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WIEN / Hofmobiliendepot: WAGNER, HOFFMANN, LOOS UND DAS MÖBELDESIGN DER WIENER MODERNE

20.03.2018 | Ausstellungen, KRITIKEN

WIEN / Hofmobiliendepot:
WAGNER, HOFFMANN, LOOS UND DAS MÖBELDESIGN DER WIENER MODERNE
KÜNSTLER, AUFTRAGGEBER, PRODUZENTEN
Vom 21. März 2018 bis zum 7. Oktober 2018

Wohnen als Gesamtkunstwerk

Otto Wagner, Josef Hoffmann, Adolf Loos – das sind große Architektennamen der Wiener Moderne. Aber gerade in dieser Epoche wurden die Spezialisierungen aufgebrochen. Man setzte seinen Ehrgeiz darein, „alles“ zu können. Nicht nur riesige Gebäude zu bauen, sondern auch die dazu passende Innenausstattung zu kreieren. Otto Wagner entwarf jeden Türgriff selbst. Den Begriff des „Gesamtkunstwerks“ wollte nicht nur Komponist Richard Wagner realisieren. Nun, da im Fokus des Jahres „1918“ die Wiener Moderne von allen Seiten beleuchtet wird, hat sich das Möbelmuseum logischerweise der Innenausstattungen angenommen.

Von Heiner Wesemann

Die ganzen Räume     Es wäre einfach, einen Sessel neben den anderen zu stellen, um die Vielfalt der Möglichkeiten zu demonstrieren, eine schlichte Sitzgelegenheit zu gestalten. Und das geschieht auch. Aber die von Eva B. Ottillinger im Hofmobiliendepot kuratierte Ausstellung über die Wiener „Moderne“ wollte mehr. Denn in der Zeit des Umbruchs und Übergangs, wurden die „altdeutschen“ Zimmereinrichtungen des Historismus – auch hier gibt es noch Beispiele – von den „modernen“ Raumgestaltungen der neuen Künstler abgelöst. Und einige dieser Zimmer hat man hier zur Gänze aufgebaut. Mit manchmal überraschenden Effekt – auch bei den „Modernen“ war nicht alles leicht und locker, da konnte man in einem Herrenzimmer von Adolf Loos (für Georg Roy, ein wichtiger Auftraggeber) auch in tiefe, dunkle Fauteuils fallen…

Die Kunden des neuen Wohnens     Es war, wie man feststellt, vor allem das reiche und vielfach jüdische Großbürgertum der Monarchie, das sich erstens die teuren Künstler der Zeit leisten konnte, zweitens aber auch bereit war, sich die heiß umstrittene Moderne ins Haus zu holen. Wenn natürlich Otto Wagner seiner Gattin ein Schreibzimmer einrichtete… Josef Hoffmann gestaltete ein Speisezimmer für Berta Zuckerkandl (die in zahlreichen Ausstellungen über die Wiener Moderne auftaucht, man begegnet ihr auch im Wien Museum bei Otto Wagner und im Literaturmuseum, wo sie selbst eine Hauptprotagonistin ist). Adolf Loos hat für die Schwester des ihm so verbundenen Karl Kraus ein Schlafzimmer gestaltet, das man in die Ausstellung stellte. Es ist, wie man erfuhr, ein Großteil der vermutlich 300 Innenausstattungen von Adolf Loos im Lauf der Zeit einfach verloren gegangen…

Das Möbellager der Moderne     Neben den kompletten Räumen, die allerdings nicht abgetrennt sind, sondern fließend in die Ausstellung übergehen, sieht man Mobiliar aller Art, fast ein wenig Möbellager, das staunen macht (etwa ein skurriles Bett von dem Wiener Secessionisten Ernst Stöhr), aber immer geschmackvoll arrangiert (Ausstellungsdesign von Robert Rüf und Larissa Cerny). Bei dem Gezeigten konnte man vielfach auf eigene Bestände zurück greifen (schließlich ist das Hofmobiliendepot mit über 165.000 Objekten eines der größten der Welt), aber es gibt auch Leihgaben aus London und Paris.

Theorie und Praxis     Die neue Kunst wurde bedacht, besprochen, nach Konzepten durchgeführt, theoretische Schriften der drei großen Architekten sind vorhanden. Sie benötigten aber natürlich auch die Mitstreiter, die als Mitarbeiter ihre Ausstattungen gestalteten, die Möbel, die Stoffe, das Glas, das Porzellan. Ohne die ausführenden Produzenten wäre der neue Stil nicht zu realisieren gewesen, und die Wiener Werkstätte gehörte natürlich dazu. Oder die Firma Thonet für die Bugholzmöbel. Diese gibt es ebenso noch heute wie die Stoffe von Backhausen … ein kleiner Brückenschlag in die Gegenwart.

Spielerisch – warum nicht?     Es gibt Beispiele dafür, dass die Architekten als Möbelgestalter lustvoll experimentierten. Die so genannte „Sitzmaschine“ des Josef Hoffmann wirkt fast wie ein Rollstuhl, ist jedenfalls eine Hommage an die Technologie. Adolf Loos wiederum schuf (nach englischem Vorbild) einen Fauteuil mit einer dicken Rolle vorne, die er „Knieschwimmer“ nannte und es ermöglichte, tief im Sessel zu ruhen und dennoch die Knie hoch zu halten… Oder seine „Elefantenrüssel-Tische“, die wohl auch nicht ganz ernst gemeint waren. Manchmal würde man das eine oder andere Möbel gern ausprobieren…

Hofmobiliendepot, 1070 Wien, Andreasgasse 7
Wagner, Hoffmann, Loos und das Möbeldesign der Wiener Moderne.
Künstler, Auftraggeber, Produzenten
Täglich außer Montag 10 bis 18 Uhr

 

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