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Wien / Josephinum: GUSTAV KLIMT UND DIE MEDIZIN

Keine Schönheit ohne Vergänglichkeit

26.03.2026 | Ausstellungen, KRITIKEN

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Wien / Josephinum:
GUSTAV KLIMT UND DIE MEDIZIN
BILDER ZUM FLUSS DES LEBENS
26.
März 2026 bis 27. Juni 2026

Keine Schönheit ohne Vergänglichkeit

Wer sich ein wenig in der Biographie Gustav Klimts auskennt, wird, wenn es um die Medizin geht, bedenklich, denn sie ist mit einem der größten Skandale seines Lebens verbunden. Das Fakultätsbild, das er als Deckengemälde für das neue Universitätsgebäude der Ringstraße liefern sollte, fand keinesfalls den Anklang, den der Künstler gewohnt war. Im Gegenteil – die heftige Ablehnung führte dazu, dass Klimt das Werk zurück zog und das Honorar zurückzahlte…

iklimt deckengemÄl cde mg 5806~1Aber nicht nur davon berichtet die faszinierende Ausstellung im Josephinum in der Währingerstraße, wo die Medizinische Universität der Stadt auch in jenem wunderbaren klassizistischen Gebäude zuhause ist, das einst Kaiser Joseph II.  im Jahr 1785 errichten ließ. Rektor Markus Müller und Josephinum-Direktorin Christiane Druml haben das Unternehmen initiiert, Kurator Tobias G. Natter hat viel Material zusammen getragen und kann durchaus Positives über Klimt und die Medizin erzählen.

Von Renate Wagner

klimt natter img 5809~1Die Fakultätsbilder     Gustav Klimt (1862-1918) zählte schon in seinen frühen Jahren zu den bekanntesten Künstlern Wiens. Er hatte mit seinem Bruder Gustav und Kollegen Franz Matsch zur allgemeinen Zufriedenheit das Deckengemälde der Feststiege im Burgtheater gestaltet. Also vertraute man ihm und Matsch die so genannten „Fakultätsbilder“ für die Decke des Festsaals der neuen Universität an. Matsch bekam die „Theologie“, Klimt die Philosophie, Jurisprudenz und die Medizin. Aber Klimt hatte sich weiter entwickelt, hatte die Makart-Welt zugunsten der Secession und künstlerischer Freiheit verlassen. Hatten schon die beiden ersten Themen nicht ganz den Erwartungen entsprochen, so entfesselte die „Medizin“ einen beispiellosen Skandal. Nichts daran entsprach den Erwartungen – Allegorien der Heilung, strahlende Menschen. Einzig das Bildnis der „Hygieia“ (der Gesundheit) entsprach jenem Typus einer schönen, geheimnisvollen, von Ornamenten umgebenen Klimt-Frau, wie man es von ihm erwartete. Im übrigen schuf Klimt – wie es die nunmehrige Ausstellung als Untertitel wählte – einen „Fluß des Lebens“. Er zeichnete Menschen aller Generationen, jene in der Mitte ihres Lebens, die Alten, die Kinder. Er schuf eine Schwangere und Skelette. Kein Fest der Schönheit, für das Klimt vor allem in seinen Damenporträts und Landschaften berühmt war, sondern eine tief philosophische Auseinandersetzung mit Leben und Tod. Darum geht es in der Medizin, und „Klimt wusste, dass es ohne das Bewusstsein der Vergänglichkeit keine Schönheit geben konnte“, wie Tobias G. Natter erklärt.

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Der Weg der „Medizin“   Die „Medizin“ wurde zuerst privat verkauft, kam dann viele Jahre nach Klimts Tod (als jüdische Sammler Zwangsverkäufe tätigen mussten) in die Österreichische Galerie im Belvedere, wurde angesichts des Kriegsgeschehens mit andern Werken (darunter im Ganzen 14 Klimts) nach Schloß Immendorf im Weinviertel ausgelagert. Wie es zu dem Brand kam, der alles zerstörte, darüber gibt es Erzählungen, Theorien und natürlich auch Verschwörungstheorien. Tatsache ist, dass lange Zeit nur schwarzweiße Fotos des Werks existierten, so wie es nun in der Ausstellung gezeigt wird. (Mittlerweile hat KI das Wunder vollbracht, das Werk zu kolorieren, und es ist heute an der Außenwand des Anna-Spiegel-Forschungsgebäudes am Medizinischen Universitätscampus angebracht.)

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Die Wiener Medizinische Schule     Zur Lieblingslektüre von Gustav Klimt zählten naturwissenschaftliche Sachbücher. Sein Interesse an der Wissenschaft war virulent, besonders an der Medizin. Im Wien von 1900 war die Wiener Medizinische Schule mit zahlreichen innovativen Vertretern die berühmteste der Welt. Und sie fand in jenem Josephinum statt, das heute die Ausstellung zeigt und ein berühmtes medizinisches Museum beinhaltet.

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Leben und Tod    Der Tod war für Klimt kein theoretisches Thema, er war ihm auch persönlich nahe gekommen, So unheimlich wie die Tatsache, dass Egon Schiele seine tote Gattin gezeichnet hat, ist es auch, dass Gustav Klimt Otto Zimmermann, eines seiner zahlreichen unehelichen Kinder, am Totenbett festhielt. Den Tod suchte Klimt auch in der Anatomie: Er war mit berühmtesten Anatomen seiner Zeit, Emil Zuckerkandl (1849 – 1910) , befreundet, und man weiß, dass der Künstler bei Sektionen im Anatomischen Institut zugegen war, um sich auch auf diese Weise mit dem menschlichen Körper vertraut zu machen. Es ist folglich einsichtig, dass die Ausstellung eines der vielen Wachspräparate (in diesem Fall ein geöffneter Körper) zeigt, für die das Josephinum besonders berühmt ist.

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Ornamente aus der Natur    Eine neue Erfindung damals war das Mikroskop, das Klimt besondere Einblicke in die Struktur menschlicher Zellen, menschlichen Blutes gab. Alles, was er sich als Ornament ausdenken konnte, war hier in der Natur vorgegeben, und Fachleute  haben viel Zeit damit verbracht, in Klimts Bildern Blutbahnen und Zellenstrukturen zu entdecken.

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Die Entwürfe    Der Künstler, der selbst in Gestalt seiner Totenmaske in der Ausstellung vertreten ist, hat zur „Medizin“ und auch anderen seiner Werke (Beethoven Fries) umfangreiche Studien betrieben, von denen die Ausstellung 25 originale Klimt-Zeichnungen zeigen kann, aus bekannten Sammlungen, aber auch Privatsammlungen, so dass man in dem dämmrig abgedunkelten Raum manches finden wird, was man noch nie gesehen hat.

Wien / Josephinum:
GUSTAV KLIMT UND DIE MEDIZIN
BILDER ZUM FLUSS DES LEBEN 
26.
März 2026 bis 27. Juni 2026
Öffnungszeiten Mittwoch bis Samstag, 10 bis 18 Uhr, Donnerstag 10 bis 20 Uhr

 

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