WIEN / WIEN MUSEUM im MUSA,
Felderstraße 6-8, 1010 Wien
WIRKLICHKEIT ALS HALTUNG.
WIENER REALISMUS NACH 1950
Von 20. März 2025 bis zum 17. August 2025
Der illusionslose Blick
Nach dem Zweiten Weltkrieg erwachte die österreichische Kunst neu – und das auf vielen Ebenen. Am populärsten, weil farbigsten und attraktivsten, wurden die „Phantastischen Realisten“, in der Galerie St. Stephan sammelten sich die Abstrakten mit ihrer Flucht aus der Wirklichkeit, und die Aktionisten erregten die Öffentlichkeit. Aber es gab noch eine Gruppe, die im Vergleich die wenigste Beachtung fand. Grund genug für das Wien Museum, dem Wiener Realismus nach 1950 die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Die Kuratoren Berthold Ecker und Brigitte Borchhardt-Birbaumer haben eine großzügig gestaltete, übersichtliche, aussagestarke Ausstellung in die „Zweit-Räumlichkeiten“ des Wien Museums vis a vis des Rathauses gestellt.
Von Renate Wagner
Der andere Blick Ein Krieg verändert alles, besonders jene, die ihn miterlebt haben und neu beginnen müssen. Die Kerngruppe der Wiener „Realisten“, unter denen die Namen von Alfred Hrdlicka oder Georg Eisler noch am bekanntesten sind, waren die einzigen, die sich nicht vor ihrer Gegenwart „drückten“, nicht in phantastische, abstrakte oder egozentrisch-performative Welten flüchteten. Sie warfen einen Blick auf ihre Nachkriegsgegenwart und sahen darin so gut wie nichts Schönes. Im Gang durch diese Ausstellung wird klar: Die hier gezeigten Künstlern strebten nicht an, dass ihre Werke gefallen. Sie malen, zeichnen, bildeten aus ihrer Weltanschauung heraus. Dass sie in den meisten Fällen höchst pessimistisch wirkt, ist wohl der Zeit geschuldet, in der sie arbeiteten. Die ideologische Aussage stand vor jeder anderen Intention. Es ist nicht leicht, diese Künstler stilistisch oder thematisch zusammen zu fassen, sie stehen für sich selbst, nicht für eine Gruppe. Das gilt auch für die Frauen, denen man verhältnismäßig großen Raum gibt.
Das gemeinsame Projekt Die Wiener Realisten fanden sich allerdings zu einem gemeinsamen Projekt zusammen, das am Beginn des Ausstellung zu sehen ist. „Das Soldatentreffen“ von 1954 wurde ihnen zum Anlass, die Nazi-Vergangenheit aufzuarbeiten, Alfred Hrdlicka, Georg Eisler, Rudolf Schönwald und Fritz Martinez, fanden sich zu einem Zyklus von 24 Graphiken zusammen, die Treffen der „Ehemaligen“ zeigten.
Und auf einem Bild kann man auch, in eine Ecke gedrückt, den Mann mit Hitler-Bärtchen ausmachen. Es musste nicht nur Literatur und Film vorbehalten sein, kritisch auf Vergangenheit und Gegenwart zu sehen. Dass manches dieser „Realisten“ stilistisch an den „sozialistischen“ Realismus erinnerte (ob Hitler-, ob Stalin-Zeit), machte die Künstler für ihre Zeitgenossen damals allerdings teilweise sogar „verdächtig“.
Die traurige Sexualität Es gibt, wie gesagt, keinen gemeinsamen Nenner in der Arbeit der ausgestellten Künstler, aber es gibt „ewige“ Themen, die auch hier vorkommen. Ein Aktbild von Rudolf Schönwald hat nicht mehr die schillernde erotische Aura früherer Epochen, sondern zeigt nackt und reizlos einfach einen Körper. Wenn Gerda Fassel brutal ironisch eine große weiße „Sesselfrau“-Skulptur schuf, die wie die Venus von Willendorf wirkt, wird die feministische Herausforderung umweglos klar.
Sehnsucht nach der Vergangenheit? Es gibt eine kleine Sektion von Werken, die eine gewisse Wehmut zu atmen scheinen, etwa Stadtporträts, die etwas wie Stimmung vermitteln, wenn beispielsweise Richard Pechoc den Karlsplatz ohne Verfremdung zeichnet, als wollte er erinnern, dass es mit Barock und Jugendstil noch Schönes gibt. Fast nostalgisch wirkt es, wenn bei Franz Zadrazil eine alte Frau Abschied vom Kaffeehaus in der Schmalzhofgasse nimmt…
WIRKLICHKEIT ALS HALTUNG.
WIENER REALISMUS NACH 1950
im MUSA, Felderstraße 6-8, 1010 Wien
Vom 20. März 2025 bis 17. August, 2025
äglich Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr
Eintritt frei