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WIEN/ Konzerthaus; GREAT VOICES – ROLANDO VILLAZÓN

WIENER  KONZERTE

 

20.10., KH/GS:  „Great Voices“  –  ROLANDO  VILLAZÓN – 21.10.2014

Zur in dieser Saison in Wien einzigen gesanglichen Begegnung mit dem mexikanischen Sympathieträger musste man in das Konzerthaus gehen, wo im Rahmen einer Tournee Rolando Villazón eine bunte Melodienpalette bot, die Französisches, Veristisches, Belcanteskes (einschl. Verdi) und Spanisches enthielt. Als Verstärkung hatte er die südafrikanische Sopranistin Pumeza Matshikiza an seiner Seite, die ich bisher in London nur in kleinen Aufgaben (u. a. Papagena, Tebaldo, Sandmännchen) gehört habe. Sie lieferte ihr Soloprogramm (Massenets Élégie“, Liùs 1. Arie aus „Turandot“, Nanettas Elfenlied aus „Falstaff“ sowie ein Solo aus Ravels „L’heure espagnole“) anständig ab, punktete jedoch primär mit ihrer sympathischen Ausstrahlung. Denn ihr Sopran verhärtete sich oberhalb der Mittellage und es fehlten die Finessen, welche eine Darbietung über reine Solidität heben. Wenn schon Südafrika, dann lieber Pretty Yende.

Rolando Villazón zeigte sich zunächst gut bei Stimme, was sich darin äußerte, dass die Register ordentlich verbunden waren und die hohe Lage voller als sonst oft glänzte. Nach dem Gebet des Cid (Massenet) und einem recht schönen Duett aus „Les pêcheurs de perles“ (Bizet) vermochte er mit einem leidenschaftlich gestalteten Lamento aus „L’Arlesiana“ (Cilea) auch Skeptiker zu begeistern. Das machte ihn offenbar übermütig und verleitete ihn dazu, das den 1. Teil beschließende Liebesduett aus „La Bohème“ (Puccini) zuletzt hinauf zu singen, was danebenging. Damit hatte er sein Pulver weitgehend verschossen, und er verzeichnete in der Szene „Caro elisir!“ – „Esulti pur la barbara“ aus „L’elisir d’amore“ (Donizetti) Nemorino zu einem reinen Clown, was natürlich einen großen Teil des Publikums aufjauchzen ließ, nicht aber den Musikliebhaber. Die Romanze des Nemorino war für ihn mit großer Arbeit verbunden, welche er mit veristischem Impetus zu übertünchen versuchte. Ob man das goutiert, bleibt Geschmackssache. Belcanto klingt allerdings anders. Mit einer effektvoll und authentisch vorgetragenen Zarzuela-Arie („La del Soto del Parral“ von Soutullo & Vert) zeigte er sich ganz in seinem Element, doch in dem Duett aus „El gato montés“ von Penella Moreno, der letzten offiziellen Programmnummer, ließ er wieder einmal 2 differente Stimmen hören.

Die Zugaben brachten zuerst mit dem bekannten „No puede ser!“ („La tabernera del puerto“ von Sorozabal) das letzte Tenor-Solo, und darauf folgten das Duett „Tonight“ (aus Bernsteins „West Side Story“), ein als reine Show dargebotenes Lied aus Südafrika sowie das „Traviata“-Brindisi. Während dieser allerletzten Nummer sprang er in das Parterre und forderte eine Dame im Publikum zu einem kurzen Tänzchen auf, bevor er dann wieder auf dem Podium in den Schluss bei Verdi einstieg. Das zeigte sein Temperament und seinen natürlichen Drang zur durchaus sympathischen Selbstdarstellung. Allerdings darf das bei einem Gesangskünstler nicht alles sein bzw. nicht im Vordergrund stehen.

Die tschechische Philharmonie Bohuslav Martinu – FBM machte ihre Sache brav und durfte unter der Leitung des v.a. am Liceu von Barcelona tätigen Russen Guerrassim Voronkov mehr laut und robust als fein nuanciert spielen. Als reine Orchesterstücke wurden die Ouvertüren zu „Le roi de Lahore“(Massenet) und „Don Pasquale“ (Donizetti) sowie Zwischenspiele aus „Manon Lescaut“ (Puccini) und „La boda de Luis Alonso“ (Giménez) geboten.

Gerhard Ottinger

 

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