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WIEN / Kasino: LYSISTRATA

Eine Klamotte – weiter nichts?

27.02.2026 | KRITIKEN, Theater

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Fotos: © Tommy Hetzel

WIEN / Kasino des Burgtheaters: 
LYSISTRATA von Aristophanes
In der Übersetzung von Erich Fried
Premiere: 26.Feburar 2026

Eine Klamotte – weiter nichts?

Schicken wir voraus. Einst (wir sind hier im alten Griechenland) waren die Frauen in der schwächeren Position. Mussten ungefragt zuhause sitzen, während ihre Männer ununterbrochen Krieg führten (in diesem Fall jener von Athen gegen Sparta). Wie setzt man eigene Wünsche (etwa nach Frieden!!!) durch? So besannen sich die Frauen darauf, dass ihre einzige Stärke in der Schwäche der Männer bestand, unbedingt mit ihnen schlafen zu wollen.

Sexentzug als Waffe ist die Grundidee des berühmtesten Stücks des berühmtesten griechischen Komödiendichters Aristophanes. „Lysistrata“ wird auch immer wieder gespielt, kann man sie doch, wenn man will, als feministisches Kampfstück begreifen. Man könnte… Die Aufführung im Kasino des Burgtheaters, von dem eingesprungenen Regisseur Thomas Jonig und explizit auch von dem, Ensemble verantwortet, ging den falschen Weg.

Man spielt im Kasino vor einer weißen Wand mit runden Eingängen (was möglicherweise eine Stadt sein soll, vor allem aber die immer extrem schlechte Akustik dieses Raumes bremsen) die Fassung von Erich Fried. Verknappt im Personal, nur noch drei Damen aus Athen, eine aus Sparta, das Minimum an Männern, natürlich kein Chor. Die Kleidung (Kostüme: Selina Schweiger) zusammen gestoppelt, ein bißchen Heute, ein bißchen Antike-Parodie wie im „Raub der Sabinerinnen“. Schon da merkt man, dass von einem „Konzept“ der Aufführung nicht die Rede sein kann. Schon gar nicht, wenn nach der Ausgangssituation (Lysistrata ruft die Frauen von Athen und vom feindlichen Sparta zusammen, um mit dem Plan sexueller Enthaltsamkeit das Ende des Krieges zu erzwingen) die Handlung durchaus turbulent wird – und in dieser Inszenierung geradezu undurchschaubar.

Denn offenbar will man hier nur zeigen, dass alle, denen man hier begegnet. Dodeln sind – die Frauen ebenso wie die Männer, diese allerdings noch schlimmer. Auf eine Handlung, die an sich schon parodistisch gemeint ist, noch etwas draufzusetzen, kann sie nur kaputt machen. Man erlebt 80 pausenlose Minuten lang Klamotte, hilflos auf brachiale Pointen hin inszeniert. Eine stillose, disziplinlose Aufführung.

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Mavie Hörbiger im Männeranzug ist eine blasse Lysistrata, keinesfalls souveräner Frauenverstand als Strippenzieherin. Ines Marie Westernströer gibt die sexy andere Athenerin, Annamária Láng lässt als Spartanerin die Muskeln spielen, und Seán McDonagh tut, was Männer meist tun, wenn sie Frauen spielen, er blickt unsicher um sich.

Dafür muss Lola Klamroth angeblich Männer verkörpern, was man ihr keine Sekunde lang glaubt, Michael Wächter ist für das törichte Männergeschlecht zuständig (aber wenigstens echt), und Roland Koch tobt als Athener Ratsherr zwar selbstironisch herum, bietet aber so viel Schmiere, dass es fast peinlich ist.

Wenn das wenigstens lustig wäre. Aber man sieht nur bei der Demontage eines Stücks zu. Die Billigkeit der Aufführung hat dem heftig applaudierenden Premierenpublikum offenbar gut gefallen. Man muss ja nicht darüber nachdenken, was dieses „Friedens-Stück“ am Ende sagen könnte.

Renate Wagner

 

 

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