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WIEN / Leopold Museum: HERBERT BOECKL – HANS JOSEPHSOHN

Eine Wahlverwandtschaft

28.07.2026 | Ausstellungen, KRITIKEN

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Alle Fotos: Leopold Museum

WIEN / Leopold Museum / Erstes Untergeschoß:  
HERBERT BOECKL – HANS JOSEPHSOHN
ARCHETYPEN DES FIGURALEN
Vom 24. Juli 2026 bis zum 10. Jänner 2027

Eine Wahlverwandtschaft

So „leer“ hat man die Räume des Leopold Museums im ersten Untergeschoß noch nie empfunden. Das bedeutet nicht, dass zu wenige Kunstwerke ausgestellt wären. Sie bekommen nur viel Raum, damit der Besucher in Ruhe ihre Beziehung herstellen kann. Ein Österreicher und ein Schweizer, ein Maler und ein Bildhauer, in ihren Lebensdaten mehr als ein Vierteljahrhundert – also eine Generation –  auseinander, die einander auch nie begegnet sind. Und doch gelingt es dem Leopold Museum, sie in einen Dialog zu bringen und die innere Verwandtschaft des Schaffens von Herbert Boeckl und Hans Josephsohn evident zu machen.

Von Renate Wagner

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Herbert Boeckl    Man muss Herbert Boeckl in Österreich nicht vorstellen. Geboren am 3. Juni 1894 in Klagenfurt, wurde er in Wien bei der Aufnahmsprüfung an die Akademie abgelehnt – studierte daraufhin an der Technischen Hochschule und machte seinen künstlerischen Weg als Autodidakt der schon vor dem Ersten Weltkrieg, den er als Soldat mitmachte, bei Ausstellungen Beachtung fand. Boeckl fand Förderer und Anerkennung für seinen individuellen Umgang mit Farben, die er zunehmend auf der Leinwand zu modellieren schien, und unrealistischer Form, was  ihn zu einem wesentlichen Vertreter der spezifisch österreichischen Moderne machte. Boeckl wurde für seine Aktbilder bekannt, die jenseits von Realistik und Erotik ins Existenzielle vordrangen. Der Künstler, der auch Schockhaftes nicht scheute, machte dennoch hoch geachtet in vielen Bereichen des Kunstlebens Karriere. Er starb am 20. Jänner 1966 mit 71 Jahren in Wien.

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Hans Josephsohn   Geboren am 20. Mai 1920 in Königsberg (heute Kaliningrad), der damaligen Hauptstadt von Ostpreußen, stammte er aus einem jüdischen Elternhaus. Schon als Achtzehnjähriger ging er auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in die Schweiz. Als Bildhauer befasste er sich vordringlich mit der menschlichen Figur. Anfangs vor allem in der Schweiz bekannt, deren Staatsbürger er wurde, fand er in den letzten Jahrzehnten auch späte international Beachtung (in Wien allerdings ist diese Ausstellung die erste seines Werks). Im Kanton Tessin gibt es ein ihm gewidmetes Museum. Hans Josephsohn starb am 20. August 2012 in Zürich.

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Verwandte im Geist   In dem vielfältigen Werk von Herbert Boeckl spielt die menschliche Gestalt eine große Rolle. Hans Josephsohn, der seine Werke meist mit „Ohne Titel“ bezeichnete, widmete sich dem Körper als seinem zentralen, immer abstrahiert betrachteten Thema. So, wie Kurator Direktor Hans-Peter Wipplinger die Werke nebeneinander, zueinander geordnet hat, konnte man manchmal den Eindruck gewinnen, die Künstler wären nebeneinander gestanden und hätten dasselbe Motiv in ihren verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen dargestellt. Es gibt 25 Ölgemälde von Boeckl, die Eye-Catcher, der Ausstellung, neben Arbeiten auf Papier, und es gibt 24 oft große Skulpturen und Plastiken von Josephsohn, vordringlich in Gips, abgesehen von Reliefs, die für ihn charakteristisch waren. Beide Künstler, von denen die Ausstelloung einen Schwerpunkt auf Frauen und Frauenakte legt, stehen als absolute Individualisten vor dem Betrachter, nur sich selbst und keinen Moden und Trends verpflichtet.

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Verwandte in der Technik   Man kann ein so langes Künstlerleben wie das von Boeckl nicht auf jene Werke herunter brechen, in denen er die Farbe immer dicker auftrug, so dass der darunter liegende Mensch gewissermaßen verfremdete, aber in diesem Fall ist es legitim, weil die Technik von Josphsohn, sich quasi mit seinen Händen im Gips zu verewigen, so ähnlich ist. In beiden Fällen hat man das Gefühl, die Künstler arbeiteten sich „in die Menschen hinein“.

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Es gibt bei Boeckl nur ein Beispiel, das einen anderen Zugang zeigt: Er hat in den fünfziger Jahren eine Reise nach Lisieux unternommen, weil er, ein gläubiger Katholik, die Gestalt der heiligen Therese so bewunderte. Ihr Porträt sieht den Besucher gewissermaßen mit einem „klaren“ Gesicht an…

WIEN / Leopold Museum / Erstses Untergeschoß:  
HERBERT BOECKL – HANS JOSEPHSOHN
ARCHETYPEN DES FIGURALEN
Vom 24. Juli 2026 bis zum 10. Jänner 2027
Geöffnet Im Juli und August täglich von 10 bis 18 Uhr
Ab September dienstags geschlossen

 

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