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WIEN / MAK: KOLOMAN MOSER

18.12.2018 | Ausstellungen, KRITIKEN

WIEN / MAK:
KOLOMAN MOSER
Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann
Vom 19. Dezember 2018 bis zum 22. April 2019

Ornament ist kein Verbrechen

Koloman Moser, vor hundert Jahren verstorben, hat seinem Zeitalter Werke gegeben, die heute noch faszinieren. Das MAK breitet sie in überwältigender Fülle aus – eine Gedächtnisausstellung, die einem Großmeister gebührt. War Klimt der Maler, Wagner der Architekt und Hoffmann der Designer des Fin-de-Siècle, so war Moser der Mann, der alles konnte: „Universalkünstler“ ist denn auch der Untertitel dieser Ausstellung. Dem Verdikt von Adolf Loos, Ornament sei „Verbrechen“, setzte er den Beweis entgegen, dass Ornamente optische und künstlerische Welten ohnegleichen schaffen können. Die Abschieds-Ausstellung zum „Verlust-Jahr“ 1918 (der Tod von Klimt, Schiele, Wagner, Moser), die einen Höhepunkt setzt und die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Von Heiner Wesemann

Koloman Moser   Er wurde nur 50 Jahre alt. Geboren am 30.März 1868 in Wien, war er 50 Jahre alt, als er in dem Katastrophenjahr 1918 am 19. Oktober an Kehlkopfkrebs starb – nach Klimt (im Februar), nach Otto Wagner (im April) und kurz vor Schiele (Ende Oktober). Ein künstlerischer Aderlass ohnegleichen. Koloman Moser war der Sohn eines Beamten, der seine künstlerische Ausbildung aus eigener Kraft durchsetzte, finanzierte sich als Illustrator, wurde 24jährig Zeichenlehrer der Kinder von Erzherzog Karl Ludwig.

An der Kunstgewerbeschule, wo er bei Franz Matsch studierte, wurde er später auch Professor. Koloman Moser war Gründungsmitglied der „Secession“, gestaltete die Zeitschrift „Ver Sacrum“, gründete 1903 mit Josef Hoffmann und Fritz Waerndorfer die Wiener Werkstätte. Als Allroundkünstler gab es kein Gebiet „angewandter Kunst“, wo er nicht Großes leistete. Nebenbei arbeitete er für das Theater (in der parallelen Ausstellung im Theatermuseum dokumentiert). Als er sich sowohl aus der Secession wie aus der Wiener Werkstätte zurück zog, widmete er sich im verstärkten Maße der Malerei (die vielleicht nicht sein stärkstes Talent war). Für Otto Wagner schuf er die Dekorationen für dessen Wienzeile-Häuser und vor allem die Glasfenster für die Kirche am Steinhof. Er hinterließ ein künstlerisches Werk, das (mit Ausnahme der Architektur) kein Genre ausließ.

Das MAK als Moser-Schatzkammer     Wie zuletzt für Otto Wagner, hat das MAK seine Räumlichkeiten Eingang Weiskirchnerstraße in eine „Kolo-Moser-Landschaft“ verwandelt, durch die eine rote Wand hindurchführt, die Mosers Lebensstationen nachzeichnet. Möbel-Arrangements und Vitrinen mit Mosers Kunstgewerbe-Erzeugnissen, den Gläsern, dem Geschirr, den kunstvollen Schalen und Vasen, dazu Gemälde und Stoffentwürfe, Buchillustrationen, Plakate, zahlreiche Entwürfe – im Ganzen mehr als 500 Exponate liefern außerordentliche Schauwerte. Das meiste davon stammt aus dem Besitz des MAK, das auch das Archiv der Wiener Werkstätte besitzt.

Alles ist Kunst   Nicht nur Richard Wagner sprach vom „Gesamtkunstwerk“, wollte es nicht mit Musik bewenden lassen, rief alle Künste herbei, um seine Werke zu realisieren. Schon der Historismus beschränkte sich nicht nur auf die Malerei. Für die Secession und erst für die Wiener Werkstätte stand fest, dass es keine „hohe“ und keine „kleine“ Kunst gab, dass eine Tapete die gleiche Mühe und den gleichen künstlerischen Respekt verdiente wie ein Gemälde. Solcherart gab es nichts, womit sich Koloman Moser – solcherart an Vielseitigkeit alle Kollegen übertreffend – nicht auseinander gesetzt hätte. Ein Sessel, eine Kaffeekanne, eine Illustration, ein Glasfenster, eine Theaterdekoration, ein Kleid für seine Frau, ein Gemälde, ein Schmuckstück, eine Lampe, eine Schatulle … alles wurde Moser zur Herausforderung und zum Kunstwerk. Wo man bei einmaligem Ausstellungsbesuch vielleicht überwältigt wird, kann man im (zweisprachigen) Katalog nachschauen und nachlesen. Eines steht jedenfalls fest: Ohne Koloman Moser sähe die Wiener Moderne anders aus – und wäre weniger reich. Anlässlich seines 100. Todestages geht es nun auch darum, wie MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein sagte, ihn aus dem Schatten seiner großen Kollegen zu holen und ihnen gleichwertig an die Seite zu stellen.

MAK Museum für angewandte Kunst
KOLOMAN MOSER. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann
Bis 22. April 2019, täglich außer Montag 10 bis 18 Uhr, Dienstag bis 22 Uhr

Die Koloman Moser-Ausstellung wird ab Mai 2019 im Museum Villa Stuck in München zu sehen sein

 

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