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WIEN / Leopold Museum: ANTON ROMAKO

06.04.2018 | Ausstellungen, KRITIKEN

WIEN / Leopold Museum:
ANTON ROMAKO
Beginn der Moderne
Vom 6. April 2018 bis zum 18.Juni 2018

Der Mann der Gegensätze

Niemand, absolut niemand wird Anton Romako (1832-1889) höchste künstlerische Fähigkeiten abstreiten. Doch er ist bis heute, lange nach seinem Tod, eine umstrittene Persönlichkeit in der Kunstgeschichte. Man kann das auf die „Vielfalt“ seines Werks zurückführen, das ebenso interessante, innovative Ansätze zeigt wie auch eine Gefälligkeit bedient, mit der gerade unsere Zeit nicht so viel anzufangen weiß. Das Leopold Museum bietet Romako nun in einer großen Überschau.

Von Heiner Wesemann

 
Alle Fotos aus der Ausstellung: Heiner Wesemann

Anton Romako   Ein Leben voll von Gegensätzen. Er wurde 20. Oktober 1832 in Atzgersdorf als der uneheliche Sohn eines Fabrikanten geboren, der ihm allerdings genug Geld hinterließ, um für seine Ausbildung zu zahlen und auch für seinen Unterhalt zu sorgen. Dennoch pendelte Romako (der den Namen seiner Mutter trug) stets zwischen Reichtum und Armut, so wie er als Künstler auch zwischen Anerkennung und tatsächlich Spott schwankte. Lange Jahre seines Lebens verbrachte er in Italien. Sein Privatleben war unglücklich – die Gattin, die ihm fünf Kinder geboren hatte, verließ ihn, zwei seiner Töchter begingen Selbstmord. Am Ende lebte Romako in Wien, der Stadt des Historismus und des Hans Makart, und starb hier erst 56jährig am 8. März 1889.

Romako sammeln und ansehen     Das Belvedere, das die größte Romako-Sammlung der Welt besitzt (und für diese Ausstellung 15 Werke geliehen hat, darunter den „Tegetthoff“) hat dem Künstler 2010 eine Personale unter dem Titel „Im Fokus“ gewidmet, wobei das Gemälde „Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa“ im Mittelpunkt stand, das jetzt auch im Leopold Museum ausgestellt wird. Rudolf Leopold hat sein Augenmerk schon in den fünfziger Jahren auf diesen Künstler gerichtet und seinerseits eine Anzahl seiner Werke angekauft. Darunter jene Darstellung von Isabella Reisser aus dem Jahr 1885, die Katalog und Prospekt ziert und typisch ist für eine neue Sicht auf den Menschen: Die Dame sieht zwar auf den ersten Blick aus wie „typisch Historismus“, aber kaum ein Maler damals wäre so unfreundlich gewesen, ihre Gesichtszüge so gar nicht vorteilhaft darzustellen…Romako hat  ja auch die legendär als „schön“ gepriesene Kaiserin Elisabeth gänzlich fern der Schönheits-Klischees gemalt.

Der Künstler der Widersprüche   Kuratorin Marianne Hussl-Hörmann ist sich dessen bewusst, dass man Romako nicht einfach interpretieren kann. Er hätte es wahrlich leichter gehabt, hätte er eine „Masche“ gefunden und wäre ihr treu geblieben. Aber so, wie es ihn in der Welt herumschleuderte, so versuchte er sich in vielen Stilen und Genres. Manches erkennen wir heute in seiner Widerständigkeit als genial: Dass einer von der Seeschlacht nicht die Schiffe und die Helden malt, sondern im Zentrum einen starr in die Katastrophe blickenden Kapitän, das war neu und kühn – und wollte damals niemand sehen. Dass er Kinder, folkloristische Frauen, ländliche Szenen oder gar eine „Geierwally“ mit allen Anzeichen der Süßlichkeit gestaltete, rückt ihn manchmal an den Rand des Lächerlichen. Auch wenn Romako Kolossalgemälde im „alten Stil“ schafft, ist es oft das „Zuviel“, das die Qualität zu beeinträchtigen scheint (und seinen Odysseus seltsam erscheinen lässt). Und gehört doch auch zu seinem Werk dazu.

 

„Stilpluralist“   Bei Romako, der den Jugendstil gar nicht mehr erlebt hat, haben dennoch zahllose Einflüsse prägend gewirkt. Der Barock ebenso wie die Tradition der Mythen-, Historienmalerei oder auch der Realismus des 19. Jahrhunderts. Doch es ist auch gerechtfertigt, wenn das Leopold Museum für diesen Künstler, diese Ausstellung den Untertitel „Beginn der Moderne“ wählt, denn er konnte nicht nur meisterlich Landschaften à la Caspar David Friedrich malen, er spürte auch die Psychologie, die neue Seelenkunde, deren Bewusstsein damals langsam erwachte. Für diese Bilder allerdings betrachtet man ihn spottend als „Exzentriker“.

 

Widersprüche        Die Widersprüche ziehen sich wie eine rote Linie durch sein Werk – ja, durch einzelne Bilder sogar. Jenes „Mädchen, einen Wildbach durchschreitend“, das, wie man weiß, ein Lieblingsbild von Frau Prof. Elisabeth Leopold ist, erstaunt durch die Komposition von Wasserfall zwischen Felsen, fast geometrische Dreiecks-Konstruktionen. Blickt man aber genauer auf das Mädchen, das da (an sich recht unwahrscheinlich) über einen schmalen Steg balanciert (künstlerisch ungemein ausgewogen!), dann hat man es wieder mit einer der entzückenden Kinderdarstellungen zu tun, die letztlich allzu niedlich anmuten. Und doch – wie weit war er mit einem „Totentanz auf dem Schlachtfeld“ (um 1885) seiner Zeit voraus! Aus den Soldatenuniformen blicken Totenköpfe hervor, die Gewehre bilden den Boden, auf dem sie trampeln. Da folgt man dem Leopold Museum in seine Formulierung vom „Weichensteller für die Moderne“. Im übrigen wird im Untergeschoß des Hauses klar, wie sehr ein tragisch zerrissenes Leben für tragisch zerrissene Kunst sorgte, aus der zahlreiche Meisterwerke hoch herausragen.

Leopold Museum
ANTON ROMAKO
Beginn der Moderne
6. April .2018 – 18. Juni 2018
Täglich 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr

 

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