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WIEN / Museumsquartier: IGUDESMAN & JOO – Music Comedy

Lachen ist gesund und erlaubt - auch im Konzertsaal!

Lucy Landymore, Aleksey Igudesman, Hyung-Ki Hoo, Yu Horiuchi. Foto: Theater an der Wien / Julia Wesely

WIEN / Museumsquartier: Crossover-Musik-Comedy mit IGUDESMAN & JOO

19. Oktober 2022

Von Manfred A. Schmid

Das Musiktheater, das Stefan Herheim vorschwebt, ist offenbar umfassender konzipiert als das seines Vorgängers am Theater an der Wien. Zwar gab es auch in Roland Geyers Programmgestaltung regelmäßig Kabarettprogramme. Dafür musste man aber in „die Hölle“ abtauchen, also gewissermaßen in den Keller lachen gehen. Mambo Jambo, das neueste Projekt der virtuosen musikalischen Spaßmacher Aleksey Igudesmann und Hyung-Ki Joo, die, an Victor Borge, die Marx Brothers und Hans Liberg anknüpfend, die lange vernachlässigte Tradition musikalischer Komik erneuert und auf eine zeitgemäße Stufe gehoben haben, findet im Haupthaus – das derzeit allerdings das Ausweichquartier im MQ ist – statt. Die beiden Künstler, von der Los Angeles Times „die Könige der klassischen Musik-Comedy“ genannt, haben den Bereich der Klassik durch Hereinnahme von Elementen aus Jazz, Rock, Pop und der Klezmer-Tradition gesprengt und erweitert. Der Geiger Igudesman und Joo am Steinway-Flügel bewegen sich in ihren Konzerten längst in einem Bereich, der dem nahekommt, was man gemeinhin als „Weltmusik“ bezeichnet. Darin aber wirbeln sie herum – munter und wendig wie die sprichwörtlichen Fische im Wasser. Geboten wird eine pulsierende Jam-Session der Sonderklasse.

Im Zentrum des Abends stehen Nummern aus Leonard Bernsteins Westside Story, darunter der titelgebende „Mambo“, „I feel pretty“,I like to be in America“ und „Maria“. Instrumental fein aufbereitet, erhalten diese unverwechselbaren „Cover-Versions“ ihren besonderen Reiz durch die Mitwirkung von zwei jungen, genialen Künstlerinnen, der Pianistin und Sängerin Yu Horiuchi und der britischen Multi-Percussionistin und Schlagzeugerin Lucy Landymore. Horiuchi, die sich zuvor am Klavier anhand von Stücken von Mozart, Beethoven, Chopin, Rachmaninow über Attitüden und Posen von Pianisten lustig gemacht und diese gekonnt persifliert hat, überrascht mit ihrer eindrucksvollen Stimme, während Landymore mit den bezaubernden Silberklängen begeistert, die sie ihrem Vibraphon entlockt.

D i e gesangliche Entdeckung des Abends ist aber zweifellos Joo, dessen gefühlvolle Gestaltung von Bernsteins „Maria“ ebenso berührt wie seine Wiedergabe des von ihm für seinen Sohn komponierten Wiegenlieds, in dem ein Zitat aus Brahms „Guten Abend gut‘ Nacht“ natürlich nicht fehlen darf. Keine stimmliche Offenbarung ist hingegen und erwartungsgemäß Igudesman. Er krächzt nach besten Kräften, steuert aber so die humoristische Note zu diesem ansonsten – mit Ausnahme von „America“ – nicht gerade komischen Programmteil bei. Überhaupt ist festzustellen, dass im aktuellen Programm die komischen Nummern nur mehr rund die Hälfte des Dargebotenen ausmachen, was auch damit zusammenhängen mag, dass die beiden eingeladenen Musikerinnen ebenfalls kompositorisch tätig sind und die Chance bekamen, aus der eigenen Werkstatt etwas beizusteuern. Zudem ging es auch bei den schon erwähnten Klavierstücken der „großen Meister“ nicht nur um parodistische Absíchten, sondern dieser klaviertechnisch und interpretatorisch brillante Block dient auch dazu, Eigenheiten der jeweiligen Werke hervorzuheben und diese in einem neuen Licht dazustellen. Man mag bei Anhören des rasant hämmernden, unablässige in die Höhe drängenden dritten Satzes von Beethovens Mondscheinsonate schon des Öfteren gespürt haben, dass hier etwas am Brodeln und Kochen ist, das demnächst wie ein Vulkanausbruch emporschießen werde. Wenn man bei Igudesman & Joo diesen Satz hört, verstärkt durch Lucy Landymore am Schlagzeug, dann weiß man, dass die Ahnung so falsch wohl nicht war.

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Hyung-Ki Joo, Lucy Landymore, Aleksey Igudesman, Yu Horiuchi. Handyfoto: Manfred A. Schmid

Das Publikum in der etwa zur Hälfte gefüllten Halle E im Museumsquartier – es bleibt zu hoffen, dass bald mehr Klassikfans das Lachen im Konzertsaal und auf den Rängen wiederentdecke – wird mit mehreren Zugaben belohnt. Mal sehen, wohin die Reise geht. Die Mischung aus komödiantischen Nummern – zu erwähnen auch der köstliche Auftritt von Joo und Horiuchi bei Klavier zu vier Händen, der zu einem Kampf um die Vorherrschaft auf dem Bank ausartet – und „ernsthafteren“ Coverversionen und Eigenkompositionen ist derzeit gut ausgewogen. Sollte aber die Komik noch mehr in den Hintergrund gedrängt werden, bestünde eventuell die Gefahr, dass das Ganze ins Zirkusartistische abgleiten könnte. Was die Welt aber dringend braucht, ist Humor. Lachen macht gesund. Der Besuch eines Auftritts von Igudesman & Joo sei daher – auch aus medizinischen Gründen – dringend ans Herz gelegt. Besonders in Tagen wie diesen.

 

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