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WIEN / Nationalbibliothek: KAISER MAXIMILIAN I.

16.03.2019 | Ausstellungen, KRITIKEN

WIEN / Nationalbibliothek / Prunksaal:
KAISER MAXIMILIAN I.
Ein großer Habsburger
Vom 15. März 2019 bis zum 3. November 2019

Ein Kaiser zwischen Buchdeckeln

Wenn eine Institution, die Bücher verwaltet, also Geist und Gedächtnis der Welt in ihrer Obhut hat, einen Mann dokumentiert, dem Bücher viel bedeuteten, der sie sammelte und schreiben ließ, nicht zuletzt um sein eigenes Andenken zu befördern… dann ist dieses Zusammentreffen ein Glücksfall. Die Österreichische Nationalbibliothek widmet Kaiser Maximilian I. zu seinem 500. Todestag eine Ausstellung im Prunksaal. „Ein großer Habsburger“ – groß in vieler Hinsicht. Ein Glücksfall für seine Familie.

Von Renate Wagner

Maximilian I.     Er wurde am 22. März 1459 in der Burg von Wiener Neustadt (wo er dann auch begraben wurde) geboren. Er war der Sohn von Friedrich III., dem ersten Habsburger, der den römisch-deutschen Kaisertitel trug. Nach ihm und Maximilian blieb diese begehrte Würde – bis auf ganz wenige Ausnahmen – bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reichs in der Familie. Diesen Machtanspruch hatte Maximilian durch die erheirateten Länder-Erweiterungen der Habsburgischen Erblande gelegt. Er war 18, als er in Gent die 20jährige Maria von Burgund heiratete. Damals nur ein armer Erzherzog, von dessen kaiserlichem Vater sich der Schwiegervater Privilegien erhoffte. Die Ehe dauerte durch Marias tragisch-frühen Tod keine fünf Jahre. Aber es gab Kinder, Burgund blieb den Habsburgern. In seiner Heiratspolitik standen die Sterne (an die er glaubte) gut für Maximilian– sowohl in Spanien (für seinen Sohn) wie in Böhmen und Ungarn (für seine Enkel) starben die angestammten männlichen Erben, und die Habsburger traten an ihre Stelle. Das „felix Austria“ war auch das von Maximilians persönlichem Glück. Als Kriegsherr von den Franzosen hier, den Osmanen dort bedrängt, war sein Kriegsglück gering, sein diplomatisches Geschick hielt ihn über Wasser. Er führte ein unstetes Leben, ohne feste Residenz (seine zweite Gattin, Blanca Maria Sforza, bekam er kaum je zu sehen), verausgabte sich gerne körperlich bei den letzten Turnieren der Zeit, beim Jagen, Bergsteigen, aber er war zweifellos auch ein Intellektueller von Rang. Er war erst knapp 60 Jahre alt, als er am 12. Jänner 1519 in Wels starb. Sein pompöses Grabmal in Innsbruck (bis heute eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt) war noch nicht fertig. Heute wetteifern Oberösterreich, Tirol und Wien mit Ausstellungen zu seinem Gedenken.

Mit Büchern durch ein Leben    Die Österreichische Nationalbibliothek, die heute vordringlich die Buchschätze der Habsburger und des Prinzen Eugen hütet, besitzt auch die ein paar Hundert Werke umfassende eigene Bibliothek von Maximilian, darunter viele Handschriften, der Buchdruck wurde erst Ende des 15. Jahrhunderts erfunden. Etwa ein Dutzend dieser Werke sind inmitten der rund 90 Kostbarkeiten der Ausstellung präsentiert. Und man kann mit Hilfe von Büchern und Drucken dem Leben Maximilians folgen. Schon seine Geburt wurde (stilistisch in verdächtiger Nähe zu jener von Jesus Christus) dargestellt, in goldener Buchmalerei sieht man ihn als Jungen unter der Muttergottes neben seiner Mutter beten. Die Ausstellung bietet das „ABC“-Schulbuch, aus dem der kleine Maximilian lernte, und seiner schönen ersten Frau – eine materielle Heirat, die zu einer „Liebe auf den ersten Blick“-Glücksbeziehung wurde – begegnet man in ihrem berühmten „Stundenbuch“. Spürbar weniger liebevoll fallen die Zeugnisse aus, die ihn mit der zweiten Gattin zeigen, auch eine Geldheirat, die ihn aber nicht sanierte, wie er es gehofft hatte…

Kultur, Natur, Esoterik    Die Ausstellung kann sich Maximilian von Seiten seiner Interessen her nähern. Das Zeitalter von Humanismus und Renaissance hob an, das Interesse an der Antike bezog sich auf das Bergen römischer Inschriften (und den schon damals tadellosen wissenschaftlichen Bemühungen der Ortung, Deutung und Interpretation), auf die griechische Sprache, auf die Gründung eines Poetenkollege, das er auf Anregung des Allround-Dichters und Wissenschaftlers Conrad Celtis ins Leben rief (jener Celtis, der für Maximilian gerne das gewesen wäre, was Virgil einst für Roms Kaiser Augustus bedeutete). Gleichzeitig war Maximilian ein Mann, der sich gerne in der Natur aufhielt (die Legende von der „Martinswand“, die er erkletterte), der jagte und fischte (und großformatige Bücher dazu herstellen ließ), auch noch im Turnier beim Lanzenstechen im Sattel saß. Der Intellektuelle, der Kraftmensch, der künstlerische Mensch, der wie die meisten Habsburger große Affinität zur Musik besaß (immerhin können sich die Wiener Sängerknaben rühmen, von ihm begründet worden zu sein) – und dann auch der Esoteriker. Nicht erst sein Nachfahre Rudolf II. suchte im Sternenhimmel das Schicksal zu lesen. Aber Maximilian hatte etwas von dem kühlen Pragmatismus eines Julius Caesar, der stets alle „Vorzeichen“ manipulierte: Wenn zu seiner Geburtsstunde ein Komet erschienen war – dann deutete er das an sich negativ konnotierte Zeichen in seinem Sinn zu einem positiven um…

Zur eigenen Pracht und Herrlichkeit     Maximilian, der so viel von der Antike gelernt hatte, wusste wohl, dass Julius Caesar über den Trojaner Aeneas (dem Sohn der Venus) seine Herkunft von einer Göttin herleitete. Indem Maximilian einen anderen trojanischen Helden, Hektor (den Sohn von König Priamos) als seinen Stammvater erkor, gab er es nicht viel billiger. Die Ausstellung zeigt, wie wichtig „Stammbäume“ waren, um edle Abstammung zu beweisen, als Referenz werden Babenberger-Stammbäume herangezogen. (Wie man weiß, hat Maximilian sich ja für sein Innsbrucker Grabmal nicht nur Habsburgische Verwandte als überlebensgroße Bronzefiguren gestalten lassen, sondern auch König Artus oder Gottfried von Bouillon, den König von Jerusalem). Von dem, was wir heute „Medienarbeit“ nennen würden, verstand er mehr als die meisten – er sorgte dafür, dass sein Leben und Werk der Nachwelt in der von ihm gewünschten Form überliefert wurden, er schrieb – mit Hilfe kluger Sekretäre – seine „autobiographischen“ Werke („Weißkunig“ und „Theuerdank“) teils selbst, ließ illustrierende Kupferstiche erstellen, auf der absoluten künstlerischen Höhe der Zeit. Es gibt eine berühmte Darstellung des seinem Sekretär „diktierenden“ Kaisers – wer sonst hätte sich so abbilden lassen?

Und die Welt um ihn     Die Welt im ausgehenden 15. und beginnenden 16. Jahrhundert war eine des Umbruchs, nicht nur in geistiger Hinsicht, sondern auch ganz real – die spanischen Verwandten (Maximilian verheiratete seinen Sohn mit der Erbtochter der Katholischen Könige) hatten schon die „Neue Welt“ entdeckt, die Portugiesen waren in Indien, nicht nur wirtschaftlich, auch in der Entdeckung des Exotischen taten sich neue Welten auf. Neue, andere Menschen, Tiere und Pflanzen erschienen vor den Augen der Europäer, Landkarten mussten umgezeichnet werden. Andere Kulturen gab es aber auch im Osten, bei den Osmanen, die sein Reich bedrohten – man betrachtete ihre Fremdheit mit Interesse, versuchte, so viel wie möglich über sie zu wissen. Die Nationalbibliothek hat zu all dem viel beizusteuern. Was bedrucktes Papier zum Leben Maximilians an Zeugnissen ablegen kann – in diesen Vitrinen ist es staunenswert versammelt.

“Kaiser Maximilian I. – Ein großer Habsburger”
Österreichische Nationalbibliothek, Prunksaal
Wien 1, Josefsplatz,
Bis 3. November, täglich 10 bis 18 Uhr, Do 10 bis 21 Uhr

 

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