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WIEN / Leopold Museum: OLGA WISINGER-FLORIAN

26.05.2019 | Ausstellungen, KRITIKEN

WIEN / Leopold Museum:
OLGA WISINGER-FLORIAN
Flower-Power der Moderne
Vom 24.Mai 2019 bis 21.Oktober .2019

Viel mehr als nur Blumen

Es gibt Künstler, die muss man aus einem „Käfig“ befreien, in die Tradition und Kunstgeschichte sie gesteckt haben. Olga Wisinger-Florian ist nicht nur in Österreich ein Begriff, vor allem als große Blumenmalerin. Aber erwähnt wird sie vordringlich als Schülerin von Emil Jakob Schindler und als eine jener Frauen, die „nach Tina Blau“ bzw. neben ihr Hochkarätiges geleistet haben. Das Leopold Museum stellt Olga Wisinger-Florian nun solo ins Zentrum der Betrachtung – und dabei ist auch ein spannendes Frauenleben zu entdecken.

Von Heiner Wesemann

 

Olga Wisinger-Florian   Olga Florian wurde am 1. November 1844 in Wien als Tochter eines kaiserlichen Regierungsrats geboren. Die angestrebte Karriere einer Pianistin, die schon erste Erfolge zeigte, scheiterte an einem chronischen Handleiden, das sie glücklicherweise später nicht daran hinderte zu malen. Sie heiratete 1874 den Apotheker Franz Wisinger, der schon 1890 starb (die Apotheke ernährte sie auch darüber hinaus), und brachte 1875 ihr einziges Kind, den Sohn Oskar, zur Welt. Der wohlhabende Gatte ermöglichte ihr ein eigenes Atelier und Unterricht, zwischen 1880 und 1885 auch bei Emil Jakob Schindler (wo sie neben Marie Egner und Carl Moll zu dessen begabtesten Schülern zählte). Olga Wisinger-Florian emanzipierte sich bald als Künstlerin und hatte Erfolge ebenso durch die Qualität ihrer Arbeit wie durch ihr geschicktes Networking, u.a. mit Mitgliedern der kaiserlichen Familie. Befreundet mit Bertha von Suttner, war die Künstlerin stark in der österreichischen Frauenbewegung wie auch für die Friedensbewegung engagiert und unternahm weite Reisen, u.a. zu Kongressen. 1914 übersiedelte sie, schon schwer krank und fast erblindet, in eine Villa in Grafenegg, die ihr von einem Gönner zur Verfügung gestellt war. Olga Wisinger-Florian starb dort im 82. Lebensjahr am 27. Februar 1926.

Die Ausstellung   Marianne Hussl-Hörmann kuratierte die erste umfassende Personale für Olga Wisinger-Florian mit Unterstützung von Alexander Giese und brachte insgesamt 130 Exponate zusammen, darunter 70 Gemälde. Neben Arbeiten auf Papier und einer Skulptur, die Viktor Tilgner von ihr angefertigt hat, gibt es Fotos und Dokumentarisches zu Olga Wisinger-Florian, wie es zur Spezialität der Ausstellungen im Leopold Museum geworden ist. Man sieht auch einige ihrer Tagebücher, die offenbar noch unausgewertet sind. Das mag sich nach dieser Ausstellung ändern.

Gegen die Einseitigkeit des Blicks     Wenn man Olga Wisinger-Florian auf die „Blumenmalerin“ einengt, so liegt das, wie die Ausstellung zeigt, nicht an ihr. Es liegt an der Bequemlichkeit der Interpreten (und Verkäufer), hier Markenzeichen und Etiketten zu verleihen. Das bietet einfachere Erkennbarkeit und lässt mühelose Einordnung zu (so wie die „Praterbäume“ für Tina Blau). Hier zeigt sich nun anhand der 70 Gemälde, dass der Blick der Künstlerin weit über die Blumen hinausschweifte, wenn sie auch zugegeben gerade diese mit unvergleichlicher Meisterschaft malte, in immer neuen Arrangements und Blickwinkeln. Aber es gibt vieles daneben: Landschaftsszenen, in denen sie auch mit den Elementen der Jahreszeiten „spielte“, Genreszenen, die Waldmüller impressionistisch weiterdenken; echte Stilleben im klassischen Sinn (ganz ohne Blumen); Interieurs; Blicke auf das Landleben, Blicke auf das Meer; Wald, Wiese, Ernte. Ja, und natürlich Blumen.

Das besondere Talent     Dass Blumenbilder das besondere Talent der Olga Wisinger-Florian waren, steht außer Zweifel. Auch, dass manches in unseren Augen zu „schön“ wirkt – aber da muss man die Epochen mit bedenken, die dazwischen liegen, der Geschmack, der sich geändert hat. Doch spricht es nicht gegen die Künstlerin, dass der konservative Kaiser Franz Joseph zu den Käufern ihrer Bilder zählte. Es gibt Landschaften von Olga Wisinger-Florian , denen man in ihrer Ernsthaftigkeit, fast Strenge, nie Lieblichkeit oder Gefälligkeit vorwerfen würde.

Perfektes Handwerk     Und was immer, mit jedem Werk, klar wird: ihr handwerkliches Können war überragend, wobei sich ihr Stil durchaus vielfältig aufblättert: Ein Hauch der Impressionisten, Reste österreichisch-realistischer Akkuratesse, und immer natürlich jener Stimmungsimpressionismus, für den Schindler stand und der die Malerei seiner „Schule“ in solche Höhen katapultierte.

Leopold Museum:
Olga Wisinger-Florian.
Flower-Power der Moderne
Von 24. Mai 2019 bis zum 21. Oktober 2019,
täglich außer Dienstag: 10 bis 18 Uhr, Donnerstag: 10 bis 21 Uhr
Juni, Juli, August: täglich geöffnet

 

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