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WIEN / Hamakom: DIE ÜBERFLÜSSIGEN

10.01.2019 | KRITIKEN, Oper

 
Foto: Palffy

WIEN / Theater Nestroyhof Hamakom:
DIE ÜBERFLÜSSIGEN von Alexander Kukelka
Eine Produktion von Neues Wiener MusikTheater
Uraufführung
Premiere: 8. Jänner 2019,
besucht wurde die zweite Vorstellung am 9. Jänner 2019

„Allrounder“ als Alexander Kukelka kann man gar nicht sein: Er schrieb die Operngroteske „Die Überflüssigen“, er komponierte sie, er brachte sie als Produktion seines Neuen Wiener MusikTheaters heraus, wobei er Regie führte und selbst am Klavier saß. Den ganzen Abend schier ununterbrochen spielend, hat er auch noch das Kammerensemble geleitet, das er für diese knapp zweistündige Produktion braucht. Eine enorme Leistung.

Will man in steigernder Reihenfolge beginnen, so ist das Buch, das Kukelka sich geschrieben hat, vielleicht nicht der stärkste Teil des Abends, wenn es ihm auch das Wichtigste gewesen sein mag, so viel Zeitkritik wie möglich in seine Parabel zu stopfen. Sie spielt auf einer Müllhalde, die von einem so genannten „Hüter des Mülls“ bewohnt wird, wohl eher ein machtvoller Sandler, der von jedem Stück, das er aufhebt (ob Plastik, Metall oder was immer), zu sagen mag, wie sich seine chemischen Bestandteile nennen. Eine Müllhalde ist immer eine Metapher, zumal für unsere Wegwerf-Gesellschaft…

Da stolpern nun Gestalten herein (nicht fragen, wieso), die gleichfalls parabelhaft aussagekräftig sein sollen: Erst der Geschäftsmann, Symbol für Hochmut und Selbstoptimierung, dann die Society-Dame, die für Egoismus und Oberflächlichkeit steht, schließlich das Underdog-Mädchen, die einmal eine Sängerin werden wollte und für die Chancenlosigkeit der Unterschichten Zeugnis ablegt.

Diese Situation ist nach einer halben Stunde etabliert, aber es geht noch fast eineinhalb Stunden weiter. Nachdem die Handlung eine zeitlang auf der Stelle getreten ist, steht man plötzlich auf der Müllhalde vor der überraschenden Erkenntnis, dass man sie nur auf einem Floß verlassen kann, wobei es sich der Autor nicht versagt, hier einen Flüchtling anzuschwemmen, der von den zwei unliebsamen Zeitgenossen unter dem Motto „Das Boot ist voll“ und mit allen bekannten, unfreundlichen Argumenten attackiert wird…

Dann freilich wird es in einer Weise wirr und stellenweise auch lächerlich (wenn der alte Müll-Hüter im Wasser stirbt und der Geschäftsmann verspätet in ihm seinen Vater erkennt zum Beispiel), es gibt noch allerlei sentimentale Bekenntnisse und am Ende ein Lob des Lebens auf dem „Raumschiff Erde“… Da ist unter dem Motto „Darf’s ein bisserl mehr sein?“ einfach alles hineingestopft, was man wohlfeil an Heutigem zitieren kann, wobei die Akkumulation dramaturgisch nicht wirklich überzeugt.

Als Aufführung vor einer Müllhalde und teilweise auf einem „Floß“, das aus ein paar Paletten besteht, ist die Sache stärker, die Darsteller lassen kaum Wünsche offen als gelegentlich jene der Verständlichkeit: Eva Maria Neubauer als Society-Lady, Ewelina Jurga als das sympathische schlichte Geschöpf, Dieter Kschwendt-Michel als hochmütige Managertype, Emil Kohlmayr als Flüchtling mit kleiner Rolle, aber kraftvollem Tenor, und Müll-Hüter Rupert Bergmann mit seinem gewaltigen Baß-Bariton.

Stärkster Teil des Abends war die durchwegs hörverträgliche, tonale Musik, vordringlich als Untermalung eingesetzt,  die einzelne Szenen charakterisierte, ohne je zum Selbstzweck zu werden – was dann vielleicht auch nicht das ist, was ein Komponist beabsichtigt…

Renate Wagner

 

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