
WIEN / Heidi Horten Collection:
DIE LINIE
Vom 19. September 2025 bis zum 8. März 2026
Spielerisch nachgefragt
Sie war kaum je ein Thema, mit dem man sich näher befasst hätte – was bedeutet die Linie in der Kunst? Ist sie mehr als die Begrenzung, die man für eine Zeichnung braucht? Was ist „die Linie“, was kann sie, was bedeutet sie? Eine Ausstellung, die sich mit 120 Werken der unterschiedlichsten Art über den ersten und zweiten Stock der Heidi Horten Collection erstreckt, gibt überraschende und vor allem unglaublich vielfältige Antworten.
Von Renate Wagner

Die „Linie“ ist mehr Tiefer über die Linie nachdenkend, hat Kuratorin Véronique Abpurg eigene Themenkreise eröffnet: Linie als Spur, Struktur und Ausdrucksmittel. Geradezu „klassisch“ die Linie als dicke Umrandung wählend, geschah in der Pop Art zwischen Warhol. Haring und Roy Lichtenstein. Changierend zwischen Linie und Schrift erweist sich ein ausgestelltes Werk von Jean-Michel Basquiat, Und faszinierend an Jackson Pollocks „Number 17“, ein klassisches „Drip Painting“, ist die Erkenntnis, dass Farbe, auf die Leinwand getropft, durchaus nicht nur Kleckse, sondern vielfach auch Linien bildet…

Die Fülle der Möglichkeiten Eines der jüngst angekauften Werke bei Horten füllt eine ganze Wand. Auf den ersten Blick gleicht die riesige Weltkarte der indischen Künstlerin Reena Saini Kallat, genannt „Woven Chronicle“, den Abbildungen in Flugzeug-Magazinen, wo die weltweiten Routen der Gesellschaften angegeben werden. Tatsächlich sind hier elektrische Leitungen eingebaut und es geht darum, weltweite Migrationsrouten nachzustellen.

Große Namen im Raum und an der Wand Vieles an Modernem steht auch hier im Raum – wie eine grüne Welle erscheint „Securità“ von Franz West aus Stahl und Styropor. Es sind Werke dieser Art, die das Spielerische der Ausstellung betonen, in der sich aber zwischen Klimt und Schiele, Matisse bis Kandinsky viele große Namen tummeln. Von Kandinsky stammt übrigens die Erkenntnis: „Die Linie erfährt viele Schicksale. Jedes davon erschafft eine bestimmte, spezifische Welt.“
Eine Intervention Ein Museum, das es sich leisten kann (nicht jedes Haus hat das Vermächtnis einer Milliardärin im Rücken), wird auch Kunst beauftragen, wie es in der Zeit der großen Mäzene üblich war. In diesem Fall schwebt die „rote“ Intervention der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota über alle Stockwerke, bei näherer Betrachtung handelt es sich um „Letters of Thanks“, Briefe, die das Museum von begeisterten Besuchern erreichten. Man kann dieses Werk als „Raumzeichnung“ betrachten… und es wird Ausgangspunkt eines Projekts mit den Besuchern sein. Ähnliches gab es, als man eine zeitlang danach gefragt hat, welches Werk der Sammlung von Publikum besonders geliebt wurde. Den ersten Preis trug damals Paul Klees „Geschwister“ davon, ein kubistisches Werk, das perfekt in den Rahmen dieser Ausstellung passt, erfasst es doch das Thema sozusagen nur durch Linien, die dann Formen bilden. Von Paul Klee gibt es übrigens auch einen elementare Satz zum Thema Linie : „“Die Linie ist ein Punkt, der spazieren geht.“

Agnes Hussleins „fast“ Abschied Keine Frage, dass man das Horten Museum, das sich in Wien so zentral eingestellt hat (zwischen Staatsoper und Albertina gelegen), Agnes Husslein verdankt. Sie hat für die mittlerweile verstorbene Milliardärin Kunst gesammelt, moderne Klassiker (mit herausragenden Werken), aber immer auch das Allerneuerste. Und sie hat für Heidi Horten das Museum eingerichtet und hier seither für immer sehenswerte Ausstellungen gesorgt. Eine „kleine“ soll noch kommen, als Großausstellung ist „Die Linie“ die Letzte, die Husslein, Jahrgang 1954, verantwortet. Sie hat auch noch die Projekte für 2026 geplant, bevor sie das Steuer an Verena Kaspar-Eisert (bisher MuseumsQuartier) weitergibt. Ein würdiger Abschluß eines Lebens in der Kunstwelt, das die Enkelin von Herbert Boeckl (über den sie auch dissertiert hat) von Southeby’s, das Museum der Moderne in Salzburg und dann höchst erfolgreich an das Belvedere führte (wo man sie unter Vorwänden hinaus mobbte), bis sie schließlich ihre Arbeit damit krönte, Wien ein neues und wichtiges Museum zu geben.
Heidi Horten Collection:
DIE LINIE
Vom 19. September 2025 bis zum 8. März 2026
Täglich außer Dienstag 11 bis 19 Uhr,
Donnerstag 11 bis 21 Uhr

