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WIEN / Leopold Museum: SCHENKUNG „SAMMLUNG KLEWAN“

08.05.2022 | Ausstellungen, KRITIKEN

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WIEN / Leopold Museum / Zweites Untergeschoß: 
DER BLICK AUS DEM RAHMEN
SCHENKUNG „SAMMLUNG KLEWAN“
Vom 6. Mai 2022 bis zum 29. August 2022 

Die Jelinek als „Cover Girl“…

 

 

Einer der besten Kunden des renommierten Galeristen  Helmut Klewan war einst der Sammler Rudolf Leopold. Jetzt, lange nach dessen Tod, dreht sich das Rad: Nun bekommt jenes Museum, das Rudolf Leopold Wien und allen Freunden der Kunst hinterlassen hat, etwas geschenkt. Nicht weniger als 350 Blätter aus dem Besitz Klewans, des Mannes, der mit Kunst nicht nur handelte, sondern sie auch liebevoll und kenntnisreich sammelte. Ausgewählt für die Schenkung wurden Dichter-Bildnisse. Die großteils kleinformatigen Graphiken, Zeichnungen, Stiche oder Fotografien werden nun unter dem Titel „Der Blick aus dem Rahmen“ im zweiten Untergeschoß des Leopold Museums in einem großen, offenen Raum gezeigt.

Von Renate Wagner

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Helmut Klewan    1943 in Deutschland geboren (nächsten Mai wird er 80), verlebte Helmut Klewan seine Jugend dennoch in Wien, wo sein Vater mit Antiquitäten handelte. Der Sohn wechselte, nachdem er Arnulf Rainer kennen gelernt hatte, von alt auf neu und eröffnete 1970 eine von Luigi Blau gestaltete Galerie in der Dorotheergasse, wo er sich auf moderne Kunst spezialisierte – Rainer, Nitsch, Lassnig, Staudacher waren seine Schwerpunkte. Ab 1978 arbeitete er doppelgeleisig auch in München, wo er ebenfalls eine Galerie eröffnete. Wien schloß er schon 1986, München 1999, aber mittlerweile war er längst als Sammler für sich selbst, als Buchautor und Verleger (etwa von Fotobüchern von Franz Hubmann) tätig. Obzwar Fachmann für Gegenwärtiges, sammelte er auch Historisches, etwa jene Dichterporträts, die er („Eine Donation dieses Umfangs gibt es selten“, weiß Direktor Hans-Peter Wipplinger) nun dem Leopold Museum übergab. Den Titel der Ausstellung, „Der Blick aus dem Rahmen“, hat er übrigens schon selbst einmal für eine Buchpublikation von 1987 verwendet.

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Erkennen Sie das  Gesicht?     Kurator Stefan Kutzenberger stand vor dem Problem, das Konvolut der Dichter-Bildnisse nun zu ordnen, und er fand das nahe liegende Prinzip, hier nach Ländern und Kulturräumen vorzugehen, nicht chronologisch, was vermutlich ein kaum zu überblickendes Tohuwabohu ergeben hätte. Viele der Dichtergesichter sind bekannt – Dante für den romanischen Raum, ein klassisches Shakespeare-Konterfei bei den Briten, Schiller und Goethe bei den Deutschen, Ibsen und Strindberg bei den Skandinaviern… Aber darüber hinaus wird es interessant, sich selbst  zu prüfen, wen man noch erkennt, was zweifellos bei vielen der Fall ist – und bei vielen wieder nicht. Der erste Rundgang durch den großen, offen gehaltenen Saal sollte der Literaturgeschichte und ihren Persönlichkeiten gelten.

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Aber die Frauen…  Nicht ohne Grund hat Stefan Kutzenberger, nachdem er ihre Erlaubnis eingeholt hatte, Elfriede Jelinek als „Cover Girl“ für die Ausstellung (Plakat und Katalog) gewählt, obwohl man sie auf diesem Foto von Isolde Ohlbaum kaum erkennt – als 33jähgirge gab sie sich, stark geschminkt und mit Zigarette, noch ganz mondän, während sie ja später den „Graue Maus“-Look vorzog. Ja, es sind vergleichsweise wenige Frauen hier vertreten, räumt Kutzenberger ein, was nicht böse Absicht ist, sondern das historische Faktum, dass die längste Zeit wenige Frauen als Autorinnen so berühmt wurden, dass man sie in dieser Eigenschaft konterfeit hätte. Gelegentlich stehen sie auch neben den „dazu gehörigen“ Männern – die Beauvoir neben Sartre, die Mayröcker neben Jandl. Immerhin, die Deutschen haben Bettina von Arnim und die Droste, die Briten Charlotte Bronte, die Franzosen Madame de Stael und Georges Sand, die Österreicher die Ebner-Eschenbach, die Bachmann, die Aichinger. Ein paar weibliche Tupfer in in einem Heer von Männern.

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Erkennen Sie den Künstler?    Der zweite Durchgang durch den Saal, den man von Bild zu Bild unternehmen kann, gilt den Künstlern. Sie sind die Berühmten im Hintergrund – Dali, der aus seiner Phantasie Cervantes gezeichnet hat –

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Picasso, Kokoschka, Grosz, Oppenheimer, oftmals Orlik, die Großen ihres Fachs haben sich immer wieder für Gesichter interessiert, ob berühmte Zeitgenossen, ob Klassiker aus der Phantasie geholt. Dazu kommen die Fotografen, viele anonym, viele selbst berühmt. (Es ist das einzige Manko des großartigen Katalogs, dass es hier kein alphabetisches Künstlerverzeichnis mit deren Werken gibt, so dass man Zusammenhänge herstellen könnte.) Nachdem man berühmte Gesichter per se gesucht hat, sind es dann die zahllosen Ausdrucksformen, die in dem Angebot dieser Ausstellung bestechen – von ein paar impressionistischen Strichen bis zum expressionistisch ausgestalteten Ausdrucksbild, von der realistischen Abbild und bis zur Collage. Erst das Thema, dann der Zugang. Ein ungeheuer anregendes Angebot.

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WIEN / Leopold Museum / Zweites Untergeschoß: 
DER BLICK AUS DEM RAHMEN
SCHENKUNG „SAMMLUNG KLEWAN“
Bis zum 29. August 2022,
täglich außer Dienstag: 10 bis 18 Uhr
 An Feiertagen geöffnet  
Juli & August täglich: 10 bis 18 Uhr   

 

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