
Fotos: Bettina Frenzel
WIEN / Kosmos Theater:
IM TAUBENSCHLAG
von Veronika Glatzner und Barbara Juch
Uraufführung
Premiere: 7. Oktober 2026.
besucht wurde die Vorstellung am 10. Oktober 2026
Spionage ist lustig!
Die arme Karin Kneissl! Dass Putin auf ihrer Hochzeit getanzt hat, hat man ihr nie verziehen. Der Ehemann ist futsch, Putin blieb ihr wohl gesonnen: Heute darf sie samt ihren Tieren in Rußland leben und an Universitäten arbeiten. Die Neos wollen ihr dafür die Staatsbürgerschaft entziehen – wie weit das gediehen ist, weiß nicht einmal KI. Dass sie nun als gesicherte russische Agentin auf der Bühne steht, das kann man im Kosmos Theater amüsiert verfolgen.
Dort haben Regisseurin Veronika Glatzner und Autorin / Dramaturgin Barbara Juch eine durch und durch leichtfüßge Spionage-Parodie verfasst, die wohl darauf beruht, dass wir seit den James-Bond-Filmen gewohnt sind, das Thema humoristisch zu betrachten. Man muss ja nicht gleich an die düstersten Romane von John le Carré denken, wir sind ja nicht mehr im Kalten Krieg. Obwohl – wer weiß…
Jedenfalls versichern die Autorinnen, dass sich Spione heute nicht mehr in Kaffeehaus treffen, sondern in Galerien, wo man vor einem Bild ja ganz zwanglos ins Gespräch kommen kann, auch wenn es dann nicht um Kunst geht…

sie Frau „KK“ auf die Bühne schicken, wollen die Autorinnen dem Publikum einiges aus dem Agenten-Alltag zeigen. Sonja, die Ältere (leider mindert der starke Akzent von Halka Jeřábek Třešňáková ihre akustische Verständlichkeit), lehrt Nika, der Jüngeren (amüsant lerneifrig Ana Grigalashvili) einige Tricks des Berufs, wo es um Tarnen und vor allem Täuschen geht – weshalb, wie das Konzept das Abends lautet, Spionage viel mit Theater zu tun hat: In beiden Fällen macht man der Mitwelt etwas vor.

Wenn Karin Kneissl auftaucht, nennen wir sie mal so, sie ist bis ins Detail so gemeint, und Julia Schranz erzielt eine geradezu erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Vorbild, so wackelt ein wenig die Dramaturgie des Stücks. Sie kommt aus Rußland wieder einmal kurz nach Wien zurück, obwohl sie geschworen hat, Europa nie wieder zu betreten, und soll einen anti-westlichen Vortrag halten. Ob sie tatsächlich auch eine richtige Agentin ist, wird nicht ganz klar – aber wenn sie am Ende mit den Kolleginnen aufs Dach steigt und wie Tauben gurrt (schließlich lautet der Titel des Stücks „Der Taubenschlag“), muss man es wohl annehmen. Wer weiß, welche Botschaften die Damen da ins All und weiter nach Rußland gurren…
Jede der drei Darstellerinnen (zwei von ihnen, nicht KK, sind auch des öfteren auf einer ziemlich hohen Schaukel zu finden, die ihnen Turnerisches abverlangt) bekommt ihre großen Momente – Sonja, wenn sie als angebliche Galerie-Besitzerin ihre Kunden in allen Sprachen begrüßt und anstrudelt, Nika, wenn sie sich als Ballett-Tänzerin gerieren darf, und KK, wenn sie ihren Auftritt plant (und im übrigen total erstaunt ist, dass niemand sie am Flughafen erkannt hat…)
Ernst sollte man diese eineinhalb Stunden nicht nehmen. Der findet draußen statt. Im Theater darf gelacht werden.
Renate Wagner

