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WIEN / HAUS DER GESCHICHTE: Aufbruch ins Ungewisse

07.11.2018 | Ausstellungen, KRITIKEN

 
Fotos: Wesemann

WIEN / HAUS DER GESCHICHTE:
Aufbruch ins Ungewisse
Neueröffnung

Hundert Jahre Österreich

Geschichte diesmal nah – das letzte Jahrhundert, das nicht nur für Österreich, sondern für die Welt so viele Erschütterungen bereit hatte. Das lange angekündigte, heiß umstrittene und endlich realisierte „Haus der Geschichte“ in den Räumen der Nationalbibliothek am Heldenplatz führt durch die Erste Republik, die nationalsozialistische Epoche und behandelt die Zweite Republik bis hinauf zu uns, bis 2018. Ein großer Überblick, der darauf abzielt, den Besuchern Erkenntnisse mitzugeben, die sie in ihrem politischen Bewusstsein, in ihrem politischen Alltag verankern und benützen können.

Von Heiner Wesemann

1918 – der Blick in den Abgrund     Auch wenn die Habsburger-Monarchie schon seit längerem zerbröckelt ist und der Erste Weltkrieg die „Kaiserzeit“ gnadenlos beendete, hatte man doch in einer Welt gelebt, in der man sich zurechtfand, die lange Zeit auf festen Strukturen von Staat und Beamtentum, Kirche und Tradition ruhte. Das alles war 1918 zu Ende – und niemand wusste, was kommen würde. Es war, wie das Haus der Geschichte für seine Eröffnungsausstellung richtig formuliert, ein Aufbruch ins Ungewisse. Für die Menschen in einem vergleichsweise winzigen „Rest-Österreich“, von dem die anderen Nationalitäten in ihre Selbständigkeit „abgefallen“ waren, musste eine neue Lebensform gefunden werden.

Ein Weg in sieben Stationen     750 Quadratmeter sind in der Neuen Burg für die Themen der „hundert Jahre“ bereit gestellt worden, tatsächlich drei lange Räume, die noch unterteilt sind, und ihre knapp 2000 Objekte nach Schwerpunkten verteilen. „Hoch die Republik“ steht am Beginn, am 12. November 1918 war die demokratische Republik ausgerufen worden, die Habsburger waren (ebenso wie die Hohenzollern, während die Russen die Romanows ermordet hatten) im Exil. Ganz richtig denkt man aus heutiger Sicht, wenn man dem Einfluß der Wirtschaft auf die Politik einen eigenen Abschnitt widmet. Die dritte Station gilt bereits dem NS-Terror, und dann werden schwerpunktmäßig Grundfragen gestellt: Was ist Heimat, wie geht man mit Grenzen um, wie mit Minderheiten, Am Ende steht die Erkenntnis, wie sehr immer schon das Bild als politische Macht eingesetzt wurde, wie Bilder die Vorstellungswelten prägen. Locker, offen und zeitgemäß in der Gestaltung, schwerpunktmäßig nach Jahren gegliedert, überreich mit Videowänden und „bewegten Bildern“ ausgestattet, wird es mehrere Besuche bedürfen, um sich nach dem ersten Eindruck in Details zu vertiefen.

Erinnerungen an die Rosés     Jeder, der mit der Geschichte von Gustav Mahler vertraut ist, weiß, dass Arnold Rosé mit Justine Schindler, der Schwester von seiner Gattin Alma, verheiratet war. Rosé selbst, einer der berühmtesten Geiger seiner Epoche, überlebte den Nationalsozialismus, weil er rechtzeitig flüchten konnte. Nicht so seine Tochter Alma, ihrerseits eine hoch gelobte Geigerin, die ins KZ Auschwitz-Birkenau gebracht wurde, dort das berühmte „Frauenorchester“ leitete und ums Leben kam. „Nur die Geigen sind geblieben“ heißt die erste für ein halbes Jahr vorgesehene Wechselausstellung, die gleichfalls zur Eröffnung des neuen Museums im obersten Stockwerk geboten wird, wo die Hintergrundinformationen sehr passend auf Notenständern verteilt worden sind. Die Geigen der Rosé haben tatsächlich „überlebt“… In Erinnerung an dieses Schicksal wurde soeben diese Ausstellungsfläche im obersten Stockwerk der Neuen Burg in „Alma Rosé Plateau“ umbenannt.

HAUS DER GESCHICHTE
Täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr
Das Museum bietet permanent Überblicksführungen, Kuratorinnenführungen, Kurzführungen und Gespräche am Dienstag an, um aktiv Kontakt zu den Besuchern zu halten.
Die neuen Medien (Twitter u.a.) sind in die Ausstellung einbezogen

 

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