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WIEN / MAK: POST OTTO WAGNER

31.05.2018 | Ausstellungen, KRITIKEN

   

WIEN / MAK:
POST OTTO WAGNER
Von der Postsparkasse zur Postmoderne
Vom 30. Mai 2018 bis zum 30. September 2018

„Post“ wie Postsparkasse?

Der 100. Todestag von Otto Wagner, dem Mann, der letztendlich weniger große Werke realisierte als seine Ringstraßen-Kollegen und das Gesicht Wiens dennoch so stark prägte, wird wahrlich nicht übersehen. Zu der sehr gelungenen, üppigen, biographisch ausgerichteten Ausstellung im Wien Museum gesellt sich nun das MAK. Dieses allerdings mit dem Stichwort „Post“. Wohl wissend, dass hier jeder zuerst an Wagners größten Bau in Wien, die Postsparkasse, denkt. Aber angestrebt ist mehr – POST OTTO WAGNER bedeutet in der großen Ausstellungshalle des Hauses (mit über 600 Objekten verschwenderisch bestückt) auch das kleine, lateinische Wörtchen „nach“ – nämlich  „Von der Postsparkasse zur Postmoderne“. Man hätte es auch „Wagner durch die Zeiten“ oder „Wagner über die Zeiten hinaus“ nennen können.

Von Renate Wagner

Otto Wagner   Geboren am 13. Juli 1841 in Penzing, das damals noch nicht der 14. Bezirk, sondern ein Vorort Wiens war, hat er nach gründlicher Ausbildung als frei schaffender Architekt bald die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aus der Welt des Historismus kommend, wurde er einer der stilbildenden Architekten des Jugendstils. Hätte er als Stadtplaner (man betrachtet fasziniert seine Aufrißpläne) so reüssiert, wie seine Entwürfe es versprochen haben, zeigte Wien heute ein anderes, großzügigeres Gesicht. Immerhin sind Postsparkasse, Stadtbahn, die Häuser am Naschmarkt (die Kirche am Steinhof liegt zu weit „druußen“) auch heute noch Aushängeschilder für die gleicherweise zweckgebundene wie hoch künstlerische Architektur der Stadt. Seine „Wagner-Villa“ in Hütteldorf (in seiner Geburtsregion Penzing) dient heute als Museum für Ernst Fuchs. Otto Wagner starb im letzten Kriegsjahr, am 11. April 1918, in Wien.

Wagner und die anderen   Die Ausstellung des MAK widmet sich dem architektonischen und (meist nur konzipierten) stadtplanerischen Werk Otto Wagners im Kontext mit Zeitgenossen und Nachfolgern: So erklärte Kurator Sebastian Hackenschmidt etwa bei der Pressekonferenz (und es klingt mehr als logisch), dass die Gemeindebauten des „Roten Wien“ deshalb geradezu palastartig ausgefallen sind, weil Otto Wagners Schüler, die überall tätig wurden (Josef Plečnik, Max Fabiani, István Medgyaszay, Jan Kotěra, Pavel Janák – sein Einfluß in Tschechien war enorm), einfach gewohnt waren, in diesem „großen“ Stil zu bauen… So nimmt die Ausstellung große Projekte Wagners, etwa die Postsparkasse (die in einem eindrucksvollen Modell ausgestellt ist) oder auch Stadtbahn oder Donauregulierung zum Ausgangspunkt, um Gleichzeitiges ebenso zu dokumentieren wie spätere Werke, die mehr oder minder auf Wagner Bezug nehmen (da führt die Namensliste bis Hollein, Pichler, Oberhuber oder Krischanitz, aber auch Architekten anderer Nationen). Möglicherweise finden die Ausstellungsgestalter Bezug zu Wagner, wo sich der Besucher sich vielleicht den Kopf zerbricht (ist der rote Apfelkiosk auf dem Times Square von der Wiener Secession inspiriert?) – aber die Querverbindungen sind jedenfalls originell.

Immer die Nase vorn   Auch Otto Wagner begann in der Welt des Historismus, aber als es galt, diese zu Gunsten einer echten „Moderne“ (in den Formen und in den Materialen) zu überwinden, war er an vorderster Front dabei. Seine Arbeit, die weit mehr Zweckbauten als Repräsentationsbauten umfasste, bezog die neuesten Errungenschaften der Technik mit ein, fand neue Möglichkeiten der Fassadengestaltung, kurz, Wagner war stets ein Mann der Innovation, der Nützlichkeit und Ästhetik unnachahmlich verband, und das machte seine „Schule“ durch die mit ihm verbundenen Nachfolger zu einem „Laboratorium für Stilpluralismus“, wie die Ausstellung auch mühelos beweist.

Nicht nur Architektur     Die Ausstellung, die so groß ist, dass man sich tatsächlich der aufliegenden schriftlichen Unterlagen bedienen muss, um die Übersicht zu behalten, ist auch mit den flankierenden Maßnahmen der Kunst um 1900 befasst, wo vor allem durch die „Wiener Werkstätte“ dann auch die „angewandte“ Kunst (für die das MAK steht…) in das Gesamtkunstwerk einbezogen wird. Die Mitte des Raums umfasst eine ganze „Möbel-Landschaft“, manches davon von Wagner entworfen, manches noch Historismus, manches das damals Neue. Oder nur, wie eine Marginalie, das Originelle: ein Firmenschild der Schwestern Flöge wurde von Kolo Moser entworfen. Und ist die Ausgestaltung des Wien-Flusses nicht kleinteiliges, köstliches „L’art pour l’art“? Kunst aller Art, Künstler aller Art, alles läuft im Riesenraum des MAK hin und her, um immer wieder bei Otto Wagner zu landen, von dem man ausgegangen ist. Eine Schau, die keinesfalls bei einem einzigen Besuch zu rezipieren ist. Auf den Katalog muss man allerdings noch bis Ende Juni warten. Dafür darf man für die Dauer der Ausstellung auch den hinreißenden Kassenraum der Postsparkasse (ein paar Minuten Fußweg entfernt) bewundern…

MAK-Ausstellungshalle
POST OTTO WAGNER
Von der Postsparkasse zur Postmoderne
Bis 30. September 2018
täglich außer Montag 10 bis 18 Uhr, Dienstag bis 22 Uhr

 

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