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WIEN / Kammerspiele: JOSEF UND MARIA

11.10.2018 | KRITIKEN, Theater

 
Foto: Theater in der Josefstadt

WIEN / Kammerspiele der Josefstadt:
JOSEF UND MARIA von Peter Turrini
Premiere: 11. Oktober 2018

Auf der Bühne liegt Schnee – was man nicht ganz versteht, denn man befindet sich eindeutig im Inneren eines Warenhauses, nicht draußen. Weit schlimmer aber ist die dicke Staubschicht, die auf „Josef und Maria“ von Peter Turrini lastet, dem Weihnachtsstück, das keines ist – das aber seinerzeit, bei der Uraufführung 1980 im Volkstheater (mit Elisabeth Epp und Heinz Moog) stark zu seinem Ruhm beigetragen hat. Als „kraftvoller Volksdramatiker“, der den Leuten „aufs Maul schaut“ und sich um ihre armen Seelen bekümmert.

Inzwischen sind die arme Putzfrau und der arme Pensionist, die beide einsam genug sind, um am Heiligen Abend in einem Warenhaus Dienst zu tun, zu reinen Klischees erstarrt. Abgesehen davon wirken sie stellenweise so peinlich, als kämen sie aus einer dieser schrecklichen Sendungen von Elisabeth T. Spira, wo naive Seelen grausam in ihrer ganzen Dümmlichkeit vorgeführt werden. Hier die Frau, die sich in ihre Erinnerungen flüchtet, einmal ein Tanzgirl in Tirana gewesen zu sein, wenn sie die Gegenwart der brutalen Schwiegertochter nicht mehr erträgt. Er, der seine Sozialistenvergangenheit dreht und wendet und verklärt, obwohl schnell klar wird, dass da nicht viel dran war…

Vermutlich hat Regisseur Alexander Kubelka gespürt, dass man diese Geschichte nicht mehr in das realistisch-dampfende Ambiente des nächtlich-kalten Warenhauses stellen kann (wo sie allerdings für ihren finalen Beischlaf wenigstens ein Bett aus der Wohnabteilung vorgefunden hätten). Aber irgendwo zwischen Schnee und riesigen roten Ballons (!!!) (Bühne: Florian Etti), wo sich dann alles mehr oder minder am Fußboden abspielt, hebt sich die Begegnung der armen Seelen nicht ab in möglicherweise beabsichtige poetische Welten. Sie klebt erdenschwer am Boden und wirkt bei etwas über eineinhalb Spielstunden nicht zuletzt deshalb so lang, weil die ewige Wiederholung der Belanglosigkeiten nicht rührt, sondern nervt.

Freilich, eine so hübsche Frau Maria wie Ulli Maier hatten wir noch nie, die von Turrini gemeinte Proletarier-Putzfrau ist Lichtjahre entfernt, das Mäderl von Tirana funkelt. Weit weniger profiliert sich Johannes Silberschneider, was verwundert, hat man ihn doch in Film und Fernsehen immer wieder als nachdrückliche Schauspielerpersönlichkeit erlebt. Aber offenbar kann er nicht das wahre innere Feuer für die „rote“ Vergangenheit des Herrn Josef aufbringen… und jene, die im Zuschauerraum dazu verständnisinnig mit dem Kopf nicken, sind mittlerweile auch schon ausgestorben.

Es war die 14. Turrini-Premiere in der Josefstadt. Ein Geschenk – für wen?

Renate Wagner

 

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