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WIEN / Haus Hofmannsthal: EDITA GRUBEROVA

„Das hätte der Richard Strauss hören sollen!“

11.02.2026 | Ausstellungen, KRITIKEN

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WIEN / Haus Hofmannsthal: 
EDITA GRUBEROVA
DIE NACHTIGALL DES BELCANTO
Ab 11. Februar 2026 das ganze Jahr geöffnet

„Das hätte der Richard Strauss hören sollen!“

Heuer am 23, Dezember 2026 wäre Edita Gruberova 80 Jahre alt geworden. Sie wird diesen Geburtstag nicht erleben, sie ist vor fünf Jahren, am 18. Oktober 2021, unter tragischen Umständen ums Leben gekommen. 2019 hatte sie eine Karriere, die 51 Jahre lang währte, beendet.

Das Haus Hofmannsthal widmet der aus Bratislava stammenden Künstlerin  nun eine seiner Sänger-Ausstellungen, die auf der Sammlung des im Vorjahr verstorbenen Erich Wirl beruhen. Wirl hat die großen Künstler von Theater und Oper über 65 Jahre hindurch begleitet, ihnen unermüdlich jeweils die aktuellen Fotos ihrer Karriere zwecks Unterschriften vorgelegt. Er war ein unermüdlicher Begleiter von vor allem Wiens Elite, wie es sich jeder von ihnen nur wünschen konnte.

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So kommt es, dass Edita Gruberova (abgesehen von begleitendem Text-Material) in Schaukästen in fast allem zu sehen ist, was sie in ihrem langen Künstlerleben dem Publikum gezeigt hat – von den kleinsten Rollen (ein Page Tebaldo in „Don Carlos“ bei den Salzburger Festspielen) bis zu ihren größten Rollen, die dann in verschiedenen Inszenierungen (und Kostümen) durch die Welt gezeigt werden, etwa die Königin der Nacht, mit der sie zuerst berühmt wurde.

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Ihre „Signatur“-Rollen waren dann durch Jahrzehnte  die Zerbinetta in der „Ariadne auf Naxos“ und die Lucia di Lammermoor. Die Zerbinetta hatte sie sich – wie Markus Vorzellner bei der Vernissage erzählte – von Karl Böhm regelrecht erkämpft, denn eigentlich stand für die Neuinszenierung 1976 in der Wiener Staatsoper schon eine andere Sängerin fest. Edita Gruberova, die, aus Bratislava kommend, bereits seit sieben Jahren an der Staatsoper ein Nebenrollen-Dasein fristete, schaffte es, Karl Böhm vorzusingen, und dieser erkannte sofort das einmalige Talent. Wenn er ihr über ihre Zerbinetta sagte, „Das hätte der Richard Strauss hören müssen!“ – konnte es höhere Anerkennung geben von einem Dirigenten, der Strauss noch gekannt hatte und als berühmter Spezialist für seine Werke galt?

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Edita Gruberova, ein Koloratursopran, die jahrzehntelang weltweit die Weltspitze markierte, sang Mozart, Verdi (Gilda, Traviata. In ihren Anfängen Oscar). aber 1978 trat sie in jenes Fach ein, in dem man sie der Callas gleich stellte (oder gelegentlich auch darüber): die großen Belcanto-Opern von Bellini und Donzietti. Die Lucia di Lammermoor, deren Wahnsinn den Zuhörern das Blut stocken ließ, wurde ihre zweite Signatur-Rolle, sie hat diese an der Wiener Staatsoper allein zwischen 1978 und 2009 nicht weniger als 89mal gesungen. Nur die Zerbinetta sang sie öfter, nämlich 97mal zwischen 1973 und 2009. (Ihre Königin der Nacht kam auf 69 Vorstellungen zwischen 1970 und 1984.) Und niemand kann sich erinnern, dass sie in diesen Rollen je „schlecht“ gewesen wäre.

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Auf die „Lucia“ folgten die Donizetti-Königinnen Maria Stuarda, Anna Bolena, die Elisabetta in Roberto Devereux, weiters die Damen Lucrezia Borgia, Maria di Rohan, Linda di Chamounix und die Regimentstochter.

Bei Vincenzo Bellini fand sie die Riesenaufgaben in Norma, I puritani, I Capuleti e i Montecchi, Beatrice di Tenda und La Straniera. Sie erfüllte diese Koloraturenwunder mit Leben – und die Rollen erfüllten wiederum  ihr Künstlerleben.

In der Ausstellung im Haus Hofmannsthal kann man nun, dank der Sammlung von Erich Wirl, von Bild zu Bild die Karriere der Gruberova nach erleben und sich an so manches Schöne und Wunderbare erinnern.

Renate Wagner

 

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