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WIEN / Konzerthaus: LA DAMNATION DE FAUST

Konzertante Aufführung unter Philippe Jordan

16.02.2019 | KRITIKEN, Oper


v.l.n.r Nahuel di Pierro, Philippe Jordan, Edwin Crossley-Mercer, Saimir Pirgu 

WIEN / Konzerthaus:
LA DAMNATION DE FAUST von Hector Berlioz
Konzertante Aufführung unter Philippe Jordan 
15.
Februar 2019

Es ist genau 50 Jahre her, dass man „La Damnation de Faust“ – damals schlicht und einfach und auf Deutsch als „Fausts Verdammnis“ – zuletzt szenisch in Wien gesehen hat: Das war an der Volksoper. Eine konzertante Aufführung gab es (unter de Billy) vor zehn Jahren auch im Konzerthaus. Die Bregenzer Festspiele haben das Werk 1992 gezeigt. Kurz, übertrieben toll ist unsere Kenntnis dieses „Faust“ von Hector Berlioz nicht eben. Aber halt – vermutlich hat arte (oder YouTube) die Pariser Aufführung von 2015 gezeigt (sonst kennte man sie ja nicht): Alvis Hermanis lieferte mit Kaufmann, Koch, Terfel eine ziemlich schräge Inszenierung. Am Pult der Opera Bastille stand Philippe Jordan. Wie auch jetzt wieder.

Es ist nämlich Berlioz-Jahr, der französische Komponist, geboren 1803, starb 1869, also vor 150 Jahren in Paris. Grund genug, dass Jordan mit (noch) „seinen“ Wiener Symphonikern das Werk konzertant zur Aufführung bringt. Zumal bei dieser „Dramatischen Legende“, wie Berlioz das Werk bezeichnet hat, für das Orchester am meisten zu holen ist. Dramaturgisch mutet die Sache, die sich auf Faust, Mephisto und erst im zweiten Teil auf Marguerite konzentriert, ziemlich verfahren an. Aber musikalisch – alles drin, vom raumsprengenden Donnerwetter einer Höllenfahrt bis zu den raffiniertesten Klangspielen, die dann einzelne Instrumente solistisch hervorholen. Superzart bis superlaut und stellenweise atemberaubend effektvoll, etwa bei jenem „Ungarischen Marsch“ der als „Rákóczy-Marsch“ in die Konzertsäle und die Ohren eines breiten Publikums eingegangen ist.

Da kann ein Orchester prunken, und die Wiener Symphoniker taten es an diesem Abend – und das die ganze Zeit. Jordan hat spürbar Präzisionsarbeit geleistet, und die Musiker, den Chor (die Wiener Singakademie unter der Leitung von Heinz Ferlesch hat einen Riesen-Job) und auch noch Sänger der Opernschule der Wiener Staatsoper (Leitung: Johannes Mertl) bemerkenswert zusammengeschmiedet. Nicht, dass man uns Philippe Jordan als Dirigenten groß vorstellen müsste (allerdings war er in der Ära Dominique Meyer nie an der Staatsoper!), aber es tut gut sich daran zu erinnern, wer der Mann ist, der ab 2020 für unser Opernhaus so wichtig sein wird.

Der Held des Berlioz’schen „Faust“ ist der Titelheld, der Tenor, der am meisten und dabei viel Schwieriges zu singen hat. Man hörte es und die Pausengespräche beweisen es, wie überzeugend sich Saimir Pirgu im dramatischeren Fach gemausert hat. Er hat die Höhen ohne Probleme, er hat die Mittellage, und an diesem Abend brach er nur zu Beginn des zweiten Teils kurz ein, als ihm einige Piano-Stellen im Hals stecken blieben. Aber das minderte den Gesamteindruck nicht.

 
Saimir Pirgu und Kate Aldrich

Von der vorgesehenen Besetzung ist noch Kate Aldrich übrig geblieben, ein braver Mezzo, wenn auch ein bisschen farblos. Etwa drei Stunden vor Beginn des Konzert sandte das Konzerthaus per Mail die Umbesetzungen aus – was einen Großteil des Publikums völlig kalt erwischte. Die Dame neben mir brach in großes Gejammere aus, weil sie sich offenbar so sehr auf Ildebrando D’Arcangelo gefreut hatte. Um Florian Boesch wurde nicht gejammert, aber die Rolle des Brander ist auch winzig, Jordan holte dafür Edwin Crossley-Mercer von seiner Pariser Aufführung.

Der Argentinier Nahuel di Pierro hatte die Aufgabe, den Méphistophélè zu singen. Es sah mit dunklem Bart nur ein kleines bißchen „teuflisch“ aus, leider war die Stimme nicht entsprechend „schwarz“ und die Persönlichkeit nicht überragend. Aber im Konzertsaal hat man es schwer mit der Rollengestaltung.

Das Wiener Publikum zeigte durch seinen Beifall, dass es eine überzeugende Aufführung von „La Damnation de Faust“ gehört hatte.

Renate Wagner

 

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