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WIEN / Kammeroper: LADY MAGNESIA / ZWEIMAL ALEXANDER. Groteskes zum Finale

 

WIEN / Kammeroper des MusikTheaters an der Wien: 
LADY MAGNESIA von Mieczysław Weinberg
ZWEIMAL ALEXANDER von Bohuslav Martinů
Premiere:  2. Juni 2026 

Groteskes zum Finale

Es war die letzte Premiere. Die letzte für alle Zeiten? Wer kann schon in die Zukunft schauen… Einst war es der Biedermeier-Ballsaal des Hotels Post. 1961begründete der Exil-Ungar Hans Gabor hier die „Kammeroper“, die den Wiener Opernfreunden meist Freude und Lust, selten Mißvergnügen bereitet hat. Nach Gabors Tod von seiner Gattin (mit Hilfe mehr oder minder erfolgreicher Direktoren) weiter geführt. musste man 2012 unter die finanzielle Decke des Theaters an der Wien schlüpfen und hat hier viel Interessantes (und auch Ärgerliches) gezeigt. Nun fehlen die Finanzen, und eine Wiener Tradition geht zu Ende…

Die letzte Premiere hätte, sagen wir es ehrlich, überzeugender ausfallen können. Aber grundsätzlich war der Abend konzeptionell richtig gedacht. Komponisten, die man jeweils im Zusammenhang mit einem Werk kennt – Mieczysław Weinberg mit der Flucht-Oper „Die Passagierin“, Bohuslav Martinů mit der „Griechischen Passion“ -, aber wenig darüber hinaus. Und bei je einem Einakter der beiden hat man auch, da man sich dramaturgisch offenbar nach Kräften bemüht hat, einen Zusammenhang hergestellt: Es geht um Ehebruch (als ob das nicht ein ewiges Thema wäre… das MusikTheater an der Wien hatte es eben bei „Stiffelio“).

Weinberg (1919-1996), der in Polen geborene Sowjet-Komponist) schrieb „Lady Magnesia“ 1975.  Das Libretto basiert auf einer Posse (oder einem Schwank, wie man will) von George Bernard Shaw. Die Lady und ihr Gatte, Sir George, hegen längst keine positiven Gefühle für einander (gleich zu Beginn zückt der den Dolch zur Tat…), die Lady hat ein Verhältnis mit Kammerdiener Adolphe, Kammerzofe Phyllis kann alle Beteiligten nicht leiden, und man tut gut daran, vor der Vorstellung schnell im Programmheft die Handlung zu lesen, sonst verwirrt sich die Geschichte um seltsame Tötungsmethoden total, zumal die Regisseurin alles für die zusätzliche Verwirrung und nichts für die Klarheit tut.

Martinu (1890-1959), noch im Österreichisch-Ungarischen Böhmen geboren, schuf „Alexandre bis“ (Zweimal Alexander) im Jahr 1937 und nannte das Werk eine Opera buffa. Der erste Alexander ist der Ehemann von Armande und verkleidet sich in seinen Vetter, auch Alexander genannt, um ihre Treue zu prüfen. Auch hier gibt es einen Verehrer, er heißt Oskar, und die Handlung stolpert noch surrealer daher als im ersten Stück.

Anna Bernreitner inszeniert in einer sich optisch wild überschlagenden Ausstattung (Bühne und Kostüm: Manfred Rainer / Hannah Öllinger) auf skurrile Körpersprache und optische Gags, grundsätzlich richtig, denn realistisch ist hier nichts gemeint. Dennoch wirkt das Verwirrspiel in beiden Werken nach und nach ermüdend, überbordend, sinnlos.

Weinbergs Musik koppelt sich von dem wilden Bühnengeschehen quasi ab, und man würde, wenn man die Augen schließt, weder orchestral noch gesanglich meinen, sich hier in einem heiteren Werk zu befinden. Martinu hingegen bezeichnete sein Werk als „Buffa“, und es klingt immer wieder auch so. Irene Delgado-Jiménez stand dafür am Pult des Wiener KammerOrchesters.

Josefine Göhmann ist zweimal die betrügerische Gattin, Wilma Kvamme zweimal das intrigante Dienstmädchen. In Gestalt von Peter Kirk wird der Gatte des ersten Stücks zum Liebhaber des zweiten, bei Jacob Phillips ist es umgekehrt, Timothy Edlin und Johann Ebert sind im zweiten Stück quasi im Hintergrund mitagierend dabei.

Das Publikum war freundlich, gebraucht hätte man den Abend nicht wirklich. Aber es ist schade um die Kammeroper, den schönen „Spielplatz“ des MusikTheaers an der Wien. Wer ka Göd hat, kann sich kan  Spielplatz leisten. Wann’s wieder amal a Göd gibt (wie es auf gut Wienerisch heißt), sperren ma’s vielleicht wieder auf…

Renate Wagner

 

 

 

 

Foto: Herwig Prammer

 

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