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Fotos Tommy Hetzel
WIEN / Kasino des Burgtheaters:
SOLARIS nach Stanisław Lem
Premiere; 20. Juni 2026
…was soll es bedeuten?
Sicher gibt es Menschen, die sich so souverän in der Science-Fiction-Welt bewegen, die ja ihren eigenen Gesetzen folgt, dass sie den Meta-Text von „Solaris“ ohne weiteres verstehen. Dieser Roman von Stanislaw Lem ist sein berühmtester geworden, oft verfilmt, immer wieder auf die Bühne gebracht (auch als Oper von Detlev Glanert, uraufgeführt 2012 bei den Bregenzer Festspielen). So richtig verstanden hat man sie Sache als Durchschnittsbesucher, der mit Nanotechnologien und virtueller Realität nicht viel am Hut hat, kaum – ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Aber das kann durchaus am mangelnder Technologie-Kennerschaft liegen. Dass Lem schon 1961, beim Erscheinen des Romans, künstliche Intelligenz im Visier hatte und künstliche Menschen, und dass da auch noch viel Philosophie und Psychologie hineingemixt ist… nicht einfach.
Aber eines weiß man: die nunmehrige Aufführung im Kasino des Burgtheaters ist zumindest eindrucksvoll, wenn auch nicht übermäßig spannend für zwei pausenlose Stunden…

Regisseur Roman Senkl gilt als der Mann fürs Digitale, und er hat mit einer gewaltigen Schar von Fachleuten für Creative Technology, Lead Visual Art und Videokonzepten das Kasino des Burgtheaters in die Raumstation Solaris verwandelt. Die Bühne scheint nur aus riesigen Video-Wänden zu bestehen, und die längste Zeit des Abends agieren die Darsteller für die Zuschauer live unsichtbar, aber von Kameras verfolgt und auf die Wände geworfen. Das hat viel von Arthaus-Kino, und man weiß ja, wie gerne man dort Raumfahrt-Filme anbietet…
Anfangs geht es um die Exposition: Wenn man es recht versteht, ist der (fiktive) Planet Solaris von einem Ozean der besonderen Art überspült, der den menschlichen Wissenschaftlern seine Rätsel nicht offenbart. Die dort alt eingesessene und neu hinzugekommene Besatzung redet viel Unverständliches, es gibt auch die groteske Szene einer Mitarbeiterin, die meint, dort einen riesigen Menschen gesehen zu haben, der eigentlich ein Baby war, was die Kollegen als Phantasie wegwischen… was soll es wohl bedeuten.

Aber nach und nach kristallisiert sich eine „menschliche“ Handlung heraus, und nun kommen die Darsteller (immer noch von den Live-Kameras verfolgt) auf die Bühne und spielen ihre Geschichte. Grundsätzlich geht es darum, dass da plötzlich eine Frau aufgetaucht ist, von der man nicht weiß, ob sie echt ist, eine Fiktion, vielleicht aus dem Ozean geboren (den man mit Röntgenstrahlen gereizt hat) oder die vielleicht aus den Neurosen der Wissenschaftler besteht… es ist Science-Fiction, da geht alles, und eigentlich muss man es nicht verstehen. Jedenfalls spielt Daniel Jesch den Mann, der sich in diese Harey (Safira Robens) verliebt, und die Aussage läuft wohl darauf hinaus, dass nichts wichtiger ist als menschliche Beziehungen und die Sehnsucht nach Liebe.
Martin Reinke und Ernest Allan Hausmann sind die weniger sentimentalen Wissenschaftler, Lola Klamroth darf das Solo über die seltsame Erscheinung hinlegen. Welche Funktion Elisabeth Augustin hat, durchschaut man nicht, aber sie entledigt sich ihrer Aufgabe mit Würde. So, wie der ganze Abend der abstrusen Handlung eine Form gibt. Viel Beifall.
Renate Wagner

