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WIEN/ MusikTheater an der Wien: BENAMOR Szenisches Spektakel in 3 Akten Österreichische Erstaufführung. Derniere

WIEN / MusikTheater an der Wien: BENAMOR. Szenisches Spektakel in 3 Akten

Österreichische Erstaufführung
Bericht über die Vorstellung am 05.02.2026 (Premiere 23.01.2026)

Viva la Zarzuela! Benamor begeistert das Wiener Publikum!

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Marina Monzo / Benamor in den Armen von zwei Brautwerbern Cesar Arrieta / Jacinto de Florelia und Alejandro Balinas Vieites / Rajah-Tabla
© Monika Rittershaus

Der Plot

Die Orient-Operette BENAMOR von Pablo Luna aus dem Jahr 1925 spielt im persischen Isfahan. Ein grausames Erbfolgegesetz sieht vor, dass die Sultanin zuerst einen Jungen und dann ein Mädchen gebären muss, anderenfalls werden die Kinder getötet. Um ihre Kinder (zuerst ein Mädchen, dann ein Junge) vorm sicheren Tod zu bewahren, ersinnt die Sultanin eine List: die Geschwister Benamor und Darío müssen im vertauschten Geschlecht aufwachsen. Benamor und Dario wissen selbst nicht um ihr wahres Geschlecht, was zu unglaublichen Verwirrungen, Liebesabenteuern und einer Identitätssuche führt. Benamor ist ein Mann, der nicht nur in Frauenkleidern steckt, sondern auch selbst glaubt, eine Frau zu sein, während Sultan Darío, gespielt vom Sopranist Federico Fiorio, eine Frau ist, die im Glauben ein Mann zu sein, erzogen wurde und mit seinem Harem nichts anzufangen weiß. Die Situation eskaliert, als die als Mann aufgezogene Benamor, gespielt von der Sopranistin Marina Monzo, verheiratet werden soll. Die verzweifelte Mutter sucht nach einem Ausweg…

Bis zum glücklichen Ende gibt es jede Menge Irrungen und Wirrungen um das „Wer ist wer?“ Charmant von der Sultanin im Prolog zum Stück in die Geheimnisse eingeweiht, folgt das Publikum wissend der Handlung und genießt die vielen Hits der Zarzuela.

Der Komponist und die Initiatorin

Der 1879 geborene Pablo Luna ist einer der erfolgreichsten Komponisten von Zarzuelas und Revuen zwischen 1900 und 1942. Sein Stil ist von der Wiener Operette inspiriert und doch eigenständig. Ähnlich wie Franz Lehár verbindet Luna traditionelle Musik mit den Modetänzen Shimmy oder Foxtrott zu einer eigenen Klangsprache, komponiert und integriert aber auch opernhafte Arien. Ähnlich wie Franz Lehár war Pablo Luna Konzertmeister, Dirigent und Komponist und so populär, dass in nahezu jeder spanischen Stadt Straßen und Plätze nach ihm benannt sind.

Der Mastermind hinter der Zarzuela BENAMOR ist jedoch Esperanza Iris, die in einer Dreifachfunktion als Primadonna, künstlerische Direktorin und Produzentin – ähnlich wie Marie Geistinger in Wien – in Madrid die einflussreichste Prinzipalin ihrer Zeit war. In der Zarzuela BENAMOR wird mit dem Thema Sexualität sehr offen umgegangen. In der Franco-Zeit war der freie Umgang mit derartigen Themen auf der Bühne tabu, weshalb BENAMOR damals aus den Spielplänen verschwunden ist und die Orient-Operette erst wiederentdeckt werden muss. Dem Dramaturgen Kai Wessler und seinen klugen Werkeinführungen verdankt die Rezensentin viel Hintergrundwissen.

Der Regisseur

Christof Loy bringt dieses selten gespielte Werk in Wien erstmals auf die Bühne mit einem Ensemble aus eingespielten Zarzuela-Darstellerinnen und Darstellern wie Marina Monzó als Benamor und Federico Fiorio als Darío. Am Pult des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien steht José Miguel Pérez-Sierra. Dem Regisseur ist es wichtig, der Zarzuela zu mehr internationaler Präsenz zu verhelfen, daher hat er jüngst El barberillo de Lavapiés am Theater Basel inszeniert, bringt Benamor in Wien auf die Bühne und plant El Gato montés für Madrid.

Der Cast

Marina Monzó ist BENAMOR. Geboren 1994 in Valencia studierte sie Flöte und Gesang und gilt seit ihrem Debut 2016 an der Oper in Bilbao als rising Star mit einem Repertoire von Mozart, Verdi, Rossini u.v.a. Die Titelheldin singt famos, tanzt gut und spielt ihre Rolle mit Leidenschaft und Koketterie.  Federico Fiorio als Sultan Dario ist männlicher Sopransolist und beeindruckt mit Stimme und Spiel. Beide sind Teil eines starken Ensembles: Milagros Martin erlebt das Publikum als Sultanin und als „Spielmacherin“, David Alegret sucht als Großwesir permanent nach Lösungen bei Zarathustra, David Oller , Alejandro Baliñas Vieites und César Arrieta fügen sich gut ins Team. Sofía Esparza ist eine Odaliske wie aus dem Bilderbuch und die Favoritin von Benamor. Joselu López glaubt man den Mädchenhändler, Francisco Javier Sánchez ist als Chef der Wachmannschaft meist überfordert. Alle spielen sich ins Herz der Zuschauerinnen und Zuschauer.

José Miguel Pérez-Sierra dirigiert souverän das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Der Arnold Schoenberg Chor (Leitung Erwin Ortner) erweist sich als Zarzuela-fest.

Das Publikum hat Spaß, genießt wunderbare Melodien und spendet reichlich Applaus.

Nachdem die Zarzuela in spanischer Sprache aufgeführt wird, sind Übertitel in Deutsch und Englisch hilfreich. Ein modernes Digitaltool zum Mitlesen wird an jene Menschen im Publikum verborgt, die auf seitlichen Plätzen sitzen ohne Blick auf die Übertitel. Sehr lobenswert!

Elisabeth Dietrich-Schulz

 

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