnedies den Charakter einer Tournee-Aufführung hat. Man braucht für „Les Deux“, wie der Abend heißt, nämlich nur einen kleinen Lastwagen für jede Menge Musikinstrumente (kleines Klavier, große Trommel und Sonstiges), eine technische Anlage und drei Interpretinnen.
Die Neue Oper Wien hatte nie ein eigenes Haus, sie mietete sich stets irgendwo ein. Mit „Lex Deux“ vaziert man sogar von Vorstellung zu Vorstellung durch Wiener Etablissements. Die Premiere fand an Spittelberg statt, die Pawlatsche, die einst – in sehr alten, aber für das Wiener Theater wichtigen Zeiten – das Jura Soyfer Theater beheimatete, ist heute ein geschlossener Holzbau für schätzungsweise zweihundert Leute, wo laufend Kabarett geboten wird.
Ein gutes Stück Kabarett ist auch in „Lex Deux“ vorhanden, wobei diese Performance, die von Gan-Ya Ben-Gur Akselrod erdacht wurde, bei der Premiere nicht eben unter Publikumszustrom litt. Weniger als ein Drittel der Plätze waren besetzt, was zeigt, dass das klassische Publikum der Neuen Oper Wien, das neue Opern in Wien sehen will und nicht selbst gebasteltes Pseudo-Entertainment, hier keine großen Erwartungen hegte.
Was ist dieser siebzigminütige Abend nun? Ein Mischmasch, ein „bunter Abend“ kabarettistischen Zuschnitts, einfach musikalische Angeberei oder ein Angebot für Bobos? Vermutlich alles zusammen. Zwei Sängerinnen, eine Pianistin, die erst nach 40 Minuten dazu stoßen darf, viele Instrumente und die Stimmen sowie das umfassende Können der Damen.
Die Idee der Geschichte besteht darin, dass zwei Sängerinnen proben wollen, vergeblich auf die Pianistin warten und anfangen, wild durcheinander holterdipolter dies und jenes anzusingen und verschiedenste Instrumente zu spielen. Von den ohrenschmerzenden Modernen wie Berio und Cage bis zu Carmen, Friedrich Hollaender und Johann Strauß ist alles drin, wenn auch nur bröckchenweise, als Stückwerk geboten, kaum begonnen, schon zerronnen. Was Musik alles kann – soll das das Motto sein? Sieht man sich dafür diesen SchnickSchnack an?
Ja eine der beiden (die Österreicherin…) darf sogar den Erzherzog Johann-Jodler von sich geben. Sie tut es fehlerfrei, aber bar jedes Enthusiasmus‘, also wird es für ein Jodeldiplom im Loriot-Sinn wohl nicht reichen.
Von der Israelin zusammengestellt (die man schon auf Wiens Opernbühnen erlebt hat, u.a. in der Volksoper, und die heute an der Privatuniversität der Stadt Wien unterrichtet), von Emily Hehl in gnadenloser Hektik über die Bühne geschickt, exekutieren die Österreicherin Christine Rainer und die Irin Ellen Rose Kelly den englischsprachigen Abend als souveräne Allround-Künstlerinnen. Weil „die Zwei“, die der Titel angibt, eigentlich drei sind, kommt Maria Iaiza dazu, Wenn sie endlich Klavier spielen darf, zeigt sie sich den virtuosen Interpretinnen ebenbürtig.
Aber was soll’s? Da kann man noch so viel darüber schwurbeln, was dieses „interdisziplinare musikalische Ereignis“ alles kann und will, mehr als ein letztendlich leeres Virtuosenstück ist nicht daraus geworden. Sinn macht „Les Deux“ keinen. Aber es mag in unserer verkehrten Welt Leute geben, die dergleichen für „Kult“ halten. Take your pick.
Die Neue Oper Wien wird mehr zu zeigen haben, wenn sie die Neue Oper Wien bleiben will.
Renate Wagner

