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WIEN / KHM: MARK ROTHKO

13.03.2019 | Ausstellungen, KRITIKEN

WIEN / Kunsthistorisches Museum:
MARK ROTHKO
Vom 12. März bis zum 30. Juni 2019

Ansichtssache

So vieles ist Ansichtssache in dieser Welt. Das Kunsthistorische Museum in Wien beherbergt in seinen vielen Sammlungen Schätze aus fünf Jahrtausenden. Allerdings hat man einen Schlusspunkt gesetzt: um 1800 herum ist es zu Ende, danach übernehmen in Wien das Belvedere, das Wien Museum, das Museum Leopold und gar die der Moderne gewidmeten Häuser. Wenn Direktorin Sabine Haag nun seit einiger Zeit in Zusammenarbeit mit dem britischen Kunsthistoriker und Kurator Jasper Sharp begonnen hat, die Zeitgenossen in das „Kunsthistorische“ zu „intervenieren“, so kann man das für gut und richtig und aufgeschlossen und für den heutigen Weg, mit Kunst umzugehen, halten. Oder man kann der Meinung sein, die Lassnig neben Rubens zu hängen oder eine Ausstellung über Mark Rothko, einen Großmeister der Moderne, zu veranstalten, passe nicht in ein Haus, das ein anderes Profil, andere Kompetenzen und andere Aufgaben hat. Ansichtssache.

 
Sabine Haag zwischen Christopher Rothko und Jasper Sharp.  Foto: Wagner. Alle anderen Fotos: KHM

Von Renate Wagner

 

Mark Rothko     Jeder sehr berühmte Künstler ist für etwas Spezifisches bekannt. Bei Rothko sind es seine abstrakten, monochrom bemalten Flächen, die ins Auge springen, irritieren, durchaus faszinieren, den Betrachter herausfordern. Rothko, 1903 in Lettland geboren, das damals noch zum Russischen Zarenreich gehörte, war zehn Jahre alt, als seine jüdischen Eltern vor den steten Pogromen in die Vereinigten Staaten flohen. Dort wurde er in New York zu einem anerkannten Künstler, der seinen eigenen Weg ging – und doch selbst immer wieder betonte, wie sehr er von der europäischen Kunst geprägt wurde. Heute gelten in den USA die zwischen 1964 und 1967 entstandenen Wandgemälde für eine Kapelle in Houston, Texas, als Höhepunkte amerikanischer Kunst. In seinem Werk finden sich zahlreiche Stile, bis er zum persönlichen Spezifikum der Farbfeldmalerei fand. In den letzten Jahren unter Depressionen leidend, nahm er sich 1970 das Leben. Seine Kinder Kate und Christopher hegen und pflegen sein Erbe, Christopher Rothko ist an der Wiener Ausstellung stark beteiligt.

Die Reisen zur Kunst    Weil eine Rothko-Ausstellung im Kunsthistorischen Museum sich ja doch nicht von selbst versteht, musste man eine ideologische Brücke bauen. Man fand sie in Rothkos Faszination für die alte Kunst Europas. Er hat vier Europa-Reisen unternommen – nach Wien ist er allerdings nie gekommen (weshalb dann der Konnex durch die Musik hergestellt wird, da er ein Liebhaber von Schubert und Mozart, Haydn und Beethoven war). Aber er reiste in vier Reisen zwischen 1950 und 1966 vor allem den alten Italienern nach, den Holländern, den Franzosen, den Briten – kurz, vielen Künstlern, deren Werke sich auch im KHM befinden. Und er war fasziniert von der Antike, von Ägypten, Griechenland. Viele seiner Werke stellen Paraphrasen zu diesen Eindrücken dar.

Detektivische Arbeit für den Betrachter   Jasper Sharp stellte fest, dass der Ausstellungsbesucher es als Herausforderung betrachten könnte, „Einflüsse“ zu finden. Das geht am verhältnismäßig einfachsten, wenn der Künstler ein frühes Selbstporträt gestaltet und mit dem Titel eines Werks Hinweise gibt wie bei „Room in Karnak“ von 1946 – umgeformt Ägyptisches zu finden, ist dann leicht. Aber allzu oft steht man hinweislos vor „Untitled“. Dennoch ist der erste Raum der Ausstellung mit dem mystisch-surrealen Frühwerk noch am einfachsten zu „entschlüsseln“, wenn es das überhaupt geben kann – und nicht nur einen individuellen Dialog zwischen Künstler und Betrachter, der für jeden Menschen anders ausfallen wird. Jedenfalls hat das KHM ein ungemein hilfreiches Heftchen bereit gestellt, in dem zu allen Werken (es sind 46 Nummern) faktische und interpretatorische Hinweise zu finden sind. Und die braucht man – denn ist man nicht ausgewiesener Rothko-Fan oder -Kenner, wird das Suchen der Zusammenhänge schwer.

Zum „typischen“ Rothko     Mag der erste Raum in seiner Vielfalt der anregendste sein, gerät man über einen Gang in die zwei großen Räume mit dem Spätwerk (ja, es ist wirklich eine große Ausstellung, die man da ins KHM „hineingeschnitten“ hat): Da hängen die teils monochromen, farblich gestapelten, verschwimmenden Riesenwerke in den „alten“ Sälen – in einem jene Wandbilder, die einst 1958/59 für das Seagram Building in New York in Auftrag gegeben wurden, dann der Saal mit den letzten, teils zutiefst düsteren, fast abweisenden Reisenwerken: Das sorgt in diesem räumlichen Historismus-Rahmen tatsächlich für eine Spannung besonderer Art. Nicht jeder wird sie goutieren. Viele wird sie faszinieren. Ansichtssache.

Mark Rothko
Kunsthistorisches Museum, Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien
Gemäldegalerie 1. Stock, Saal VIII, Saal I, Saal II, Kabinett 1, Kabinett 2
Vom 12. März 2019 bis zum 30. Juni 2019
Öffnungszeiten
Juni bis August, täglich 10 – 18 Uhr, Do bis 21 Uhr
September bis Mai, Di – So, 10 – 18 Uhr, Do, 10 – 21 Uhr

 

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