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WIEN / Kabelwerk: WORKING PURE

29.05.2013 | Allgemein, Theater

 

WIEN / Kabelwerk:
WORKING PURE von Wolfgang Mörth
Eine Produktion des aktionstheater ensemble
Premiere in Wien:  29. Mai 2013 

Das Vorarlberger aktionstheater ensemble gilt zu Recht als eine der anerkanntesten Avantgarde-Formationen Österreichs. Gelegentlich kommen sie auch nach Wien, diesmal mit ihrer Produktion „Working Pure“ in die Räumlichkeiten des „Palais Kabelwerk“, wie es nun heißt (und auch so chic geworden ist – nur plötzlich mit dem Auto nicht mehr vom Khleslplatz her anzufahren, was etwas verwirrend ist).

Kein „Stück“ im klassischen Sinn, nicht viel mehr als eine Stunde Spielzeit, diese aber so intensiv, dass man sich gelegentlich auf seinem Platz windet – so nahe kommen die Darsteller und die Probleme, die sie transportieren.

Ein Gerüst, zwei Männer, eine Frauenband (mit Namen Propella – sie machen wirklich harten Rock). Im Raum zwei offenbar gescheiterte Existenzen, die reden: über ihre Lebensentwürfe, unter denen ihre Lebenslügen hervorschauen. Das Rationalisieren des Scheiterns.

Der eine, Stefan Bernhard, fühlt sich als Establishment-Verweigerer. Philosophiert viel, aber ziellos herum. Assoziiert Gelesenes, bringt es nicht in Kontext. Er ist der vor allem „Körperliche“, präsentiert sich, seine Muskeln, seine Tattoos, seine ununterbrochene motorische Aktion, dazu seine Aggression.

Sie richtet sich gegen den anderen, Nikolaus Firmkranz, der es nicht geschafft hat, es aber schaffen möchte. Der zugibt, wie sehr ihn der Erfolg der Erfolgreichen fasziniert. Wie gerne er auch einer von ihnen wäre. Die Hoffnung hat er nicht aufgegeben. Dass er es nicht schaffen wird, spricht aus jeder Faser seines Seins.

Regisseur Martin Gruber stellt sie nebeneinander, bereichert die Szene durch die Musik, die immer wieder gewaltsam dazwischen fetzt, auch durch ununterbrochene Video-Sequenzen (die heutzutage offenbar unvermeidlich dazu gehören). Schon das ist stark und hart – wenn er die Männer dann aufeinander hetzt, zu körperlichem Kampf, schließlich zu einem Gewaltakt der Vergewaltigung, wird es schier unerträglich. Aber man weiß, was gemeint ist. Wo Worte versagen, bleiben die Aktionen, die so verletzend, so tödlich sein können.

Das Publikum, betroffen, erkannte heutige Positionen des Seins und des Versagens. Der Beifall war lange und ehrlich.

Renate Wagner

Weitere Vorstellungen nur noch 31.5. und 1.6.2013

 

 

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