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WIEN / Leopold Museum: KOKOSCHKA. DAS ICH IM BRENNPUNKT

04.10.2013 | Allgemein, Ausstellungen

KOKOSCHKA Plakat~1  KOKOSCHKA er vor Selbstbildnis~1

WIEN / Leopold Museum:
KOKOSCHKA. DAS ICH IM BRENNPUNKT
Vom 4. Oktober 2013 bis zum 27. Jänner 2014 

Image erzeugen, Image pflegen…

Selbstbewusste Persönlichkeiten werden ihr Bild in der Öffentlichkeit nicht dem Zufall überlassen. Zuerst entdeckten das die Politiker – Kaiser Maximilian I., der sich von Dürer malen und seinen Festzug dokumentieren ließ, war da einer der ersten. Künstler, zumal bildende Künstler, sorgen dafür, dass ihr Image ihrem Wert und ihrem Marktwert entspricht, von Picasso bis Warhol. Dass auch Oskar Kokoschka sehr sorglich mit seinem persönlichen „Bild nach außen“ umging, das zeigt derzeit eine hoch interessante Ausstellung im Leopold Museum.

Von Renate Wagner

Selbstbilder      Wie viele Selbstbildnisse kann ein Künstler malen? Sicher eine Menge, Rembrandt tat es sein Leben lang, vermittelte uns sein Aussehen vom jungen bis zum alten Mann, und trotzdem hält sich die Zahl in Grenzen. Damals gab es noch keine Fotografie, die tausende Bilder mühelos „knipsen“ kann. Oskar Kokoschka (1886-1980) hat auch mehrere Selbstbildnisse gemalt, einige auch mit Damen – ob der „Alma Puppe“ oder Gattin Olda. Aber was man vor dieser Ausstellung nicht wusste: Er hatte auch vitales Interesse daran, sich selbst in Fotografien verewigt zu sehen. Und das lebenslang. Und keinesfalls nur in „Schnappschüssen“ aus dem täglichen Leben, sondern vor der Kamera von Profis stilisiert. Als junger „Wilder“ mit kahl geschorenem Haupt (solche Totalglatzen wirken immer stark), später als alter Mann nachdenklich, heiter, fast clownesk. Es gibt Fotos von Oskar Kokoschka vom fünften Lebensjahr bis ins hohe Alter.

Ein hohes Lob der Witwe       Künstlerwitwen gibt es in vielen Ausprägungen, aber wenige haben Nachwelt und Wissenschaft so glücklich gemacht wie Olda Kokoschka, die ihren Mann um 24 Jahre überlebte und den Nachlass mit Hilfe von ihr gegründeten und unterstützten Institutionen gepflegt und dann den richtigen Stellen vermacht hat. Die Fotografien aus Kokoschkas Besitz, etwa 5000 an der Zahl, kamen an die Universität für angewandte Kunst Wien. Kokoschka selbst hat zwar, wie man annimmt, nie selbst fotografiert, aber doch offenbar intensiv gesammelt, wo er im Bild war oder was mit ihm zu tun hatte. Die von Tobias G. Natter, dem museologischen Direktor des Hauses, mit zahlreichen Mitarbeitern kuratierte Ausstellung, gewinnt nun dem biographischen Aspekt des Kokoschka-Lebens die fotografisch-bildliche Aussage hinzu.

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Auf doppeltem Pfad durch die Biographie    Im ersten Untergeschoß des Leopold Museums wandert man mehr oder minder chronologisch durch Kokoschkas Leben. Jeder Raum widmet sich einem oder mehreren Themen aus der Biographie, und das parallel: in den Werken, die er schuf, und in den Fotos, die aus jener Zeit stammen. Der „Oberwildling“, der sich mit Kahlkopf fotografieren ließ, schuf gleichzeitig die „wüsten“ expressionistischen Plakate. Der alte Mann, der sich auf Porträtfotos witzig bis weise gibt, war dann in seinen späteren Lebensjahren doch ein wenig der „Staatskünstler“, der etwa auch das Porträt des Bundespräsidenten Körner malte. Natürlich kam angesichts seiner Popularität das Interesse der Medien wohl auch von selbst, aber er hatte sicher nichts dagegen, dabei fotografiert zu werden, wie er Körner malte… Es ist immer spannend, ein Gesicht durch sein ganzes Leben zu verfolgen – Kokoschka hat in reichem Maße dafür gesorgt, dass dies möglich wurde. Unter jenen Künstlern, die Fotos von ihm anfertigten, waren ihrerseits die größten ihrer Zeit: von Madame d’Ora und Trude Fleischmann bis zu Franz Hubmann und Erich Lessing.

KOKOSCHKA Koerner~1  KOKOSCHKA malt Koerner~1

Schule der Eitelkeit?     Die Ausstellung, mit Kokoschka-Werken reich bestückt, wenn man auch die meisten davon kennt, im Dialog Gemälde-Foto wirklich interessant, wirft aber doch eine Frage auf. Kann man – in Parenthese zu jener „Schule des Sehens“, die Kokoschka lange in Salzburg leitete – hier eigentlich von einer „Schule der Eitelkeit“ sprechen? Es ist doch nicht üblich, immer wieder vor die Porträtkameras zu gehen, dort zu posieren und vermutlich auch nachzuhelfen, dass diese Fotos auch veröffentlicht werden: Es gibt Beispiele von Hochglanzzeitschriften, die Kokoschkas Gesicht ganzseitig, in Nahaufnahmen, zelebrieren… Andererseits: Warum sollte er sich nicht um seine Imagepflege, um seine Präsenz in der Öffentlichkeit bemühen? Es sind Leute mit weit weniger Talent als er auch eitel…

Leopold Museum, bis 21. Jänner 2014, täglich außer Dienstag : 10-18 Uhr, Donnerstag: 10-21 Uhr

 

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