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WIEN / Hofmobiliendepot: SISI AUF KORFU

25.09.2012 | Allgemein, Ausstellungen

 

WIEN / Hofmobiliendepot – Möbel Museum:
SISI AUF KORFU. Die Kaiserin und das Achilleion
Vom 26. September 2012 bis zum 27. Jänner 2013  

Der Luxustraum vom antiken Glück

Sisi, Sisi allerorten, obwohl der „175er“ kein allzu runder Geburtstag ist  – sie tanzt und singt im Raimundtheater, sie wird uns demnächst auf der Filmleinwand „die ganze Wahrheit“ über sich verkünden, und wer wissen möchte, wie sie ihre Träume von der Antike verwirklichte, wird in der  sehr eleganten, großzügigen Ausstellung im Hofmobiliendepot fündig: „Sisi auf Korfu“ zeigt, in welchem Luxus sich der Griechenlandtraum der Kaiserin rund um ihr „Achilleion“ verwirklichte, das es ja noch heute gibt und zumindest für österreichische Sisi-Fans eine Pilgerstätte auf der Insel darstellt.

Von Renate Wagner

  

Mythos Sisi    Wieviel Neues es über Kaiserin Elisabeth von Österreich noch auszugraben gibt, weiß man nicht. Tatsache ist, dass sich auch das Alte immer wieder vorzüglich verkaufen lässt. Allein das macht „Sisi“ zu einem Phänomen. „Wie sehr man auch versucht, am Mythos Sisi zu kratzen, es nützt nichts“,  meint Ilsebill Barta, die wissenschaftliche Leiterin des Hofmobiliendepots. „Sie ist immer noch eine Projektionsfläche für moderne Empfindungen wie Sehnsucht nach Freiheit und Glück, für Widerstand und Flucht, für  Einsamkeit.“ Dass Sisi in ihrer Selbstbezogenheit die „Ego-Fabriken“ von heute vorweggenommen hat, mag zwar nicht zu den positiven Eigenschaften gehören, macht sie aber zweifellos aktuell. Immerhin: Gerade die „Sisi und Korfu“-Ausstellung hat keinen kritischen Ansatz. Vielmehr zaubert vor allem der Ausstellungsgestalter Thomas Hamann (nicht mit der Habsburg-Expertin verwandt) eine großzügige, quasi lichtdurchflutete Welt von schrankenloser Schönheit, die Sisi in Korfu gesucht und gefunden hat.

Sisi unterwegs    Es gibt Menschen, die haben die Ruhelosigkeit und damit das Reisen im Blut, und Sisi dürfte das schon von ihrem Vater, dem bayerischen Herzog Max, geerbt haben. Die 14jährige war einmal in Venedig, die 16jährige reiste von Bayern nach Wien, um zu heiraten. Die ersten Reisen als Kaiserin waren Repräsentationspflichten an der Seite ihres Gatten Franz Joseph. Nach einer Krankheit 1861 (damals war sie 23 Jahre alt) wurde sie nach Madeira geschickt – und genoss die Freiheit abseits vom beengenden Kaiserhof so sehr, dass sie beschloss, in der Folge möglichst nicht mehr in Wien zu leben. Jenes „fluchtartige“ Reiseleben, das sie damals begann und im Lauf der Zeit bis zu permanenten Abwesenheiten intensivierte, führte sie schon in jungen Jahren nach Korfu. Bis sie die Villa beziehen konnte, die sie sich dort im pompejanischen (also römischen!) Stil errichten ließ, vergingen allerdings 30 Jahre. Und es kostete ihren Mann ein Vermögen.

Griechenland aktuell    Anders als heute, wo Griechenland hauptsächlich negativePresse erhält, war das Land in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts glanzvoll präsent. Dort, wo einer der Verwandten von Sissi, Otto von Wittelsbach, von 1832 bis 1862 der erste König von Griechenland war, setzte sich Heinrich Schliemann auf die Spuren von Homer und der „Ilias“. Ab 1870 grub er Troja aus, was zum Griechenland-Taumel beitrug (ungeachtet, dass sich Troja in der heutigen Türkei befindet), und auch Kaiserin Elisabeth besichtigte auf ihrer Orient-Reise 1885 die Ausgrabungsstätte und das legendäre Grab Achills, ihres Lieblingshelden. Er war schön, sportlich, leichtfüßig – und verletzlich, wie die sprichwörtliche „Achillesferse“ es ja besagt. Er wurde (wie auf anderer Ebene Heinrich Heine) einer ihrer großen Verwandten im Geiste, und darum hat sie am Ende nach ihm ihre Villa auf Korfu benannt.

Reisen und Leben im Luxus    Was die Ausstellung zeigt, bewegt sich mit vielen Original-Exponaten ganz eng an Kaiserin Elisabeth entlang. Der erste Raum widmet sich dem „Reisen“ an sich. Es gibt Details aus dem Hofsalonwagen, der ihr privates Hotel auf Schienen war, es gibt ein Modell der kaiserlichen Jacht „Miramar“, die sie durchs Mittelmeer trug. Wie alle reichen Leute musste sie nichts missen – Geschirr, Besteck, Toilettengegenstände in eleganten Schatullen verpackt, alles vom Feinsten. Dazu sind die persönlichsten Dinge Sisis, ihre Kleider, Schuhe, Schirme und Fächer, Blickfänge der Ausstellung. Das Gemälde, das Plakat und Broschüre der Ausstellung ziert, zeigt sie in Schwarz am Balkon des Achilleions – man kann sich vorstellen, dass es dieser Schirm war, diese so unglaublich schmale schwarze  Taille, die sie damals getragen haben mag und die nun zu sehen sind. Im zweiten Saal zeigt ein helles Sommerkleid, wie unglaublich schmal diese nicht kleine (1,72 m) Frau war. Ein schlichter weißer Bademantel offenbart bei genauem Hinsehen, dass seine Bordüren ausschließlich aus Delphinen bestehen: Das war das Maskottchen des Achilleions, der „lachende Philosoph“, den die Kaiserin überall darstellen ließ. Interessant ist hier auch ein Koranständer und ein orientalisches Tischchen, die ziemlich unvermittelt in der Ausstellung stehen – Elisabeth, offenbar vielseitig interessiert, hat sie auf einer ihrer Reisen erworben und nach Korfu gebracht (wo sie auch sehr gerne auf Märkte ging und einkaufte).

Das Achilleion    Das Gebäude, über dessen Architektur und Entstehung man in der Ausstellung gerne mehr erfahren hätte, wird im zweiten Saal mit Aquarellen, Fotos und Einrichtungsgegenständen dargestellt, alles so locker und hell, wie Sisi es erträumt hat. Seltsam, dass die Kaiserin hier zwar von 1891, als diese Villa  bezugsfertig wurde, bis 1896 viel Zeit verbrachte und sich hier auch offensichtlich wohl fühlte. Aber unstet, wie sie war, ist sie dieses unvergleichlichen schönen Besitzes offenbar schon nach wenigen Jahren müde geworden. Zum Zeitpunkt ihres Todes stand das Achilleion zum Verkauf. Im Testament, in der Ausstellung zu sehen, vermachte sie es ihrer älteren Tochter, der in München verheirateten Erzherzogin Gisela. Diese hatte kein Interesse daran und verkaufte die Villa später an Kaiser Wilhelm II. Heute gehört sie dem griechischen Staat und kann von Touristen besichtigt werden – sowohl die Innenräume (mit dem riesigen Achill-Gemälde von Franz Matsch), wie auch der Park mit dem herrlichen Ausblick über die Küste (bis hinüber zu den Bergen Albaniens).

 

Das Land der Griechen mit der Seele findend    Es gibt die Tendenz, auf die intellektuellen Ambitionen von Kaiserin Elisabeth milde lächelnd herabzublicken, woran ihre schlechten Gedichte wohl auch Anteil haben. Aber im Grunde besteht dazu kein Anlass. Diese Frau hat nicht nur eine so komplizierte Sprache wie die ungarische erlernt, sie hat sich später keinesfalls als Dilettantin mit Altgriechisch und Neugriechisch befasst und in Korfu noch viele Stunden täglich freiwillig damit verbracht, was man als „Schularbeiten“ bezeichnen kann, um dieser Sprachen und ihrer Literatur mächtig zu werden. Und sie konnte es sich leisten, archäologische Objekte zu sammeln – einiges ist in der Ausstellung zu sehen, darunter ihre Daktyliothek: Gemmen zu sammeln, war damals so modern wie  der Privatbesitz von Mumien, wenn man es sich leisten konnte. Einige der Alben der Kaiserin sind ausgestellt. Man spürt in dieser Ausstellung, dass sich hier eine unglückliche, unstete Frau ihre Traumwelt errichtet hat – und wenn sie auch nicht auf die Dauer währte (wie nichts bei ihr), so kann man doch sicher sein, dass die Flucht in ideale Welten der Vergangenheit ihr zu den seltenen Perioden des Glücks verholfen haben.

Bis 27. Jänner 2013, täglich außer Montag 10-18 Uhr 

 

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